Apothekenmarkt im Umbruch: Dedendo, ordermed.de und vitabote machen Apotheken fit fürs Internet-Zeitalter

Der Apothekenmarkt steht vor seinem größten Umbruch – und anders als bei der Versandapotheke DocMorris (www.docmorris.de), die sich für das Pharmaunternehmen Celesio zum Rohrkrepierer entwickelte, besteht diesmal die Chance, dass der Wandel dauerhaft […]
Apothekenmarkt im Umbruch: Dedendo, ordermed.de und vitabote machen Apotheken fit fürs Internet-Zeitalter
  • Von Alexander Hüsing
    Montag, 25. Februar 2013
  • 8 Kommentare
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Der Apothekenmarkt steht vor seinem größten Umbruch – und anders als bei der Versandapotheke DocMorris (www.docmorris.de), die sich für das Pharmaunternehmen Celesio zum Rohrkrepierer entwickelte, besteht diesmal die Chance, dass der Wandel dauerhaft ein Erfolg wird. Längst gehört DocMorris der Schweizer Zur Rose AG, die unter anderem die gleichnamige Versandapotheke Zur Rose (www.zurrose.de) betreibt. Für Celesio entwickelte sich DocMorris auch deshalb zum Desaster, weil viele Apotheker, die von Celesio beliefert wurden, verärgert über den Online-Versand-Konkurrenten waren. Die logische Folge sind Online-Offline-Konzepte, die nun den Markt erobern wollen.

Drei Start-ups in diesem Segment, die man kennen muss, heißen Dedendo (www.dedendo.de), ordermed.de (wwww.ordermed.de) und vitabote (www.vitabote.de). Alle drei Start-up positionieren sich als Apotheken-Lieferdienste, bei denen Kunden online Arzneimittel ordern können, die dann von einer Apotheke aus der Nähe ausgeliefert werden. Es geht somit im Gegensatz zu DocMorris und Co. um ein Miteinander von Online- und Offlinewelt – siehe auch “Dedendo bringt sich als Apotheken-Lieferdienst ins Spiel – SevenVentures und Creathor Venture sind bereits an Bord“. Noch ganz frisch unterwegs ist Dedendo. Das Start-up, welches von Mark-Michael Katenkamp geführt wird, will sich mit einer massiven Werbekampagne – ähnlich wie zalando – in Stellung bringen. Dazu passt, dass SevenVentures, der Venture-Arm der Münchner ProSiebenSat.1 Group, bei Dedendo eingestiegen ist. Ansonsten wird Dedendo von Creathor Venture finanziell unterstützt. Auf der Website heißt es: “Unser Ziel ist es, unseren Kunden das Apothekensortiment mit dem exzellenten Kundenservice der Apotheke vor Ort und den Vorteilen des unkomplizierten und sicheren Online-Bestellverfahrens erlebbar zu machen”.

Mitstreiter ordermed.de, wurde im 2011 gegründet. Das Start-up organisiert ebenfalls die Versorgung mit Medikamenten, holt dabei sogar das Rezept beim Arzt abholt, und verdient an Nutzungsgebühren, Transaktionsprovisionen sowie Honoraren für Apotheken-Werbeservices. Das Unternehmen selbst sieht sich so: “Ordermed verzahnt zwei bislang autarke medizinische Logistik-Prozesse miteinander: die klassische Rezept-Einholung beim Arzt mit der anschließenden Rezept-Einlösung in der Apotheke. Mit dem Resultat: Aus zwei Wegen wird einer: Das spart für Patienten, vor allem für Chroniker, viel Wartezeit beim Arzt. Und für die Apothekerschaft im Land bedeutet ordermed.de den Ausbau des Standortvorteils am Ort und darüber hinaus eine signifikante Steigerung der Umsätze”. Für Patienten und Ärzte ist ordermed.de kostenlos, Apotheken bezahlen für die Integration 177 Euro, für die Nutzung 53 Euro Monatsgrundgebühr sowie 50 Cent pro abgegebener Packung.

