Fünfzehn Fragen an Kjell Fischer von Jupidi

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich könnte auch als Angestellter arbeiten, solange mir dieser Chef voraus wäre und mir gestalterische Freiheiten ließe. Es gibt viele tolle Firmen, in denen […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich könnte auch als Angestellter arbeiten, solange mir dieser Chef voraus wäre und mir gestalterische Freiheiten ließe. Es gibt viele tolle Firmen, in denen ich gerne mal arbeiten würde, weil diese ihre Mitarbeiter fördern und inspirieren. Mein eigener Chef zu sein bedeutet mir insofern sehr viel, als dass es Selbstverwirklichung und Weiterentwicklung auf verschiedensten Ebenen bedeutet.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Beim Mittagessen im Gespräch mit zwei guten Freunden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir hatten das Glück in einer frühen Phase Neuhaus Partners als Investoren gewinnen zu können. Davor kam das Kapital von uns selbst, verstärkt durch verschiedenste Fördermittel der Stadt Hamburg.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Das Administrative nahm relativ viel Zeit in Anspruch. Ich habe neben der Gründung meine Diplomarbeit geschrieben, während die beiden anderen noch anderweitig arbeiteten, um sich über Wasser zu halten – das war in der Anfangsphase schon anstrengend.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich denke, dass man nie auslernt. Ich würde wahrscheinlich viele Dinge schneller, zielgerichteter, und auch besser machen. Das aber vor allem deshalb, weil ich nun eben die Erfahrung gemacht habe. Dieser Prozess wird, denke ich, immer so weitergehen. Wirklich bereuen tue ich nichts.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Das beste Marketing ist ein gutes Produkt. Als Start-up können wir nur dann exponentiell wachsen, wenn sich das Produkt durch Empfehlungen verbreitet. Ansonsten setzen wir auf Online-Marketing (SEM) und TV. Natürlich spielt auch PR eine große Rolle für uns.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
In der Anfangszeit war es nicht wirklich eine Person, sondern vielmehr die Stadt Hamburg. Diese stellte uns ein vollausgestattetes Büro zur Verfügung, zahlte uns (drei) Gründern ein halbes Jahr lang ein Gehalt und unterstütze uns letztlich auch mit Kapital (durch Gewinn des Hamburger Innotech-Preises). Mittlerweile haben wir mit Neuhaus Partners einen wirklich sehr engagierten Partner gefunden.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Einfach machen. Versuchen, immer härter zu arbeiten als der Rest. Erfahrungen immer reflektieren.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde ihn bitten die Bildungsministerin dazu anzuhalten, Themen rund ums Unternehmertum schon viel früher breitflächig in Lehrpläne zu integrieren. Das sollte m. E. schon in der Schule geschehen. Aber auch an den Unis scheint mir dieses Thema (bis auf Ausnahmen) nicht wirklich aufgegriffen zu werden. Unternehmertum ist immerhin genauso ein Karriereweg wie Banker oder Rechtsanwalt.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
In einem Start-up arbeiten.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Panfu.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde an den Anfang reisen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich unterstütze damit junge Unternehmen und lege den Rest auf die hohe Kante (in welcher Form auch immer).

Wie verbingen Sie einen schönen Sonntag?
Mit Schlafen, Sport, Freunden und Familie.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Nelson Mandela.

Zur Person
Kjell Fischer, Jahrgang 1983, gründete gemeinsam mit Jascha Samadi und Benny Schilling den mobilen Flirtdienst Jupidi (www.jupidi.de). Die Kontaktanbahnung funktioniert bei Jupidi über SMS. Anonym bringt Jupidi in Erfahrung, ob der Traumprinz oder die Traumfrau ähnliche Gefühle hegt. Wenn der oder die Angeflirtete Interesse zeigt, stellen die Hamburger einen Kontakt zwischen den beiden Nutzern her. Die Flirterei kann dabei weiter über Jupidi laufen oder direkt zwischen Verknalltem und Schwarm. Zuvor gründete Diplom-Kaufmann Fischer bereits MyPokerShop, Fischer Fireworks und FBM Goods.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.