“Ein ‘gutes’ Restaurant gibt es überhaupt nicht” – Ken Knoll von Foodquest

In Darmstadt werkeln Chris Chard und Ken Knoll, die sich seit der Schulzeit kennen, seit etlichen Monaten an Foodquest (www.foodque.st). Die iPhone-App will mobilen Zeitgenossen helfen, dass passende Restaurant zu finden. Statt vieler […]

In Darmstadt werkeln Chris Chard und Ken Knoll, die sich seit der Schulzeit kennen, seit etlichen Monaten an Foodquest (www.foodque.st). Die iPhone-App will mobilen Zeitgenossen helfen, dass passende Restaurant zu finden. Statt vieler Empfehlungen bietet Foodquest Top-5-Empfehlungen für bestimmte Anlässe. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Mit-Gründer Ken Knoll über “gute” Restaurants, Durchschnittsmeinungen und Hausaufgaben.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Die Idee für unser Start-up ist einem klassischen Problem entsprungen: Wie oft habe ich es erlebt, dass ich mit Freunden oder Kollegen schön essen gehen wollte, aber nicht wusste, welches Restaurant “genau jetzt” das richtige für mich ist. Natürlich kennt man die Restaurants in der Gegend, spätestens durch Google Places oder Qype – nur war ich nach dem Durchblättern einer riesigen Liste mit positiven und negativen Reviews meistens genauso schlau wie vorher und habe mich letzten Endes doch an Empfehlungen von Freunden und Kollegen gehalten. Wir haben uns dann intensiv Gedanken zu der Frage gemacht, wie man eigentlich gute Restaurants findet – und sind zu einer für uns überraschenden Erkenntnis gekommen: Ein “gutes” Restaurant gibt es überhaupt nicht – es muss eben gut zum Anlass passen. Wenn ich beispielsweise mit Freunden eine Kleinigkeit essen gehe, wähle ich eher die gemütliche Kneipe, für ein Business Dinner wähle ich aber etwas nobleres. Für den Jahrestag mit der Freundin muss nicht nur das Essen stimmen, sondern auch die Location, die einen romantischen Abend garantiert.

Wie praktisch wäre es also, wenn ich Restaurants nach Anlässen sortieren könnte? Und ich einstellen könnte, wieviel ich ausgeben möchte oder wie weit ich fahren will? Diese Kombination gab es bisher nicht – also haben wir foodQuest, eine iPhone-App, entwickelt, die genau das kann. Ich sage der App, was ich machen möchte und die App gibt mir keine riesige Liste, sondern fünf perfekt ausgesuchte Empfehlungen. Damit brauche ich für die Suche keine halbe Stunde, sondern nur noch zwei Minuten. Zudem sieht unsere App einfach verflixt lecker aus. Die meisten anderen food-Apps haben mit ihren “trockenen” Listen nie so richtig appetitanregend auf mich gewirkt. Wenn ich mich dann entschieden habe, kann ich von der App aus im Restaurant reservieren und muss nicht mehr darauf warten, innerhalb der Öffnungszeiten anzurufen. Das fanden wir sehr praktisch.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Natürlich ist so eine App nicht von heute auf morgen entwickelt. Wir haben sie ja komplett selbst gestrickt. Also mussten wir viele der geplanten Features erst einmal auf die späteren Versionen verschieben. Aber momentan läuft es gut und wir arbeiten hart daran, unsere Vision nach und nach umzusetzen.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Mitbewerber, die exakt das gleiche wie wir tun, haben wir nicht – aber natürlich stehen wir noch im Schatten von Qype, Yelp, Google Places und Co. Deren Ergebnisse schwanken in Ihrer Qualität zwar extrem und sie helfen dem Benutzer nicht so gut, wie wir es für nötig erachten – aber die Dienste werden zweifelsohne häufig genutzt. Wir grenzen uns durch unseren Ansatz der anlassbezogenen Empfehlungen ab. Wir sind damit keine Bewertungsplattform, sondern eine viel differenziertere Empfehlungsplattform: Wir sagen nicht pauschal “Dieses Restaurant ist schlecht und teuer”, sondern sagen “Dieses Restaurant ist vielleicht nicht gerade für ein Dinner mit Freunden geeignet, aber um mit einem wichtigen Geschäftspartner essen zu gehen, ist es sehr gut”. Durch unseren hohen Qualitätsanspruch ziehen wir sehr food-affine Nutzer an, die bisher mit der Durchschnittsmeinung wenig anfangen konnten.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Unser Geschäft ist ein Massenmodell. Wenn wir von vielen Nutzern gesehen und genutzt werden, schaffen wir den Durchbruch. Damit ist es unser Ziel, neben der hohen Qualität für genügend Reichweite zu sorgen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Aktuell vermitteln wir Restaurant-Reservierungen und erhalten dadurch Provisionen. Wir haben natürlich unsere Hausaufgaben gemacht und haben eine Idee davon, wieviele Buchungen wir benötigen, um uns zu finanzieren – wann das jedoch genau erreicht wird, hängt auch von den Conversion Rates ab, die es noch herauszufinden gilt. Weiterhin arbeiten wir an einem innovativen Werbekonzept und Premium-Modellen.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Unser Ziel ist es, zunächst deutschlandweit verfügbar zu sein. An diesem Ziel arbeiten wir jetzt gerade sehr konkret und hoffen, es noch im September zu erreichen. Danach lockt das europäische und amerikanische Ausland.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
In den nächsten zwölf Monaten haben wir eine sehr große Anzahl an Benutzern von unserem Konzept begeistern können und unsere App ist technisch stark erweitert und auf anderen Plattformen verfügbar.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person
Ken Knoll ist ebenso wie sein Mitgründer Chris Chard Diplom-Wirtschaftsingenieur. Im Sommer dieses Jahres startete das Duo Foodquest, eine Gratis-App fürs iPhone, die Empfehlungen für Restaurant-Besuche liefert.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. TheRiddler

