Fünfzehn Fragen an Steve Mattuschka von Billomat

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Unternehmerische Freiheit zu haben, Entscheidungen zu treffen, die positiv, aber auch negativ ausfallen können. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben. Wenn Sie positiv […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 6. Februar 2009
  • 4 Kommentare

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Unternehmerische Freiheit zu haben, Entscheidungen zu treffen, die positiv, aber auch negativ ausfallen können. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben. Wenn Sie positiv ausfallen, kann ich mich unendlich darüber freuen und möchte diese Freude gerne mit anderen teilen. Wenn nicht, dann muss ich auch die Kraft haben, Niederlagen einzustecken, zu verarbeiten, wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Im Übrigen bin ich fest davon überzeugt, dass der Mensch für die Selbständigkeit geschaffen wurde. Bis vor einigen Jahrzehnten (ich meine i.A. die Zeit vor der industriellen Revolution) war es vollkommen normal, dass der Familienvater zusammen mit allen Familienmitgliedern für die Familie zu sorgen hatte. Nur selten waren die Menschen Arbeiter, Angestellte, oder Beamte. Sie waren von den Naturgewalten abhängig und mussten mit diesen Schwierigkeiten Tag für Tag kämpfen. Fiel die Ernte ein Jahr aus, dann sah es für das Überleben der Familie oft schlecht aus. Arbeitslosen-, Unfall-, Renten-, Krankenversicherung und Gewerkschaften gab es nicht. Auch wenn man nicht alles eins zu eins auf die heutige Zeit übertragen kann, ist das Leben von Selbständigen heute ähnlich. Es wird von uns sehr viel Eigenverantwortung und Initiative erwartet. Aber das ist für mich die Würze im Leben und ich mache es gerne.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ideen für ein Geschäftsmodell habe ich (fast) täglich. Es sind aber eben nur Ideen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich zehn, oder zwanzig Einfälle haben muss, damit dann das Eine oder Andere realisiert werden kann und sich auch wirtschaftlich trägt. Bei Billomat war es so, dass bei uns mehrere Faktoren zusammenkamen:
1. Wir suchten für unsere Arbeit selbst eine Online-Fakturierungslösung in Deutschland
2. Es gab nichts Passendes
3. Wir entwickelten ein Geschäftsmodell und gingen an die Arbeit
4. Here we are!

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Von der Idee bis zu unserem Start im November 2007 haben wir alles aus eigenen Mitteln finanziert. Erst Mitte 2008 kam frisches Kapital hinzu.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Da wir bereits einige Jahre Erfahrung mit eigenen Unternehmen bzw. Unternehmensgründungen hatten, war uns das Gründungs-Metier nicht ganz neu. Sogar die Limited-Gründung zu Beginn von Billomat verlief reibungslos. Was hier in Deutschlang immer noch sehr nervend ist (was aber kein Stolperstein sein muss), ist der enorme Schriftverkehr mit den Behörden. Einmal ein Gewerbe angemeldet, dann flattern schon die ersten Briefe vom Finanzamt, der IHK, der Berufsgenossenschaft etc. rein. Diese Flut an Bürokratie ist schon nervig. Am besten übergibt man diese Dinge dem Steuerberater.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
So schlecht ist es gar nicht gelaufen. Ich, aber auch mein Partner, hätten uns gewünscht, mehr Zeit für das Projekt gehabt zu haben, um schneller starten zu können, aber wir mussten ja noch unsere Brötchen mit anderen Projekten verdienen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Am liebsten würden wir mit ganz kleinem Werbebudget große Reichweiten erzielen und viele User für Billomat begeistern, aber so funktioniert es nur selten. Wir bedienen uns diverser Mittel: PR-Arbeit, Werbung in Blogs, GoogleAdWords, aktive Teilnahme an Diskussionen, Besuch von Veranstaltungen, Kooperationen etc. Sehr wichtig ist es, die eigene Zielgruppe genau zu kennen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Grundvoraussetzung ist die Unterstützung der Familie. Die war mir sicher. Ansonsten haben wir hin und wieder unseren Steuerberater um Rat und Unterstützung gebeten.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Es gibt gute Tage, da könnte man Bäume ausreißen und es gibt Tage, da möchte man alles hinschmeißen. Wichtig: Nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch und nur wenn man die Tiefs kennengelernt hat, kann man den Wert eines Hochs einschätzen und genießen. Also, nie den Kopf hängen lassen. Und noch ein Tipp: Je nach Geschäftsmodell möglichst viele Eigenmittel einsetzen, auf keinen Fall zu hoch verschulden, nicht alles an die Bank verpfänden und planvoll und voller Energie an die Umsetzung gehen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Viele schimpfen über den Standort Deutschland, aber ich bin eigentlich ganz zufrieden hier. Wenn man sich an einige Spielregeln hält, dann kann man sein Unternehmen relativ frei führen (ich kenne mich natürlich nicht mit Genehmigungsverfahren für Industrieanlagen etc. aus – da mag es sicherlich größere Einstiegshürden geben). Es gibt die KfW, die zinsgünstige Kredite an Gründer und Unternehmen vergibt. Es gibt Landesbürgschaften, es gibt Gründer- und Technologiezentren, es gibt die IHKs, die die Unternehmer kostenlos beraten. Ganz zu schweigen von den vielen Zuschussprogrammen, die man beantragen (die Beantragung grenzt aber oft an eine Doktorarbeit) kann.