Das Unternehmen, das von Markus Bönig geführt wird, arbeitet dabei mit mehrere Apothekenkooperationen wie Migasa, Elac Elysée und parmapharm zusammen. Zudem besteht eine Exklusiv-Partnerschaft mit Linda, einem Zusammenschluss von rund 1.200 Apotheken. Für diese baut ordermed.de die Bestellplattform orderLinda (www.orderlinda.de). “Mit Linda haben wir einen im Apothekenkooperationsmarkt bundesweit flächendeckenden Partner gefunden. Die rund 1.200 Vor-Ort-Apotheken haben die Chance, mit orderLinda ein übergreifend angesehener Partner von Pflegediensten und -heimen zu werden. Ebenso können Endkunden erfolgreich angesprochen, gewonnen und gebunden werden”, sagt ordermed-Macher Bönig.
Linda-Vorstand Georg Rommerskirchen ergänzt: “Die klassischen Arzneimittelversender verlieren derzeit die gesetzliche Grundlage ihrer Bonusmodelle. Mit orderLinda haben wir ein zeitgemäßes, innovatives System, das Linda Apotheken ermöglicht, Endkunden in Form eines Convenience-Ansatzes anzusprechen und professionelle Partnerschaften mit anderen Gesundheitsanbietern einzugehen – eine Revolution des Distanzhandelsmarktes steht bevor”.

Zu guter Letzt bleibt noch vitabote, ein Ableger des Handelsriesen Otto, als Pillenlieferant im neuen Stil. Aktuell ist das Unternehmen aber vorrangig in Hamburg aktiv. Erst im Oktober holte das im Januar 2012 gestartete Unternehmen die erste Apotheke außerhalb des Hamburger Stadtgebiets an Bord. Die Bilanz bis dahin lautete: 10.000 Bestellungen und Auslieferungen. Apotheken, die vitabote nutzen, zahlen je nach Leistungsumfang monatlich eine Gebühr zwischen 20 bis 80 Euro sowie etwa 10 % Provision auf jede Bestellung.

Dedendo, ordermed.de und vitabote haben die Chance, den Apothekenmarkt dauerhaft zu verändern – und zwar nicht, in dem sie den etablierten Offline-Händlern – wie andere Start-ups – das Wasser abgraben, sondern in dem sie den Markt gemein mit den Apotheken im Land fit für das Internet-Zeitalter machen.

Foto: istockphoto

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* Dedendo bringt sich als Apotheken-Lieferdienst ins Spiel – SevenVentures und Creathor Venture sind bereits an Bord

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. SM

    Der Ordermed-Link funktioniert nicht

  2. Jetzt funktioniert er wieder! Danke für den Hinweis.

  3. Interessanter Artikel. Mir gefällt die Idee von Online Services die auf lokale Offline Geschäfte aufbauen. In dieser Richtung kann man sich einige Interessante Geschäftsmodelle vorstellen – Nonline-Startups sozusagen :)

  4. Zu kurz gesprungen?
    Bestell- und Bringdienste via www sind eine einfache Idee. Erst recht wenn man sich vorstellt, dass Apothekenkunden, da oft krank, möglicherweise auch noch besonders dankbare Kunden sein dürften. Doch das ist ist u. U. etwas zu einfach gedacht. Besonders naiv erscheint mir die Darstellung von Ordermed: „Das spart für Patienten, vor allem für Chroniker, viel Wartezeit beim Arzt.“ Als würde das bisher nicht per Telefon erledigt. Und den Bringdienst erledigen die Apotheken ohnehin schon individuell – zumindest hier in Hamburg.

    Und die Apotheken werden sich doch nicht mir nichts, dir nichts die beste Chance eines Bindung verstärkenden direkten Kundenkontaktes wegnehmen lassen. Dass sie dazu nicht bereit sind, zeigt schon ihr Beitrag zur Finanzierung der für Kunden kostenlosen Zeitschrift Apotheken Umschau. Auflage: knapp 10 Millionen, Leser: das Doppelte. Beitrag der Apotheken: geschätzte ca. Euro 10 Mio./Monat.

    Was tut dieses Blättchen? (a) Es gibt Kunden einen Grund, in die Apotheke zu gehen. Für viele alleinstehende Alte (sowieso nicht Zielgruppe der Online-Dienste?) eine unverzichtbare Gelegenheit zu einem Schwätzchen. (b) Es bringt die Menschen und ihre (u. a. künftigen) Wehwehchen zusammen, verstärkt die Beschäftigung damit, bietet Lösungen. Es schafft also Anlässe, Medikamente und sonstige Produkte aus der Apotheke zu kaufen.

