Fünfzehn Fragen an Nicole Maalouf von SoLebIch.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Mir gefällt die Vielfalt der Aufgaben und Herausforderungen. Ich kann Dinge nach meinen Vorstellungen gestalten und umsetzen. Zudem ist eine flexible Zeiteinteilung gerade für […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mir gefällt die Vielfalt der Aufgaben und Herausforderungen. Ich kann Dinge nach meinen Vorstellungen gestalten und umsetzen. Zudem ist eine flexible Zeiteinteilung gerade für eine Frau langfristig gesehen nicht uninteressant…

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Online Einrichter entstanden durch einen Zufall: Eine Freundin bat mich um Hilfe bei der Einrichtung ihrer neuen Wohnung – und so wurde die Idee zu den Online Einrichtern geboren. Wir wollten eine Dienstleistung über das Internet anbieten, die jedem eine professionelle Wohnberatung durch einen Innenarchitekten möglich macht. Viele Menschen haben das Bedürfnis, schöner zu wohnen – aber nur die wenigsten können sich einen Innenarchitekten vor Ort leisten. Diese Nische bedienen wir mit den Online Einrichtern und können so einer Vielzahl an Menschen helfen, ihre Wohnqualität zu verbessern.

Die Idee zu unserer Wohn-Community SoLebIch.de entstand während der Entwicklung der Online Einrichter. Wir haben darüber nachgedacht, wie die Menschen eigentlich wohnen – und da ist uns der Gedanke gekommen, eine Community rund um Wohnungsbilder aufzubauen. Neben dem interkulturellen Ansatz, Wohnungsbilder aus der ganzen Welt zu sehen, finde ich den kreativen Aspekt sehr spannend: Wohnungsbilder als Inspirationsquelle für Wohnideen. Wir haben auf SoLebIch.de beispielsweise beobachtet, dass sich Mitglieder an eine immer kreativere und individuellere Wohngestaltung heranwagen, wenn sie schöne und vor allem einfach umzusetzende Anregungen finden. Darüber hinaus lernen sich viele Mitglieder über die Wohnungsbilder kennen: ?Denn kein Profilbild sagt so viel über eine Person aus wie das dazugehörige Wohnungsbild.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben bisher alles aus eigenen Mitteln finanziert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Am Anfang war es insgesamt nicht einfach: In Gesprächen hatten wir oft mit Unverständnis gegenüber dem Thema „Wohnen“ im Internet zu kämpfen. Der erste Stolperstein kam dann in Form einer Abmahnung bezüglich einer Markenrechtsverletzung. Leider wurden wir damals falsch beraten. Bei der nächsten Abmahnung hatten wir bereits einige Erfahrung und uns erfolgreich gewehrt. Das Leben mit den Informatikern ist natürlich auch nicht immer ganz leicht. Da gibt es des Öfteren das ein oder andere Missverständnis.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wir haben sicherlich nicht immer alles optimal gelöst, sondern sind nach dem Prinzip „learnig by doing“ vorgegangen. Im Nachhinein ist man dann natürlich immer schlauer. Wichtig finde ich, dass man aus seinen Fehlern lernt – und es dann in Zukunft besser macht.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Erfreulicherweise bekommen wir eine starke Unterstützung durch zahlreiche Presseveröffentlichungen, da wir mit dem Thema Wohnen ein sehr massentaugliches Thema behandeln. Unser Marketingbudget ist – wie bei den meisten, eigenfinanzierten Start-ups – eher übersichtlich. Kooperationen sind daher ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie genauso wie SEO und SEM.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Professoren von der Hochschule Coburg waren eine große Unterstützung. Sie haben uns zum Beispiel die Möglichkeit gegeben, auf der Internationalen Möbelmesse ohne große Kosten unsere Projekte der gesamten Möbelbranche zu präsentieren.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Es hilft sehr, wenn man sich früh um einen Mentor oder Berater kümmert, der mit Sachverstand und einem gewissen Abstand die Gründung betrachtet und mit Rat zur Seite steht. Das lenkt den Blick auf das Wesentliche.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde ihn fragen, was er für sinnvoller hält: Subventionen für Kohle und Landwirtschaft oder Investitionen in neue Technologien und junge Unternehmen?
Insgesamt wünsche ich mir, dass er eine zentrale Stelle für Gründer einrichtet. Hochwertige Beratung und Unterstützung zu juristischen, steuerrechtlichen, finanziellen Fragen für jeden Gründer. Ich möchte keine neue Behörde schaffen, sondern wünsche mir einfach eine zentrale Anlaufstelle, an der Gründer in einer positiven und dynamischen Atmosphäre ganz ohne Vorbehalte gefördert werden. Ich denke, dass man so die Zahl innovativer und nachhaltiger Geschäftsideen deutlich erhöhen könnte.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Meine Freunde sagen, das, was ich mache, passt zu mir. Und das Internet bietet einem die Möglichkeit, mit verhältnismäßig günstigen Mitteln kreative und neue Ideen umzusetzen und selbständig auszuprobieren.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Da fallen mir ein die Gründer von polyvore, etsy, apartmenttherapy oder von den netmoms ein.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Spannend wäre auf jeden Fall eine Reise durch die Geschichte des Wohnens: Über das Zuhause konnte man immer schon sehr viel über die Menschen erfahren, die dort lebten – und über die Gesellschaft, in der sie lebten. Es wäre natürlich aber auch spannend, einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Erst mal ein paar schöne Schuhe kaufen – und dann den Rest in unsere Firma investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Waffeln mit Ahornsirup zum Frühstück – und dann in die Natur. Am liebsten am, im oder auf dem Ammersee.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit starken und interessanten Frauen. Spontan einfallen würde mir da die Flickr-Gründerin Catarina Fake oder die Geigerin Anne-Sophie Mutter. Oder auch lastminute.com-Gründerin Martha Lane Fox oder Architektin Zaha Hadid.

Zur Person
Nicole Maalouf (30) studierte Innenarchitektur in Coburg und Kulturwirtschaft in Passau. Gemeinsam mit ihrem Partner gründete sie 2007 in Paris die erste Wohn-Community SoLebIch.de (www.solebich.de) und die Online -Wohnberatung Die-Online-Einrichter.de.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.



  1. Daniel

    “Erst mal ein paar schöne Schuhe kaufen”

    Frauen bleiben eben Frauen ;)



  2. wigger

    sieht wenig nach business aus, mehr nach hobby, scheinbar auch keine reichweite ? wo soll es hingehen ? gibt zu viele angebote in diesem umfeld als dass man über dieses berichten sollte.

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