Rewe plant Online-Zukäufe – Mögliche Segmente: Wein, Tierfutter, Reisen

Die europaweit bekannte Rewe-Gruppe, zu der Marken wie Penny, toom und Billa gehören, drängt derzeit (spät aber immerhin) massiv in die Online-Welt. Rund 10 Millionen lässt sich Rewe-Chef Alain Caparros seine Online-Strategie kosten. […]
Rewe plant Online-Zukäufe – Mögliche Segmente: Wein, Tierfutter, Reisen

Die europaweit bekannte Rewe-Gruppe, zu der Marken wie Penny, toom und Billa gehören, drängt derzeit (spät aber immerhin) massiv in die Online-Welt. Rund 10 Millionen lässt sich Rewe-Chef Alain Caparros seine Online-Strategie kosten. Daneben plant die Handelskette -wie bereits berichtet – einen Inkubator, um sich an Start-ups zu beteiligen. In einem Interview mit RP Online kündigte Caparros zudem Zukäufe an.

“Wir wollen auch im Bereich der Spezialisten zukaufen. Aber am besten solche, die eine signifikante Rolle im Online-Geschäft spielen können. Als klassischer Händler haben wir diese Online-DNA eben nicht selbst”, sagt der Rewe-Chef in dem lesenswerten Interview. Von der fehlenden Online-DNA sprach Caparros zuvor bereits in einem Interview mit der WirtschaftsWoche: “Daher müssen wir ein Stück dieser Web-Kultur in unser Unternehmen implementieren, wobei der Bereich autonom von den Konzernstrukturen arbeiten wird. Wohin der Online-Zug fährt, weiß niemand genau, wie schnell er fährt auch nicht. Ich weiß nur, dass wir an Bord sein müssen”.

“Zum Beispiel Wein”

Wie hart die Online-Wettbewerber der Rewe-Gruppe zusetzen und welche Segmente für die Handelskette interessant sein könnten, zeigt ein weiteres Interview mit Caparros aus der Lebensmittel Praxis: “Nachdenklich stimmen müssen uns die Online-Händler, die sich auf Teile unseres Stammsortiments spezialisiert haben, zum Beispiel Wein. Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass wir mit unserem eigenen ‘Kölner Weinkeller‘ 60 % des Umsatzes online machen würden? Wir haben also auch in Segmenten, in denen wir uns als Supermarkt profilieren können, zusätzliche Wettbewerber bekommen. Und gerade im Wein-Segment sind in den vergangenen Monaten unzählige Start-ups entstanden, die Rewe das Leben noch schwerer machen werden. Denkbar also, dass die Handelskette schon bald in diesem Segment Zukäufe tätigt.

Ein weiteres Segment, welches für Rewe spannend sein könnte, nennt Caparros in einem Interview mit dem General Anzeiger: “In einigen Warengruppen steigen die Online-Umsätze rasant. Dazu gehören zum Beispiel Tiernahrung und Wein”. Auch im Segment Tiernahrung sind in den vergangenen Monaten bekanntlich zahlreiche neue Start-ups an den Start gegangen. Bei etlichen jungen Unternehmen aus dem Segment Tiernahrung und Wein, dürfte Rewe sicherlich schon bald anklopfen. Auch die Touristik-Branche dürfte für Rewe interessant sein, immerhin verfügt das Unternehmen mit ITS, DERTOUR und Tjaereborg über einige sehr bekannte Marken in dem Segment. Bei anderen Segmenten dürfte der Zug längst abgefahren sein – beispielsweise bei Unterhaltungselektronik. In dem Segment ist Rewe mit ProMarkt unterwegs. Auch der Zukauf von myby 2009 war eher ein Fiasko für Rewe. Nicht umsonst will Rewe ProMarkt komplett loswerden.

“Das Problem ist der Transport”

Und was ist mit Lebensmitteln, einem Kernsegment von Rewe? “Frische Lebensmittel liefert Rewe testweise in derzeit sechs deutschen Städten. Das Problem ist der Transport vom Laden zum Kunden. Wir wollen Online-Handel für frische Lebensmittel erst flächendeckend einführen, wenn die Qualität gewährleistet werden kann. Es ist ein Lernprozess für Handel und Kunden. In vielen anderen Ländern funktioniert das Drive-in-Konzept sehr gut, bei dem Kunden online bestellen und die fertig gepackten Tüten im Laden abholen. Dafür ist vielleicht in Deutschland die Laden-Dichte zu hoch. Aber auch das testen wir”, sagt er in dem Interview weiter. Anknüpfungspunkte für viele Start-ups gibt es bei Rewe dennoch reichlich. Vorrangig aber wohl für junge Unternehmen aus den Segmenten wie Wein, Tierfutter, Reisen oder anderen Nischenthemen. Wettbewerber Tengelmann hat dies bereits erfolgreich vorgemacht.

Foto: Rewe

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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