Gastbeitrag von Tilo Bonow (piabo) 5 Tipps für den Erstkontakt mit Journalisten

Wie bei der Partnersuche, gilt es, auch in puncto Medien zunächst den richtigen Partner zu identifizieren – man will seine Mühen ja schließlich nicht an jemanden verschwenden, der von einem nichts wissen will. Die Identifizierung relevanter Zielmedien ist deshalb oberste Pflicht.
5 Tipps für den Erstkontakt mit Journalisten

Auf Grundlage meines Beitrags “20 Journalisten, an denen kein Start-up vorbeikommt” haben sich offenbar zahlreiche junge Unternehmer ein Herz gefasst und sind proaktiv auf die genannten Journalisten zugegangen. Nachdem wir deshalb neben zahlreichen positiven Reaktionen interessierter Gründer von unseren Redakteuren die Rückmeldung bekommen haben, dass manch eine Annäherung etwas zu plump ausgefallen ist, wird es Zeit für die zweite Lektion. Und womit könnte man die nervenaufreibende Annäherung besser vergleichen, als mit der Partnersuche?

Den richtigen Partner auswählen
Wie bei der Partnersuche, gilt es, auch in puncto Medien zunächst den richtigen Partner zu identifizieren – man will seine Mühen ja schließlich nicht an jemanden verschwenden, der von einem nichts wissen will. Die Identifizierung relevanter Zielmedien und konkreter Ansprechpartner ist deshalb Pflicht und dient auch als Grundlage zur Ausarbeitung des Pressematerials.

Niemals mit leeren Händen zum ersten Date
Nichts ist peinlicher, als ohne eine kleine Aufmerksamkeit beim ersten Date zu erscheinen. Auch für den Journalistenkontakt gilt deshalb: Bevor man seinen Mut zusammennimmt und den ersten Schritt auf die Redakteure zugeht, sollte Pressematerial vorliegen. Hierzu gehört neben der ersten professionellen Pressemitteilung im besten Fall ein Factsheet, welches alle Daten und Fakten zum Unternehmen übersichtlich präsentiert, sowie aussagekräftiges Bildmaterial und Screenshots. Auf diese Weise kommen Unternehmer dem Herz der Redakteure einen großen Schritt näher.

Altmodisch ist Trumpf
Vergesst alle neumodischen Flirt-Taktiken. Wenn es um Medien geht, ist der altmodische „Liebesbrief“ immer noch die beliebteste Annäherungsweise. Anstatt Redakteure im ersten Schritt telefonisch zu belästigen, gilt es, zunächst per E-Mail Kontakt aufzunehmen. Am besten funktioniert das in Form einer klassischen Pressemitteilung, die Idee sowie Prinzip des Unternehmens und vor allem die Vorteile für Nutzer beziehungsweise Leser klar verständlich darstellt. Was dem klassischen Liebesbrief das Passfoto, ist der Pressemitteilung dabei das Bildmaterial – also unbedingt hochauflösende Bilder oder Screenshots anbieten.

Niemals am Folgetag anrufen
Betrachtet man die Kontaktaufnahme per Mail als erstes Date, darf der angebetete Redakteur natürlich keinesfalls direkt am Folgetag des Versands telefonisch attackiert werden. Das ist nicht nur nervig, sondern wirkt wie auch beim Flirten eher verzweifelt. Stattdessen sollte man den Journalisten Zeit geben, sich mit der Materie auseinander zu setzen. Nach etwa einer Woche ist die telefonische Ansprache mit neuem Aufhänger oder Zusatzmaterial wie Bildern oder Grafiken erlaubt. Die plumpe Nachfrage nach Erhalt der Presseinformation ist stets ein No Go und wird von den meisten Redakteuren mit einer deutlichen Abfuhr gestraft.

Nein heißt NEIN
Sowohl beim Flirten als auch in der PR ist es bitter: Das „Nein“. So wie man sich jedoch bei der Partnersuche daran gewöhnt hat, die unschöne Wahrheit zu akzeptieren, muss auch die Meinung der Redakteure anerkannt werden. Statt also lange zu diskutieren und am Ende womöglich zu betteln, heißt es bei einer Absage: Kopf hoch und dem Thema einen neuen Dreh geben beziehungsweise einen Kollegen ansprechen, in dessen Aufgabenbereich die Meldung besser passt. Auf diese Weise geht man freundschaftlich auseinander und hält sich den Weg für einen weiteren Annäherungsversuch mit einem frischen, besser auf das Medium und seine Leser abgestimmten Thema offen.

