Fünfzehn Fragen an Konrad Mazanowski von Joinbox

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Wir haben doch einen Chef! – und zwar den bzw. die Kunden. Unsere Aufgabe ist es, ihre Wünsche und Bedürfnisse aufzudecken und entsprechend umzusetzen. […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Wir haben doch einen Chef! – und zwar den bzw. die Kunden. Unsere Aufgabe ist es, ihre Wünsche und Bedürfnisse aufzudecken und entsprechend umzusetzen.

Der Spielraum gewährt uns eine gewisse Freiheit, die durchaus mit vielen Vorteilen verbunden ist: Wir können uns die Zeit flexibel einteilen, den Arbeitsort auswählen und Entscheidungen selbst treffen. Dazu braucht es jedoch auch viel Disziplin und noch mehr Durchhaltevermögen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Gegen Ende des letzten Jahrzehnts haben sich zahlreiche soziale Netzwerke in Europa durchgesetzt. Als Online-Geeks sind wir immer auf Neues und Unbekanntes versessen und wollen alles ausprobieren. Aber die ständig zunehmende Anzahl ähnlicher Dienste hat uns genervt. Wir suchten nach einem Werkzeug, das uns die unterschiedlichen Profile und Kommunikationsstränge zusammenfasst und vereinfacht. Als wir keine befriedigende Lösung gefunden haben, haben wir mit der eigenen Entwicklung begonnen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das Unternehmen ist generisch aus der Idee gewachsen. Wir sind eigenfinanziert, das Gründungskapital stammt aus privaten Mitteln.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Zeit –als Ressource und als Planungselement. Ohne viel Erspartes möglichst schnell auf den Markt zu kommen ist kein Zuckerschlecken. Und fehlende Erfahrung in der Projektplanung hat uns hinterher ständig vor die Frage gestellt: “Wo ist eigentlich die Zeit hin?”

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Früher mit einem Prototypen in den Markt eintreten und sich der Skalierfähigkeit des Systems erst in einem zweiten Schritt annehmen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir haben ein Produkt für den durchschnittlichen Onliner. Ein Produkt, das Informationskanäle zusammenfasst. Wir müssen also die Nutzer nur dazu bringen, dass sie über diese Kommunikationsmöglichkeiten auch Joinbox erwähnen. Deshalb versuchen wir das Produkt so gut zu gestalten, dass es als solches ein Marketinginstrument ist.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Freunde und Personen, die nie müde waren, uns ehrliches Feedback zu schenken und Verständnis aufbrachten, wenn es “wieder mal später wird”.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Schnell in den Markt einsteigen, viel lesen, Mensch sein. Ich denke, insbesondere im Internet sollte man sich nicht allzu sehr auf Businessplan, Finanzplan etc. konzentrieren. Einige grundlegende Überlegungen sind wichtig, können aber auf fünf Seiten zusammengefasst werden. Dazu sei viel Lektüre, vor allem von amerikanischen Klassikern, empfohlen: Guy Kawasaki, Seth Godin, Malcolm Gladwell. Und dann mit anderen Start-ups, Bloggern und Journalisten reden und – womöglich – Hilfe anbieten. Das zahlt sich irgendwie immer aus. Und tut gut.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Wir sind aus der Schweiz, deshalb wäre ein Wunsch an das Schweizerische Wirtschaftdepartement interessanter. Die staatlich geförderten Programme finden wir gut. Leider liegt der Fokus in der Schweiz dabei hauptsächlich auf Unterstützung von High-Tech- und Medizinal-Unternehmen. Internet-Startups werden oft belächelt, obwohl hier viele internationale IT-Unternehmen tätig sind: Google, IBM, eBay, HP. Die Rahmenbedingungen für Jungunternehmer sind verbesserungswürdig: weniger komplizierte Steuererklärungen, viel weniger Aufwand bei der Gründung und einfachere Anstellungsbedingungen wären wünschenswert.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ein Start-up gründen. Wir sind auf den Geschmack gekommen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
6Wunderkinder tritt wunderschön auf. Ich bin gespannt auf ihr nächstes Produkt.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Belle Époque. Eine  wirtschaftlich fruchtbare und gerade für Gründer und Unternehmenslustige spannende Zeit. Vielleicht wären wir Chocolatiers geworden. 2011 ist aber auch spannend – es geschieht unglaublich viel, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Im Moment eindeutig: in Joinbox investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Wenn es die Zeit erlaubt, am liebsten irgendwo unterwegs. Stadt, Land, See, egal, Hauptsache nicht zu hektisch.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Für Kaffee oder Bier ist jeder spannend, jeder hat eine interessante Geschichte. Wenn ich wählen dürfte: Ich könnte mich nicht entscheiden. Deshalb würde ich wohl nicht Jobs, Zuckerberg, Brin wählen, sondern Tim Ferriss.

Zur Person
Konrad Mazanowski ist Mitgründer und Geschäftsführer von Joinbox (www.joinbox.com). Die Webapplikation fasst soziale Netzwerke, E-Mails und Online-Nachrichten auf einer Website zusammen.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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