Fünfzehn Fragen an Robin Behlau von Käuferportal

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ein Unternehmen kann niemals von einer Person alleine am Laufen gehalten werden. Das haben wir während der Gründung von Käuferportal gelernt. Alle Freiheit und […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ein Unternehmen kann niemals von einer Person alleine am Laufen gehalten werden. Das haben wir während der Gründung von Käuferportal gelernt. Alle Freiheit und Flexibilität bringen einem nichts, wenn man kein Team hat, auf das man sich stützen kann. Gute Ideen entstehen nicht in Hierarchien sondern durch das gemeinsame Arbeiten und durch die Kritik der Anderen. Mein Mitgründer Mario Kohle und ich haben nicht gegründet, weil wir unbedingt mal Chef sein wollten, sondern weil es unser Ziel war, etwas zu schaffen. Als Angestellter wäre das schwieriger. Man trifft weniger Entscheidungen und hat nicht dieselbe Verantwortung wie bei einem eigenen Unternehmen. Für jede Entscheidung, die ich heute treffe, muss ich auch Morgen noch gerade stehen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu Käuferportal entstand bei einem Treffen mit meinem Partner Mario Kohle, Lukasz Gadowski und mir. Das war im Juni 2008 bei einem Eis am Spreeufer, hier in Berlin. Zwischen Vanille- und Stracciatellakugeln haben wir die Idee von Käuferportal entwickelt und arbeiten bis heute unermüdlich daran. Für Mario und mich war eigentlich schon immer klar, dass wir einmal gründen würden. Schon während unseres Studiums schmiedeten wir die entsprechenden Pläne. Am Ende war es Lukasz, der uns den Denkanstoß in die richtige Richtung gab.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir werden von verschiedenen Business Angels unterstützt und finanziert. Unter anderem dabei sind Ehssan Dariani, Lukasz Gadowski, Maximilian Thyssen und Kolja Hebenstreit.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Tatsache, dass wir erst 23 waren und uns jegliche Erfahrung fehlte, machte es anfangs nicht unbedingt leicht. Aber Spaß beiseite: Ein wichtiger Punkt ist das Feedback von allen Seiten, von Kritikern und Unterstützern bis hin zur Zielgruppe selbst. Nur wenn man das Produkt an den Konsumenten anpasst- nicht andersherum – hat eine innovative Geschäftsidee auch die Chance zu überleben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich denke, ich würde von Anfang an alles In-House haben wollen. Es ist wichtig, die verschiedenen Verantwortlichen seines Unternehmens in der Nähe zu haben.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir, als Start-up, sind in zwei verschiedene Marketingrichtungen ausgerichtet. Auf der einen Seite, der Käuferseite, stehen Online- Marketing und Kooperationen an erster Stelle. Wir holen die Kaufinteressenten direkt von ihrem Bedürfnis ab und bieten Ihnen die Schnelligkeit des Internets gepaart mit dem Service und dem Wissen eines Fachhändlers. Auf der anderen Seite bietet sich unseren Verkäufern ein effizienter Marketingkanal zur Neukundenakquise. Mit einem eigens angelegten Vertrieb bemühen wir uns um Direktmarketing. Ein mittelständisches Unternehmen besitzt selten die ausreichende Internetexpertise, um sich auch online zu vermarkten. Einen Experten einzustellen würde aber horrende Kosten verursachen. Käuferportal bietet die Lösung und öffnet für diese Unternehmen das Tor zum Internet. Wichtig ist es für uns in jedem Fall, eine hohe Reputation zu schaffen, damit die Anfragen stellenden Mittelständler und Verkäufer sehen, dass wir ein mittelständisches Unternehmen sind, wie sie auch. Daher sind uns die Treffen mit erfahrenen Menschen, wie etwa Rezzo Schlauch (ehemaliger Mittelstandsbeauftrager der deutschen Bundesregierung) und Dr. Michael Fuchs (Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand) auch ungemein wichtig, da sie uns noch zusätzliches Feedback geben können. Auch der Sieg beim diesjährigen Bitkom Innovators‘ Pitch und die Wahl zum Gründer des Monats März bei der Financial Times Deutschland geben uns zusätzliche Bestätigung und gegebenenfalls Kritik, damit wir unser Angebot ständig optimieren können.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Auf jeden Fall mein Geschäftspartner Mario Kohle. Wir kennen uns schon eine Ewigkeit. Seit wir uns damals auf dem Strausberger Bolzplatz zum gemeinsamen Fußball spielen getroffen haben, sind wir Freunde. Auch heute sind wir ein gutes Team und ergänzen uns ziemlich gut. Wir unterstützen uns gegenseitig und geben einander den nötigen Rückhalt, den man zum Gründen braucht.