“Wir haben alle Freiheiten der Welt” – Michael Brehm von studiVZ im Interview

Michael Brehm, Mit-Gründer und Geschäftsführer von “studiVZ” über Hassobjekte, Krawattenträger und Skandale. “studiVZ” ist für einige Vorbild und für die anderen Hassobjekt. Können Sie beide Seiten verstehen? Selbstverständlich. Jede Firma, jede Unternehmung, jede […]
“Wir haben alle Freiheiten der Welt” – Michael Brehm von studiVZ im Interview

Michael Brehm, Mit-Gründer und Geschäftsführer von “studiVZ” über Hassobjekte, Krawattenträger und Skandale.

“studiVZ” ist für einige Vorbild und für die anderen Hassobjekt. Können Sie beide Seiten verstehen?
Selbstverständlich. Jede Firma, jede Unternehmung, jede Initiative, die etwas größer wird, steht irgendwann im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Egal ob nun im kommerziellen oder im karitativen Bereich. Auch das Rote Kreuz hat beispielsweise seine Kritiker. Natürlich haben wir in der Anfangszeit viele Fehler gemacht. Da muss man gar nicht drum herum reden. Wir wurden in gewisser Weise von der Masse an Leuten, die auf einmal auf die Plattform kamen, überrannt. Insofern kann ich Kritik gut verstehen.

Sie gießen aber auch immer wieder Öl ins Feuer. Zuletzt beispielsweise mit der umstrittenen Werbeaktionen für “schülerVZ“. Knapp drei Millionen rosafarbene Post-Its wurden dabei an Schulwände geklebt.
Wir machen sicherlich auch Dinge, die eine traditionelle und konventionelle Firma nicht machen würde. Aber wir haben versucht durch diese Aktion auch auf Themen hinweisen, die Schülern wirklich am Herzen liegen. Deswegen wollten wir die Werbeaktion mit etwas Politischem verbinden. Alle Schüler wurden aufgerufen, die Post-Its mit Wünschen und Anregungen zu beschriften und zurückzusenden. Wenn wir auf diese Weise kleine Impulse in Richtung Bildungspolitik geben können ist das vielleicht auch nicht ganz verkehrt.

Was macht die Firma “studiVZ” aus?
Vor allem die Mitarbeiter und Mitglieder. Bei “studiVZ” arbeiten viele junge und engagierte Leute, die mit Freude und Leidenschaft bei der Sache sind. Wir müssen nicht so tun, als ob wir Studenten wären, weil 50 % der Leute, die hier arbeiten, tatsächlich Studenten sind oder vor kurzem ihr Studium abgeschlossen haben. So eine Firma nimmt man natürlich anders wahr, als eine Firma, bei der das Durchschnittsalter bei fünfzig Jahren liegt und alle mit Krawatte rumlaufen. Bei uns wird man keinen einzigen Krawattenträger finden. Auf der anderen Seite besteht “studiVZ” aus den vielen Mitgliedern bei “studiVZ”, “schülerVZ” und den internationalen Seiten. Es ist ja nicht so, dass wir deshalb so stark genutzt werden, weil wir da sind, sondern weil die Plattform für die große Mehrheit der Studenten und Schüler einen klaren Mehrwert bietet. Wir ermöglichen Dinge, die vorher so nicht möglich waren und von denen die Mitglieder auch was haben.

Hat sich seit der Übernahme durch Holtzbrinck viel verändert?
Auf der einen Seite sicherlich, auf der anderen Seite nicht. Bei der internen Struktur hat sich seit der Übernahme viel verändert. Wir arbeiten inzwischen professioneller. Ab einer gewissen Größe muss man einfach darauf achten, dass gewisse Strukturen wie Buchhaltung, Controlling und so weiter vorhanden sind. Bei solchen Dingen unterstützt uns Holtzbrinck sehr. Auf der anderen Seite haben wir nach wie vor alle Freiheiten der Welt. Wir machen weiter alles so, wie wir es für richtig halten. Nur so funktioniert es. Wenn ein großes Unternehmen ein Startup übernimmt und dann versuchen würde, seine Kultur überzustülpen, ginge das schief. Zu guter Letzt müssen wir uns keine Gedanken mehr um die Finanzierung machen. Das bringt viel Ruhe in die Firma. Wir können nun die Dinge machen, die das Tagesgeschäft mit sich bringt. Als Gründer ist man am Anfang teilweise die Hälfte der Zeit mit der Finanzierung beschäftigt.

Durch die vielen Skandale in den vergangenen Monaten ist der Ruf von “studiVZ” ordentlich ramponiert. Werden Sie inzwischen wieder ernst genommen?
Obwohl wir Ende des vergangenen Jahres vom Traffic her unter den zwanzig größten Internetseiten waren, wurden wir nur als kleines Startup wahrgenommen. Wir hatten richtig viel Mühe und Probleme, ernst genommen zu werden. Dazu hat sicherlich auch unser Auftritt nach außen hin beigetragen. Ob unser Ruf nun besser ist, müssen andere beurteilen. Ich denke aber schon. Wir sind zwar immer noch eine relativ junge Firma und wir wollen auch keine Schreibtischfirma werden, trotzdem gibt es auch in einer jungen und unkonventionellen Firma Regeln, die man einhalten sollte.