    Warum also nicht größer denken? Warum nicht ein „Gesundheitsportal mit Order- und Lieferservice“ aufmachen? Also den zweiten, den größeren Effekt (b) der Apotheken Umschau im Web nutzen? Nach dem Motto: Beschäftigung mit einem Problem plus Lösung des Problems.

    Übrigens, die Apotheken Umschau und der persönliche Apothekenbesuch liefern noch etwas, was unverzichtbar ist für jeden Kunden: nämlich die Möglichkeit, sich und seine Bedürfnisse sowie die gewählten Lösungen in einem sozialen Bezugsrahmen zu verorten. Aber psychologische Kundenbedürfnisse sind eine Dimension, die im eCommerce generell gerne übergangen wird. Den meisten Unternehmern reicht es ja, Tools für physikalische Abläufe zu haben. Und natürlich Investoren(, die nicht genauer hinsehen).



  5. Pharmazeut

    Es gibt zahlreiche Super online Apotheken. Warum sollte man in solch einem Portal bestellen. Wenn ich was schnell brauche bestelle ich per Bote in meiner Stammapotheke. Bei Medikamenten gibt es ohnehin keine Marge da die Verbraucher nicht dumm sind und die Preise vergleichen. Wenn dedendo noch 10 % Provision nimmt und die Preise an den Wettbewerb angepasst werden bleibt dem teilnehmenden Apotheker nur ein Minus. Tolle geldverbrennwebsite !



  6. Mats V

    Das wird nichts!

    Warum:

    1. Nennenswerte Umsatzbeteiligung darf aus rechtlichen Gründen nicht erfolgen

    2. Zu zahlreichen rezeptpflichtigen Medikationen bedarf es zahlreicher Rückfragen (besser also Telefon). Patienten müssen außerdem selbstständig Änderungen beim Versichertenstatus (befreit/nicht befreit) vornehmen und die Aut-idem-Regelung korrekt angeben. Theoretisch einfach, in der Praxis aber nur durch wenige Patienten zu managen.

    3. Apotheker werden skeptischer gegenüber Konzepten, die nicht aus der Apothekerschaft selbst kommen. Dies ist nicht zuletzt eine Folge zahlreicher gefloppter Apothekenkooperationen und des Franchising-Konzepts von DocMorris (das selbst zwar nicht gefloppt ist, aber durch den Verkauf der Marke dem Ende entgegen sieht).

    4. Apotheken werden bei nennenswerter Höhe der Ausgaben einen derartigen Service auch selbst leisten können (z.B. durch Drittanbieter oder bewährte Akteure wie Wort-Bild etc.). Der Botendienst ist für Apotheken ohnehin teuer. Jetzt noch Geld an einen Vermittler abzutreten, ist nicht besonders clever.

    5. Nur sehr wenige bestellen bislang in nennenswertem Umfang Arzneimittel übers Internet. Vor allem Sparfüchse. Und die sind nicht besonders treu.

    Wenn man sich die Umsetzungen ansieht, stellt man fest, dass noch einiges sehr “beta” ist. In der Aufzählung fehlt übrigens Pillentaxi.

    Letztlich sind die Konzepte wie Pizza.de für Arzneimittel. Mit dem Unterschied, dass man bei Arzneimitteln eher nicht mal beim Sushi-Mann und mal beim Italiener bestellt.



  7. Alexandra 38

    Hallo, sorry aber ich finde weder auf vitabote.de noch bei dedendo.de angebote in meiner nähe. Das einzige was mir Google in der Nähe bei Apotheken ausspuckt, wenn ich meinen Ort und das Produkt eingebe das ich will, (Cetirizin sch.. Heuschnupfen) sind Coupons von aporabatt.de oder eben die klassischen Internetapotheken. Was anderes find ich nicht. Na mal sehen was das wird.

  8. Pingback: Sehr schnelle Scheidung: SevenVentures steigt bei Dedendo aus :: deutsche-startups.de

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