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich finde, den Mutigen gehört die Welt. Selbstverständlich macht man auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen viele Fehler. Die Risiken dürfen einen aber nicht davon abhalten, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Wenn man an seine Geschäftsidee glaubt und hinter seiner Sache steht, sollten einem die kleinen und großen Fehler nicht so leicht aus der Bahn werfen. Außerdem kann ich jedem, der vor hat, sich mit einer Idee selbstständig zu machen, nur raten, so schnell wie möglich an die Zielgruppe heran zu treten, um ein Feedback zu erhalten. Nur so kann man wissen, ob es sich lohnt, aus einer Idee ein Geschäft zu machen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Vielleicht nicht direkt wünschen, aber ich würde mich mit ihm darüber unterhalten, dass uns Start-ups die Chance gegeben werden sollte, auch in den politischen Lobbys vorstellig zu werden, ohne gleich wie ein Außerirdischer angeschaut zu werden, weil man sein Geld mit dem Internet verdient.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich glaube, ich wäre Shopping-Center-Manager geworden. Während meines Studiums der Immobilienwirtschaft habe ich bei einem Unternehmen gearbeitet, das Einkaufszentren baut, vermietet und betrieben hat. Prinzipiell habe ich genau das gelernt. Die Arbeit als Center Manager ist übrigens dem eines Gründers ziemlich ähnlich. Man trägt viel Verantwortung, wird ständig mit neuen Problemen konfrontiert und muss schnell Lösungen finden. Ich fühle aber, dass mir die Arbeit bei Käuferportal mehr gibt.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich würde gerne Mal einen Tag bei Jobmensa arbeiten. Weniger, um sie zu beobachten, sondern, um die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen, denn bei den Gründern handelt es sich um alte Freunde von Mario und mir aus Köln.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Wie so viele Jungs habe ich mich damals in der Schule für Dinosaurier interessiert und alles darüber gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte. Ich glaube, ich würde gerne mal 150 Millionen Jahre zurück reisen, um mir das damalige Geschehen auf dem Berliner Gendarmenmarkt anzuschauen. Aus sicherer Entfernung versteht sich.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde das Geld ohne zögern in Käuferportal stecken. Beim Pokern gibt es den Spruch: Wenn dein Blatt nicht stark genug ist, um All-In zu gehen, dann brauchst du die Hand gar nicht erst zu spielen. Wir haben so viel Zeit und Arbeit in Käuferportal gesteckt, dass es ein ganz selbstverständlicher Schritt wäre, auch jedes verfügbare Geld dafür auszugeben. So könnte Käuferportal schneller zu Deutschlands wichtigster Beschaffungsplattform für Investitionsgüter werden.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Sonntags verlege ich mein Büro in eine gemütliche und entspannte Umgebung: nämlich auf meine Couch zu Hause. Ein Perspektivwechsel kann nie schaden, wenn man so viel arbeitet. Das ganze wird dann gelegentlich mit ein bisschen Fast Food untermalt und läuft natürlich nicht ganz so streng ab wie im Büro.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Hinter meinen Schreibtisch im Büro hängt ein lebensgroßes Poster von Muhammed Ali. Ihn hätte ich gerne einmal getroffen, denn er verkörpert klare Prinzipien und die Einstellung, dass man schwierige Entscheidungen treffen und dazu anschließend auch stehen muss. Das hat mich schon als Junge beeindruckt. Ich fände es spannend, mich mit ihm mal zu unterhalten und ihn zu fragen, ob er irgendwas in seinem Leben anders gemacht hätte.

Zur Person
Robin Behlau arbeitet gemeinsam mit seinem Partner Mario Kohle daran, Käuferportal (www.kaeuferportal.de) zu “einer der größten Vermittlungsplattformen für Investitionsgüter auszubauen”. Der noch junge Dienst soll kleinere und mittlere Unternehmen bei der Suche nach Produkten und Dienstleistungen unterstützen. Diese haben demnächst die Möglichkeit, ihre Produktwünsche bei Käuferportal einzustellen. Die Eingaben werden anschließend von der Käuferportal-Mannschaft ausgewertet und an die passenden Anbieter weitergeleitet. Seine Erfahrungen als Gründer dokumentiert Behlau unter www.robinbehlau.de.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.