Finanzspritze für deal united

Das E-Commerce-Start-up deal united (www.dealunited.de) hat es geschafft: Der High-Tech Gründerfonds und die Beteiligungsgesellschaft sympasis innovation capital versorgen das Münchner Unternehmen mit neuem Kapital. Damit kann deal united die religiös klingende Vision “Nicht-Käufer […]

Das E-Commerce-Start-up deal united (www.dealunited.de) hat es geschafft: Der High-Tech Gründerfonds und die Beteiligungsgesellschaft sympasis innovation capital versorgen das Münchner Unternehmen mit neuem Kapital. Damit kann deal united die religiös klingende Vision “Nicht-Käufer in Käufer konvertieren” weiter vorantreiben. “Nicht-Käufer” meint in diesem Fall die Gruppe jener Nutzer, die sich durch einen Online-Shop klicken – letztlich aber nichts kaufen. Eine Angelegenheit, mit der Gründer und Geschäftsführer Jarg Temme schon in seinem vorigen Unternehmen crosstab (www.crosstab.de) zu tun hatte. Dort analysierte er Kundenverhalten und vollzog Clickstreamanalysen. Aufgrund seiner Erfahrungen entwickelte er zusammen mit Fabian Hansmann und Oliver Beste von Founderslink die Geschäftsidee, durch attraktive Angebote gezielt Nicht-Käufer anzusprechen. Das Team beruft sich auf Analysen, denen zufolge nur 2 % der Besucher von Online-Shops auch wirklich dort einkaufen. Außerdem brechen rund 70 % der Interessenten den Kaufvorgang ab – sogar, wenn die Artikel schon im virtuellen Einkaufswagen gelandet sind.

Auf zwei Arten versucht Deal united unentschlossene Online-Shopper zum Kauf zu motivieren. Zum einen kann der Kunde das Produkt seines Interesses kostenlos erhalten, wenn er in einem der Werbepartnershops (unter anderem Otto, myToys, Valentins) ein Produkt kauft. Interessiert sich ein Computerfreak für eine bestimmte Software, bricht den Kaufvorgang aber ab, erhält er eine Nachricht mit dem Hinweis auf eine Deal-Möglichkeit. Geht er darauf ein und kauft zum Beispiel einen Blumenstrauß bei Valentins, bekommt er die Software geschenkt. Indem Valentins eine Prämie für den Neukunden bezahlt, refinanziert dieser Werbepartner die geschenkte Software. Daran verdient deal united eine Provision. Die andere Motivationsmöglichkeit besteht darin, dass der Käufer Gutscheine von verschiedenen Werbepartnern erhält, wenn er den Kaufvorgang für die Software auch wirklich abschließt. Auf diese Weise profitieren drei Seiten: Online-Shops behalten Kunden, die ansonsten vor dem endgültigen Kauf zurückgeschreckt wären. Werbepartner erhalten Zugang zu Kunden aus einem für sie neuen Kundenstamm. Endnutzer bekommen zwei Produkte und müssen nur eines davon bezahlen.

Internationalisierung steht ganz oben auf der Agenda

Temme ist überzeugt, dass sich dieser Trend längerfristig durchsetzen wird. In den USA gebe es bereits zehn bis fünfzehn Mitstreiter. In Europa sehe der Markt hingegen noch dürftig aus. Deswegen steht die Expansion des Unternehmens ganz oben auf der Agenda: “Das Vertrauen unserer erfahrenen Investoren zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Kapital wollen wir in erster Linie dafür nutzen, die laufende Internationalisierung voranzutreiben.” In zahlreichen Ländern wie England, Frankreich, Spanien, Italien und dem deutschsprachigen Ausland bietet deal united bereits seine Dienste an. Viele andere Länder sollen folgen. Einen Rechtsstreit mit dem amerikansichen Mitbewerber Trialpay haben die Deal-united-Macher inzwischen ebenfalls aus der Welt geschafft. Die Plagiatsklage lähmte den Tatendrang der Gründer und die geplante Finanzierung des Start-ups über längere Zeit. Es bleibt spannend zu beobachten, ob Geschäftsmodelle im Stil von deal united das Kaufverhalten langfristig beeinflussen werden: Statt Rabatte zu suchen, müssen sich Käufer einfach nur unentschlossen geben. Wer genau weiß, was er will, ist selbst schuld.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.