Welche Zahlungsmittel im E-Commerce? – Gastbeitrag von Martin Ott, Teil 2

Im ersten Teil seines Gastbeitrages stellte Martin Ott gestern die gängigsten Zahlungsmethoden für E-Commerce-Plattformen vor und erläuterte die jeweiligen Vor-und Nachteile. Im zweiten und letzten Teil beschäftigt er sich mit den Fragen: Was […]
  • Von Christina Cassala
    Donnerstag, 12. Juni 2008
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Im ersten Teil seines Gastbeitrages stellte Martin Ott gestern die gängigsten Zahlungsmethoden für E-Commerce-Plattformen vor und erläuterte die jeweiligen Vor-und Nachteile. Im zweiten und letzten Teil beschäftigt er sich mit den Fragen: Was kostet das eigentlich und worauf ist im Falle einer Expansion zu achten?

In der Gründungsphase transaktionsbasiert abrechnen

Wie bei jeder Dienstleistung variieren auch bei den Bezahlanbietern die Preise für die angebotenen Services. Neben sehr unterschiedlichen Preisen pro Transaktion stellen viele Anbieter noch separate Einrichtungs- oder andere monatlich Gebühren in Rechnung. Diese reichen von einigen hundert Euro bis zu tausenden Euro je Monat und Integration. Insbesondere in der Gründungsphase sollte daher ein Anbieter gefunden werden, der rein transaktionsbasiert abrechnet. Je nach Umsatzvolumen liegen die Preise dabei um die 3,5 % plus 30 Cent je Transaktion und gehen bei Millionenumsätzen bis unter 2 %.

Neben den Gebühren für die Nutzung der Dienstleistung unterschätzen gerade junge Unternehmen oft die Kosten und Aufwände für die Integration, das Risiko Management, Inkasso, Reporting und den Kundenservice. Für Schnellstarter, die sich auf die Kernkompetenz und schnelles Wachstum konzentrieren wollen, empfehlen sich Anbieter im Markt, die auch diese Dienstleistungen komplett für den Händler – und ohne Mehrkosten – übernehmen. In späteren Jahren der Unternehmensentwicklung kann man sich dann entscheiden, welche Prozesse vielleicht doch auch intern aufgebaut werden sollten.

Alle Bezahlarten aus einer Hand

Auch die Integration von Bezahloptionen stellt ein aufwendiges und notwendiges Übel dar. Der Aufwand reicht dabei von 2 Tagen bis zu mehreren Wochen, je nach Komplexität der eigenen Plattform und Prozesse und des jeweiligen Bezahlsystems. Idealerweise sollte man auch hier versuchen, möglichst alle Bezahlarten von einem Anbieter und über eine Integration zu bekommen, um den Aufwand im Rahmen zu halten. Bei der Auswahl des richtigen Partners kann die Integration aller relevanten Bezahlmethoden und Risikomanagement inklusive Vertragsabschluss in 2 bis 3 Tagen erfolgen.

Und sonst noch?

Bestimmte Anbieter können sowohl direkte und traditionelle Bezahloptionen als auch neue E-Payment Verfahren aus einer Hand liefern. Anbieter, die verschiedene Bezahlmethoden bündeln, reduzieren damit die Komplexitätskosten und den unnötigen Aufwand bei vielzähligen Vertragsverhandlungen, verschiedenen Abrechnungssystemen und Systemintegrationen. Startups machen bei der Auswahl aber oft den Fehler, exklusive oder langjährige Verpflichtungen mit Bezahlanbietern einzugehen. Sie akzeptieren oft den erstbesten Anbieter, weil das Thema Bezahlung nur eine untergeordnete Priorität bekommt. Dadurch werden höhere Kosten, unzuverlässige Plattformen und schlechtes Account Management in Kauf genommen. Wichtig ist bei der Auswahl: Referenzkunden überprüfen, keine Exklusivität unterschreiben, keine Set-Up oder Mindestgarantien akzeptieren und das Gesamtpaket der Leistungen bewerten.