    “…für ein Business Dinner wähle ich aber etwas nobleres. Für den Jahrestag mit der Freundin muss nicht nur das Essen stimmen, sondern auch die Location, die einen romantischen Abend garantiert”

    Genau für diese Fälle mach ich mir dann doch eher die Mühe und blätter mich durch “etwas” fundiertere Bewertungen – als mir ein Restaurant von einer App empfehlen zu lassen.



  2. Miguel

    “aber natürlich stehen wir noch im Schatten von Qype, Yelp, Google Places und Co.” – wo kommen den eigentlich die Daten her, auf deren Grundlage die Empfehlungen generiert werden? Sind die selbst recherchiert? Konnte dazu nix finden, auch nicht auf deren Webseite…



  3. McFoodly

    Ist das ganze nicht nur mal wieder ein Klon aus Amerika? Das App Design, die Website und die Idee von Foodquest sind jedenfals sehr stark von ness (www.likeness.com) abgeguckt.



  4. Beda M

    jo, erstmal Hausaufgaben machen bevor, man überall PMs raushaut. Geld über Provisionen von Reserveierungen? Wenn ich hier schaue http://itunes.apple.com/de/genre/ios-essen-und-trinken/id6023?mt=8 seit Ihr da auf ca. Platz 200 bei den Downloads. Wieviel DLs sind das am Tag? 10? Davon löschen 9 die Anwendungn wieder weil keine Inhalte da sind. Wieviele reservierungen werden daraus genereiert aktuell? 5 im Monat?



  5. Miguel

    Dann wäre auch noch http://www.foodspotting.com/ ebenfalls aus den USA zu nennen. Wobei sich hier die Empfehlungen auf Gerichte und nicht Restaurants beziehen, und von anderen Nutzern (Freunden) kommen.



  6. Martin

    @McFoodly: Danke für den Hinweis.
    @Foodquest: Echt schade, dass Ihr damit nicht ehrlich umgeht. Eine “Inspiration” aus Übersee zu nutzen ist m.M. nach weniger schlimm als ständig diese unehrlichen “Problem erkannt – Lösung gefunden” Aussagen… *gähn*
    @Alexander Hüsing: Warum da nicht mal kritisch nachfragen? Du kennst doch bestimmt “Ness”, wenn Du Dich auf so ein Interview vorbereitest. So verkommt das ganze doch nur zu einer im Interview-Stil aufbereiteten Pressemitteilung.



  7. Otto

    Verstehe auch nicht woher die Daten kommen. Ist für Hannover auch nicht besonders gut.

    Dass es eh nur n US-Klon ist macht die Sache nicht besser.



  8. franky

    hab mir grade likeness mal angeschaut. wenn ich das richtig verstehe machen die gar nix mit anlässen sondern zeigen dir, was deine freunde mögen.

  9. Wer weitere Details zum Startup erfahren möchte, kann sich das Gründerinterview mit foodQuest auf Gruenderleben.com als Podcast anhören.

  10. Beda M: Wie kommst du auf Platz 200? Egal, es werden schon ein paar mehr sein, weil “foodQuest ist die schönste App im App Store …”.



  11. Beda M

    @rainer – die Liste ist sortiert nach Anzahl der Downloads. Beginnt links runter mit Burgerking vor lieferheld und pizza.de ( was auch interessant ist, hätte nie gedacht das lieferheld so gut listet) links sind 100 in der ersten Spalte, und kurz vor dem Ende der zweiten Spalte stand foodquest. Wer ein paar Apps im store hat, kann es ungefähr einschätzen wieviele/ wie wenig downloads es sind. xyologic zeigt ingesamt 4000 an, darauf kann man aber nicht so viel geben. Aber in paar Monaten 4000 wäre auch nicht so doll. Vor allen Dingen da die App. ja nur paar Städte hat. Müssten die Jungs selbst was zu sagen. Aber 1000 installierte Versionen (also nicht gelöschte) wären viel denke ich. Ganz zu schweigen von der Nutzung.

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