Herrn Bundeswirtschaftsminister Michael Glos würde ich empfehlen, dass man die aktuellen Hilfen und Unterstützung für Gründer mindestens beibehält, besser noch, erhöhen sollte. Die Gründer von heute sind der Motor für die Wirtschaft von Morgen. Sie sind es, die das komplette Risiko eingehen, die Ihre Jobs aufgeben, um Neues zu schaffen, die oft 12-14 Stunden am Tag arbeiten, die wenig Urlaub machen, die Ihre Familien (leider) oft vernachlässigen. Diesen Menschen (nicht nur, weil ich selbst dazu gehöre) muss man helfen und nicht Steine in den Weg legen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Da ich in Peru, Mexico, Venezuela und auch in Deutschland aufgewachsen bin, habe ich eine Affinität für Nord- und Südamerika. Ich könnte mir vorstellen wieder in den internationalen Vertrieb zu arbeiten – wo ich bereits auch schon jahrelang tätig war.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich habe keinen besonderen Favoriten, würde aber bei dem Einen oder Anderen gerne Mäuschen spielen und mir anhören wollen, wie Ihre Vertriebs- und Expansionsstrategien aussehen und wie sie diese umsetzen wollen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Am liebsten hätte ich eine Zeitmaschine, um in verschiedenen Zeitepochen zu reisen. Zuerst würde ich in die Vereinigten Staaten des 18./19. Jahrhundert reisen und würde mir anschauen, wie die Einwanderer das Leben in der neuen Welt meisterten. Danach reise ich nach Südamerika zur Zeit Símon Bolívars (Befreiungskämpfer um 1810), um mir die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanischen Kolonialherren anzuschauen und zuletzt würde ich gerne einige Zeit in Jerusalem zur Zeit Jesu Christi verbringen
wollen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich alles für caritative Zwecke spenden würde. Aber mir fallen sofort einige Projekte ein, die ich gerne unterstützen würde. Natürlich stünden Billomat dann auch noch weitere Finanzreserven zur Verfügung, um unsere Ziele schneller zu erreichen. Neben einem Notgroschen für schlechte Zeiten würde ich mir dann doch noch eine „Harley Davidson Fat Boy“ gönnen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
An Sonntagen besuche ich mit meiner Familie den Gottesdienst und habe dort eine schöne und erholsame Zeit. Für mich ist es wichtig, neben dem täglichen Geschäft meinen „Tank“ zu füllen und da ist die Gemeinschaft mit Gott, der Familie und Freunden die beste Medizin.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Helmut Schmidt würde ich gerne eine Tasse Kaffe trinken und Wendelin Wiedeking würde ich gerne einen Arbeitstag lang begleiten wollen. Das wären sicherlich sehr interessante Begegnungen.

Zur Person:
Steve Mattuschka, Jahrgang 1969, studierte Europäische Betriebswirtschaftslehre in Trier. Nach mehreren Jahren im internationalen Vertrieb gründete er mit Simon Stücher den Fakturierungsdienst Billomat (www.billomat.com). Der web-basierte Dienst richtet sich an Existenzgründer, Freiberufler und Freelancer und ermöglicht das schnelle und einfache Erstellen und Versenden von Rechnungen.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

  1. WOW! Ich hätte nicht gedacht, dass die Antworten so offen und ehrlich sind. Denn man gibt doch eigentlich nicht solche Infos preis. Vor allem, wenn es um das Kapital geht. Da möchte man doch lieber nichts dazu sagen. Also so ginge es mir jedenfalls. Aber da ist wohl jeder anders. Aber ich finde es sehr gut, dass er die Fragen so offen und ehrlich beantwortet hat und wie sagt man so schön „Kein Blatt vor den Mund genommen hat“. Das lässt doch mal wirklich hoffen, dass daraus noch etwas größeres werden kann als es eh schon ist.



  2. marc

    @ Marcel

    Verstehe ich nicht? Seine Aussage zum Kapital ist doch nicht besonders offen sondern eine Standardaussage. Interessant wäre die Höhe des benötigten Kapitals.



  3. Bernd

    Kommentar Nummer eins ist SPAM!



  4. Anonym

    Ja, total billg der erste Kommentar! WOW

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