Internationale Expansion

Bevor man sich für oder gegen einen Anbieter entscheidet, sollte heute auch immer eine Abwägung von zukünftigen internationalen Aktivitäten getroffen werden. Präferenzen bei den Bezahlarten sind vor allem auch kulturell und sozial bedingt und unterscheiden sich von Land zu Land sehr stark. Während man in den USA und UK mit Kredit und Debit-Karten hinkommt, braucht man etwa in Frankreich unbedingt Carte Bleue. In den Niederlanden bezahlen die meisten Kunden per ideal, in Österreich sollte man eps/netpay anbieten, in Skandinavien sind Online-Banking-Optionen wie Nordea weit verbreitet.

Gute Anbieter von Bezahlsystemen ermöglichen daher einem Unternehmen von vornherein eine Abdeckung aller international wichtigen Zahloptionen, was eine spätere Justierung und Feinabstimmung immer noch möglich macht, ohne dass dafür neue Verträge oder zusätzliche Integrationen nötig sind. Startups richten bei der internationalen Expansion oft langwierig lokale Bankkonten ein oder gründen internationale Tochtergesellschafte, ohne zu wissen, dass gute Bezahlanbieter auch lokale Konten und unterschiedliche Währungen anbieten, und damit die Notwendigkeit einer Tochtergesellschaft oft wegfällt.

Risikomanagement und Rücklastschriften

Viele Online-Händler haben massive Probleme mit Rücklastschriften. Dies unterscheidet sich nach Zahlart und angebotenem Produkt. Wichtig ist es daher, bei der Auswahl eines Partners auch auf das professionelle Risikomanagement zu achten. So sollten Lastschriftverfahren und Kreditkarten nicht ohne Schufa-Scoring, Adress-Abgleich, Blacklisten und einem geeigneten Inkasso-Dienst angeboten werden. Einige Anbieter gehen soweit gegen einen geringen Risikoaufschlag, eine komplette Rücklastschriftgarantie zu geben. Damit erreicht der Kunde mehr Umsatz, bei geringeren Kosten und Aufwand.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man durch die geeignete Auswahl des richtigen Zahlungsanbieters viel Kosten, Zeit und Mühe sparen kann. Neben dem richtigen Zahlungsportfolio (Lastschrift, Kreditkarten, Giropay/Sofortüberweisung plus ein oder zwei E-Wallets), sollte man auf das richtige Risikomanagement, auf Reportingsysteme, Internationale Bezahloptionen und einen überschaubaren Integrationsaufwand achten. Für die Auswahl des richtigen Partners sollte man sich daher genügend Zeit nehmen, denn diese spart man spätestens bei Vertragsverhandlungen und technischer Integration sofort wieder ein. Viel wichtiger noch: mit dem richtigen Zahlungsanbieter kann man bei geringerem Risiko schneller skalieren und mehr Umsatz generieren.

Zur Person
Martin Ott ist Geschäftsführer von Moneybookers mit Sitz in London. Vor Moneybookers war er als COO in der Geschäftsleitung bei Jamba!/Jamster (News Corp./ Verisign) tätig. Er verantwortete dort den Ausbau und Betrieb des weltweiten operativen Geschäfts in fast 40 Ländern sowie die Bereiche Marketing, Produktion, Content und Lizenzen. Ott studierte Betriebswirtschaftslehre an der WHU in Koblenz, sowie in Tokio und Moskau. Moneybookers Ltd. ist eines der größten Online-Bezahlsysteme in Europa. Das Unternehmen bietet lokale Ein- und Auszahlungsmöglichkeiten in mehr als 40 Ländern und lokalisierte Services in zwölf Sprachen. Chairman of the Board ist Dr. Thomas Middelhoff. 2001 in London gegründet, wird Moneybookers von der Financial Services Authority of the United Kingdom (FSA) reguliert.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.