Fünfzehn Fragen an Felix Fidelsberger von toksta

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Hinter dem Entschluss zu Gründen stand bei mir viel weniger das Ziel “mein eigener Chef zu sein” als die Motivation meine eigenen Ideen und […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Hinter dem Entschluss zu Gründen stand bei mir viel weniger das Ziel “mein eigener Chef zu sein” als die Motivation meine eigenen Ideen und Ziele zu verwirklichen. Einen Chef habe ich nämlich eigentlich immer noch: Er heißt “Markt” bzw. “Kunde” und verlangt in der Regel wesentlich mehr als der Chef eines Angestellten.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu toksta hatte Michael während er an einem Projekt für eine Community gearbeitet hat. Das war Mitte 2007. Nachdem er vergeblich nach einer passenden IM Lösung gesucht hat und sich darüber hinaus die Zahl Communitys mit integriertem Messenger an einer Hand abzählen ließ, war die Idee für toksta geboren (und das Ende des Communityprojektes besiegelt).

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Neben eigenem Kapital sind wir durch Team Europe Ventures und Seedcamp finanziert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Unser Time-to-Market war alles andere als optimal. Vor allem in der Anfangsphase kannte die Kreativität hinsichtlich neuer Features häufig keine Grenzen. Hier hätten wir wesentlich konsequenter vorgehen und nur in die Entwicklungsroadmap aufnehmen sollen, was absolut unabdingbar für den Launch war. Man könnte also fast sagen, dass wir uns selber Stolpersteine in den Weg gelegt haben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Rückblickend gibt es natürlich viele Dinge die man anders bzw. besser hätte machen können. Als unseren größten Fehler würde ich aber die bereits angesprochene Detailverliebtheit und zu viele Features zu Beginn der Entwicklung bezeichnen. Das hat viel wertvolle Zeit gekostet. Letztendlich muss immer gelten: Der Markt entscheidet über alle (neuen) Features.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Als B2B-Anbieter hat der Vertrieb für uns bisher einen größeren Stellenwert als das Marketing. Gleich danach kommt PR bzw. vor allem Blogmarketing. Messen und andere Networking Veranstaltungen haben sich leider viel zu häufig als Zeitverschwendung entpuppt. Allerdings haben wir auch einige unserer wichtigsten Kontakte auf eben diesen Events gemacht.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mit Team Europe Ventures konnten wir einen starken und erfahrenen Partner gewinnen. Rückblickend gab es viele Situationen wo sich das bezahlt gemacht hat. Ansonsten hat mich privat meine Freundin sehr viel unterstützt und mir den nötigen Rückhalt gegeben. Ach ja, und Michael hat natürlich auch ein bisschen geholfen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
In Anlehnung an unsere größten Fehler bzw. Learnings kann ich allen Gründern empfehlen jedes Feature doppelt und dreifach zu hinterfragen und die “Time to Market” so kurz wie möglich zu halten. Man muss sich immer wieder vor Augen rufen, dass die meisten Features zwar “nice to have” aber nicht erfolgskritisch sind. Darüber hinaus finde ich ein komplementäres Gründungsteam mit sich ergänzenden Fähigkeiten extrem wichtig. An diesen Kriterien sind meine bisherigen Versuche zu gründen gescheitert.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Meine Studienzeit liegt noch nicht allzu lange hinter mir, so dass ich mir mehr Mittel für Entrepreneur-Lehrstühle in Deutschland und noch mehr (und besser dotierte) Businessplanwettbewerbe wünschen würde. Ich bin mir aber gar nicht sicher ob der Bundeswirtschaftsminister für diese Anliegen die richtige Adresse wäre.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Lange Zeit hat es so ausgesehen, als ob ich in die Beratung gehen würde. Vielleicht wäre ich auch im Marketing oder im Vertrieb in irgendeinem großen Konsumgüterkonzern gelandet. Glücklicherweise habe ich den Absprung noch rechtzeitig geschafft. Die Entscheidung zu Gründen habe ich bisher noch keinen Tag bereut.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Netmoms oder Erdbeerlounge. Bei toksta beträgt der Frauenanteil genau 0 %.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die späten 90er Jahre. Noch schnell ein paar Aktien (ver-)kaufen…

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Einen Großteil würde ich wahrscheinlich für Reisen und Investments verwenden.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
So wie heute: Ausschlafen, ausgiebig frühstücken, langer Spaziergang mit Freundin und Hund, lesen, fernsehen, evtl. ein paar Emails schreiben oder ein Interview für DS beantworten, am Abend noch ein paar Freunde treffen, fertig. Entspannt und unspektakulär.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Vanessa Kullmann, der Gründerin von Balzac Coffee – einer tollen, deutschen Erfolgsgeschichte.

Zur Person
Felix Fidelsberger studierte in Berlin und Potsdam Wirtschaftsinformatik, Entrepreneurship und Marketing. Er arbeitete unter anderem bei SAP an verschiedenen Standorten und bei Horváth & Partners in Berlin. 2007 gründete er gemeinsam mit Michael Glöß den Community-Messenger toksta.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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