Wer diese Etiquette beherzigt, kann sich über ein fruchtbares und langfristiges Zusammenspiel mit den Redakteuren freuen. Und wer sich den Balztanz auf dem medialen Parkett nicht allein zutraut, der greift am besten auf externe PR-Experten zurück, die das Flirten nach allen Regeln der Kunst beherrschen.

Im Fokus: Weitere Artikel zum Thema PR gibt es in unserem Special PR-Tipps für Gründer

Zur Person
Tilo Bonow ist Gründer und Geschäftsführer von piâbo, der Kommunikationsagentur für die digitale Wirtschaft. Neben strategisch vernetzter PR und Social Media umfasst das Leistungsspektrum der Berliner Agentur medienübergreifende B2B- und B2C Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationsmanagement, die Entwicklung von redaktionellen Konzepten wie auch das Monitoring Sozialer Netzwerke. Das junge Team betreut nationale und internationale Kunden aus der Internet/IT-, Mobile/Medien- und Cleantechbranche und verfügt über ein eingespieltes globales Netzwerk.

Artikel zum Thema
* 20 Journalisten, an denen kein Start-up vorbeikommt
* 20 Veranstaltungen, an denen kein Start-up vorbeikommt
* Die vier Ws für eine erfolgreiche Pressearbeit
* Maßnahmen der PR-Arbeit
* Do’s und Don’ts im Umgang mit der Presse
* Vom Ob zum Wie – Nachhaltige Pressearbeit
* Wie finde ich die richtige PR-Agentur für mein Start-up?

Foto: Leader contacting his business team with smartphone and laptop at hand from Shutterstock



  1. Jens

    In der Theorie nett. Leider hat sich gezeigt dass Journalisten heute auch bei einer Story mit Mehrwert plus tollen Bildern einfach nicht auf e-Mails (trotz persönlicher Anrede) reagieren. Ich fürchte mal es liegt an den unterbesetzten Redaktionen und an der bequemen dpa Serviceline, die alle Inhalte fleißig automatisch ins CM/S spült. Schade eigentlich.



  2. Christian

    extrem schlechter beitrag, weiß gar nicht wie man sowas veröffentlichen kann…



  3. Andre

    @Christian

    Extrem schlechter Kommentar! Wenn man schon meckert, sollte man auch sagen, was einem nicht gefällt. Alles schlecht finden ist einfach…

  4. @ Jens
    Du triffst den berühmten Nagel auf den Kopf. Es gibt 1 Mio. und einen Grund, warum Journalisten ein Thema nicht machen wollen, egal wie gut du vorbereitet bist und egal, wie du da auftauchst etc.(habe schon so ziemlich jede Ausrede gehört), meist aber wird “von oben” vorgegeben, was ne Story ist, und was nicht. Fakt ist – der telefonische Erstkontakt funktioniert bei mir grade besser als der im Artikel vorgeschlagene “Liebesbrief”. Der hat 0 (N U L L) Resonanz gebracht. Journalisten haben heutzutage keine Zeit, nen andren Fokus, kein Gespür für ne Story (die muss man ihnen vorkauen oder mit dem Hämmerchen einmassieren oder sind schlicht überfordert – wie gesagt. Erst, wenn eine Story überall läuft, rennen dir die Journalisten von alleine die Tür ein und scheuen sich auch nicht, dich Nachts um 3 aus dem Bett zu telefonieren, wenn Sie deine Handynummer haben. Alles schon erlebt.

    @ Christian
    Ich mag Tilo und er ist zweifelsfrei kompetent auch wenn ich diesen Artikel von ihm ebenfalls nicht berauschend finde. Trotzdem – “extrem schlecht” ist der Beitrag nicht.
    Er ist nur nicht ganz so gut wie der andre :-)

    Was mir persönlich nicht gefällt – hier werden Journalisten als “Götter” bzw. “anbetungswürdig” dargestellt. Selbst bei aller Ironie erkennt man dahinter trotzdem die Attitüde. Redakteure sind zumeist (mehr oder weniger) bezahlte Lohnschreiber, die ich weder anbeten noch Ihnen huldigen muss, nur um in das Blatt oder auf den Blog etc. zu kommen. Mich betet auch keiner an wegen dem was ich bin oder kann – gilt übrigends auch für VSs. Kapital glorifiziert einen nicht – es erweitert nur den Spielraum.

