Zehn Fragen an Constantin Thyssen von roccatune

Können Sie sich eine Welt ohne Internet vorstellen? Ich kann mir vieles vorstellen. Als ich vor zwei Jahren zum Thema kostenlose bzw. durch Werbung finanzierte Musik angesprochen wurde, hielt ich dies im Rahmen […]

Können Sie sich eine Welt ohne Internet vorstellen?
Ich kann mir vieles vorstellen. Als ich vor zwei Jahren zum Thema kostenlose bzw. durch Werbung finanzierte Musik angesprochen wurde, hielt ich dies im Rahmen möglicher Geschäftsmodelle für eine absurde Träumerei. Heute beweisen wir mit roccatune, dass genau dieser Ansatz doch funktioniert. Aber ehrlich gesagt, ich möchte und kann mir eine Welt ohne Internet nicht vorstellen. Es hat mein Leben gänzlich verändert. Neben allen dort verfügbaren Informationen schafft es meinem Team und mir einen Lebensinhalt und Lebensunterhalt.

Wann waren Sie zum ersten Mal im Internet?
Das war 1995. Ich versuchte, für eine Geschichtsarbeit zu recherchieren, was damals gar nicht so einfach war. Schließlich gab es weder Google noch Wikipedia. Richtig interessant wurde es für mich allerdings erst 1997, als ich die Webseite www.mp3.com entdeckte. Eine Plattform, die es jungen Musikproduzenten und Bands ermöglichte, ihre Musik hochzuladen und auf der Webseite zum Streaming zu veröffentlichen. Es hat mich unglaublich begeistert, dass man dort plötzlich kostenlos Musik bekommen konnte – wenn auch primär die Musik von unbekannten Newcomern.

Auf welche Website können Sie nicht verzichten?
Auch wenn es wenig charmant ist, sich selbst zu loben: roccatune. Dies begründet sich aber nicht nur dadurch, dass man bei uns Musik in voller Länge und ohne Limitierung hören kann, sondern da dies unsere bzw. meine Spielwiese ist. Seit Jahren habe ich eine sehr klare Vorstellung davon, wie ein Musik-Portal der digitalen Neuzeit aussehen könnte und sollte. Mit unseren aktuellen Projekten, über die ich noch nichts verraten möchte, setzen wir diese gedanklichen Blaupausen strukturiert Schritt für Schritt um. In nicht allzu ferner Zukunft, hoffe ich, wird roccatune für viele eine unverzichtbare Webseite sein.

Worauf können Sie im Internet verzichten?
Eigentlich finde ich alles sehr interessant, nur die Internet-Kriminalität beschäftigt mich zunehmend.

Was war bisher Ihr größter Erfolg?
Mit dem Großteil meines Teams habe ich vor roccatune bereits bei music4brands gänzlich individuelle Music Download Stores für Marken wie TV total, New Yorker oder BMW entwickelt. Dies waren jeweils große Erfolge, welche wir mit dem roccatune Portal deutlich überboten haben. Der größte Erfolg ist jedoch, dass dieses schlagkräftige Team so perfekt funktioniert und harmoniert. roccatune basiert zwar auf meinen Visionen, aber die Umsetzung wäre ohne mein Team niemals möglich gewesen.
Wie gesagt: Vor gar nicht so langer Zeit habe ich selber noch die Idee von roccatune belächelt und wurde auch von anderen belächelt. Jetzt ist das Portal da, die Songs sind da, die Nutzer sind da, die Werbekunden sind da. Wir haben gerade erst mir roccatune angefangen. Insofern kann ich mir vorstellen, dass ich diese Frage in einem Jahr besser beantworten kann.

Was Ihr größter Flop?
Meine ersten beruflichen Gehversuche als Selbständiger – mit dem Versuch eine große Musik-Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Es gelang mir zwar, acht internationale Super-DJs und vier MCs zu buchen, aber nicht genügend Besucher für die Veranstaltung zu gewinnen. Zudem haben uns die Club-Besitzer leider ziemlich übers Ohr gehauen, indem sie nur einen Bruchteil der Eintrittsgelder ausbezahlten und uns nach einer langen Nacht durch die Türsteher aus dem Büro und Club entfernen ließen. Die Kosten der DJs, ihrer Begleitung, Flüge und Hotels mussten wir letztlich aus eigener Tasche zahlen.

Worüber können Sie lachen?
Heute definitiv über den besagten Flop und meine damalige Ahnungslosigkeit in Punkto PR aber natürlich auch über gute Witze.

Was bringt Sie zum Weinen?
Die Tatsache, dass die Politik nicht imstande ist, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um illegale Downloads (ob nun Musik, Filme, oder Software) zu verhindern. Die Möglichkeiten sind durchaus gegeben. Den jeweiligen Künstlern und Industrien ginge es deutlich besser, so dass sie nicht dazu gezwungen wären, sich permanent komplett neu erfinden zu müssen – das Überleben großer Musik- und Film-Labels ist noch lange nicht gesichert.

Mit wem würden Sie gerne mal tauschen?
Ich wäre gerne mal kurz Sergey Brin oder Larry Page, um zu erfahren, was Google noch so plant. Oder der Präsident der USA, um ein Gefühl für deren Sicht auf die Welt und ihre Entwicklung zu bekommen. Gleichzeitig interessieren mich weitere, der Öffentlichkeit nicht zugängliche Details, zum Thema Mondlandung oder etwa dem Anschlag vom 11. September 2001.

Was sollte unbedingt mal jemand erfinden?
Schnell einsetzbare und umweltfreundliche Alternativen für Öl, um uns aus dieser erschreckenden Abhängigkeit zu lösen. Sehr interessant fände ich es, wenn man sich neben einem normalen PKW auch ein persönliches, vollautomatisiertes Fluggerät leisten könnte und eine entsprechende Infrastruktur existierte.

Zur Person
Constantin Thyssen studierte internationale Betriebswirtschaft in London, Madrid und New York. Während seines Studiums sammelte er Erfahrungen in der Abteilung Special Marketing Europe bei der damaligen BMG in München und bei Logic Records in New York. Vor der Gründung des Unternehmens music4brands GmbH im Jahr 2002 arbeitete Thyssen zunächst für eine Unternehmensberatung im Bereich Umlaufvermögen. Im Jahr 2007 gründete Thyssen die Online-Musikbox roccatune (www.roccatune.de).

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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