Neben “studiVZ” und “schülerVZ” expandieren Sie kräftig ins Ausland. Ist das alles nicht ein bisschen viel auf einmal?
Wir möchten nun mal ein europäisches Netzwerk schaffen. Und da in jedem Land Startups wie Pilze aus dem Boden sprießen, blieb uns da gar keine andere Wahl, als so schnell wie möglich zu expandieren. Diese Strategie war sicherlich mit ein Grund, warum wir uns für den Verkauf an Holtzbrinck entschieden haben. Es ist sinnvoll, so etwas mit einem erfahrenen und großen Partner zusammen zu machen. International läuft es bisher gut und “schülerVZ” ist in seinem Segment Marktführer.

Was kommt nach “studiVZ” und “schülerVZ”?
Wir machen uns natürlich viele Gedanken und planen verschiedene Sachen, eine neue Plattform ist aber noch nicht in der Mache. Mittel- und langfristig werden wir uns aber sicherlich Gedanken über weitere Ableger machen. Zuvor gibt es da aber eine ganze Reihe von Ländern, die wir noch nicht angegangen sind.

Zur Person
Michael Brehm, Jahrgang 1980, studierte an der WHU in Vallendar, der EGADE – Tec de Monterrey in Monterrey (Mexiko) und der CEIBS – China Europe International Business School in Schanghai (China). Noch während der Schulzeit gründete Brehm sein erstes Unternehmen – eine Firma für Snowboard-Klamotten. Nach dem Studium heuerte er bei Merrill Lynch in Frankfurt an. Gemeinsam mit Ehssan Dariani und Dennis Bemmann gründete Brehm Ende 2005 die Studenten-Plattform “studiVZ”. Anfang 2007 übernahm die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck für rund 85 Millionen Euro sämtliche Anteile am Unternehmen.

Anmerkung: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist auch an “deutsche-startups.de beteiligt.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Andreas

    mkay….

    … seit ich euren feed abonniert habe, frage ich mich, was das unkritische und unhinterfragte abschreiben von marktschreierischen portalgründungs-pressemiteilungen soll.

    … seit ich anfing, diese “interview” *hust* zu lesen, fragte ich mich auch hier, was das soll: unkritisch, langweilig, heuchlerisch.

    … seit ich die anmerkung unter diesem interview gelesen habe, habe ich zumindest den zweiten punkt verstanden. viel spaß noch, jungs.

  2. Warum das Interview “unkritisch, langweilig, heuchlerisch” sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man die Arbeit anderer Menschen niedermacht, sollte man auch Argumente liefern. Alles, was andere machen schlecht zu finden, ist zwar weitverbreitet, aber auf Dauer keine Lösung.

  3. Der unkritische Eindruck kommt vielleicht daher, dass Nachfragen komplett fehlen.

    Wenn zum Beispiel die unsägliche SchülerVZ-Werbeaktion mit “bildungspolitischen Impulsen” entschuldigt wird, wäre doch die naheliegendste Frage, was das denn für Impulse sein sollen. Selbst wenn irgendwelche Schüler die Zettel zurückgeschickt hätten – was ich nicht als gegeben voraussetze – wie will Studivz einen Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen?

    Oder die Frage zur Organisation: Vor Monaten hat Studivz angekündigt, dass Essan Dariani Aufsichtsrat wird. Diesen Aufsichtsrat gibt es aber immer noch nicht, da StudiVZ nach wie vor eine Ltd ist.

  4. Manchmal erhält man als Interviewer auf bestimmte Fragen einfach keine hinreichende Antwort. In solchen Fällen kann man dies ins Interview einbauen oder weglassen. Beides hat Vor- und Nachteil. Im einem Fall entsteht der Eindruck, der Interviewer hätte bestimmte Fragen nicht gestellt, im anderen Fall wird das Interview immer länger und der Leser erfährt trotzdem nichts.

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  6. Ich glaube, Du verwechselst ein Interview mit einem Fragebogen.

  7. Jeder Journalist hat seine eigene Technik, seine eigene Strategie, seinen eigenen Stil. Letzendlich sind solche Sachen immer auch eine Geschmacksfrage. Ich bin aber für Kritik immer dankbar. Vor allem, wenn sie – wie in diesem Fall – mit Argumenten versehen wird. Nur machmal nützt halt die schönste Frage nichts, wenn der Interviewpartner sie nicht beantwortet oder die Antwort bei der Autorisierung wieder rausstreicht. Letzeres kommt leider auch immer wieder vor (Ist eine allgemeine Aussage und bezieht sich nicht auf dieses Interview).

  8. Darf ich fragen: wie entstand denn das Interview? Ein persönliches Gespräch mit intensiver Nachbearbeitung udn Autorisierung? Eine Mail mit allen Fragen?

  9. Das Interview entstand in den Räumen von studivz. Wir haben insgesamt 45 Minuten miteinander gesprochen. Ich habe das Gespräch mitgeschnitten, danach bearbeitet und autosisieren lassen.

  10. Danke für die Info.

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