  5. Vielen Dank für die Hinweise, ich finde den Beitrag gut, auch wenn er wenig Neues enthält bzw. mir ein wenig die Gesamtstrategie fehlt (klingt mir zu sehr nach Standard-Presseaussand + Follow-Up).

    @Jens: Du erwartest hoffentlich nicht auf jede Mail an Journalisten eine Antwort? Das funktioniert doch selbst bei Bloggern nur in Ausnahmefällen.

    @Frank, hat meiner Meinung nach nichts mit Attitüde der Journalisten zu tun, es resultiert einfach aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, bei dem man sich eben anstrengen muss, um zu den besten Anbietern zu gehören. Übrigens ist die Attitüde z.B. bei Pro-Bloggern viel extremer, wenn man sich mal die Rules of Contact von Leuten wie Scobelizer & Co. durchliest. Aber auch da gilt: Man sollte dankbar für die Hinweise sein und die Rules befolgen, damit steigen die Chancen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand hier als Journalist oder Pro-Blogger anders handeln würde.

    Interessieren würde mich noch die Präsentation von Bildern beim Erstkontakt bzw. bei Pressemitteilungen: Der E-Mail anhängen (im Zweifelsfall sehr groß) oder besser mit Link auf Online-Pressemitteilung bzw. Newsroom? Außerdem: Was halten Sie von Services wie HARO? Wird das in Deutschland genutzt? Macht das Sinn?

  6. @ Frank: Als Götter der Liebe… ;) Der Artikel ist alltagsweise, die Tipps solide. Und mit etwas Glück mündet das Balzen in einer langfristigen Beziehung – nach wie vor meiner Erfahrung nach der beste Weg, um sich mediale Präsenz zu verschaffen.

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  9. Uwe

    Ich bin (noch) nicht so sehr bewandert zum Thema und wollte mich mit diesem Artikel informieren. Hab leider den Eindruck, dass Journalisten in diesem Beitrag als die Götter des PR dargestellt werden. Sowas kann ich nicht nachvollziehen.

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  12. Linda-Tabea Vehlen

    Hm – so ganz kann ich dem einen Tipp nicht zustimmen. “Anstatt Redakteure im ersten Schritt telefonisch zu belästigen, gilt es, zunächst per E-Mail Kontakt aufzunehmen”- das ist ein NO GO! Umgedreht wird ein Schuh draus: man ruft ERST an und schickt dann eine Mail. Journalisten erhalten -zig Mails am Tag, da gebietet es der Anstand, dass man zunächst nachfragt, ob das Thema wohl von Interessse wäre und überflutet nicht gleich das Postfach (jeder kann sich denken, dass die meisten unverlangt gesandten Mails untergehen). Bekommt man ein GO, kann man mailen und sich auf das Telefonat beziehen. Zudem wird sich eher an denjenigen erinnert, mit dem der Journalist – wenn auch nur kurz – Kontakt hatte. Alte PR-Regel.



    • azrael74

      Naja, wenn hier jeder anruft, bevor er mir eine Mail schickt, dann komme ich zu gar nichts mehr. Da muss die Fallhöhe der News aber schon groß sein. Generell ist es mir lieber, wenn mich Gründer zuerst per Mail kontaktieren.



      • Linda-Tabea Vehlen

        ….das ist sicher auch von Redaktion zu Redaktion unterschiedlich. Meine Erfahrung ist allerdings, dass die mit dem “vorher telefonieren” gut funktioniert. So schnell können die Medienvertreter die Mails ja gar nicht lesen oder gar als “ungelesen” markieren, wie die teilweise zugemailt werden. Gerade bei bundesweiten Medien – das ist wirklich wichtig für Gründer – ist ein Erstkontakt via Telefon – dabei bleibe ich – unverzichtbar. Klar, der Newswert muss schon was hergeben, bei unserem Start-up, ein Treuetestportal für Frauen, ist es allerdings oft so, dass wir von den Journalisten von selbst kontaktiert wurden. Ich würde nie zum Hörer greifen und mich als Gast in einer Talkshow platzieren wollen. Hier kam der Sender auf uns zu, aber wo das noch nicht der Fall ist, empfehle ich Gründern, dass das jemand anders übernimmt. Muss nicht gleich eine teure PR-Agentur sein, das kann in der Anfangsphase auch ein Mitarbeiter oder Freund sein, der den oder die Gründer als Gäste für ein TV-Format empfiehlt. Kommt erst mal TV springen die meisten Print- und Online-Medien auf. Bei uns war es zwar umgedreht, aber wichtig ist, medial präsent zu sein.

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