Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Meine Ideen verwirklichen! Als eigener Chef kann ich neue Realitäten schaffen. Ganz besonders reizt es mich, Online-Dienste zu schaffen, die das Leben meiner User bereichern und ihnen neue Horizonte eröffnen.
Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die fotocommunity-Idee kam mir in meinem Urlaubsjahr 2000 nach dem Web-1.0-Stress. Die Idee zu make.tv 2003 mitten im Aufbau von fotocommunity.
Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
fotocommunity ist selbstfinanziert und seit einigen Jahren profitabel. make.tv hat gerade die zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen – die erste mit internationalen Privatinvestoren und die zweite durch den High-Tech Gründerfonds und von mir selbst.
Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
fotocommunity war 2001 komplett werbefinanziert. Die Budgets sind aber 2002 nach dem Crash quasi eingefroren worden. Da habe ich als eine der ersten Webseiten eine monatliche Mitgliedsgebühr eingeführt. Das klappt bis heute sehr gut! Besonders wichtig war mir immer die Betreuung meiner User und Kunden. Das geht nur durch die Mithilfe der User selbst. Schon wenige Monate nach dem Start der fotocommunity war das E-Mail-Aufkommen zu groß, um es selbst oder mit bezahlten Mitarbeitern zu bewältigen. Bis heute helfen unsere User mit, neuen Usern Fragen zu beantworten.
Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Den Programmcode besser dokumentieren für alle, die nach mir kommen. Ansonsten kann ich jedem nur raten: Keep costs low and think big. Das lässt sich vereinbaren.
Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Customer-Relationship-Magament. Nur wer eine gute Beziehung zu seinem Kunden hat, kann ihn auch konvertieren. User in einer Datenbank zu sammeln und irgendwelche kostenlosen Webtools anzubieten, ist einfach. Im besten Falle ist das Tool gut genug, um alleine mit Mundpropaganda zu wachsen, den Rest erledigen dann Adwords oder sonstige geschickte Massnahmen. Nur: Wie monetarisiert man die User? Ich bin da ein großer Fan von Mitgliedsgebühren. Und dann muss man sich Gedanken über die Beziehung zu jedem User machen. Das fängt mit den Basics an: Kundenanfragen zeitig und gut zu beantworten. Dazu gehört aber auch, auf den Kunden zuzugehen und eine Email zu senden, wenn er eine Weile inaktiv war. Natürlich muss man das während des Wachstums schnell automatisieren. Wichtig dabei ist dann aber, auf die persönliche Antwort einer automatisierten E-Mail persönlich zu antworten!
Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Chef-Supporterin Ute Allendörfer, die eine CRM-Maschine ist (siehe oben), und mein CTO Felix Huber, der schon 2001 dafür gesorgt hat, dass die Server laufen!
Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Überlegt euch, wie ihr das viele Geld, welches ihr ausgebt, wieder einnehmen könnt. Die Zeiten sind vorbei, wo User und Seitenabrufe einen Wert darstellen.
Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Einfachere Anmeldung von Aushilfskräften und Praktikanten. Und: Wenn ich mir die Rechnungen der Steuerberater ansehe, auch ganz generell ein einfacheres Steuersystem. Ich beklage mich nicht grundsätzlich: Die Steuersätze sind schon in Ordnung. Aber es gibt einfach zu viele Ausnahmeregeln, da blickt doch kein Mensch mehr durch und deshalb steigen die Beratungskosten!
Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ein anderes Start-up gründen!
Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
studiVZ. Und zwar, weil ich wirklich mal wissen will, wie man es schafft, mit einer so primitiven Seite so viele User zu binden.
Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich reise in das Jahr 2030, wo quasi jedes elektronische Gerät eine Gigabit-Verbindung ins Internet hat. Mich würde brennend interessieren, wie die Menschen damit umgehen und was sie daraus machen.
Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wenn Sie mich das mit 50 fragen, würde meine Antwort vielleicht lauten: Zu Ruhe setzen. Jetzt aber würde ich neue Internetanwendung entwickeln. Es gibt noch so viele weiße Flecken auf der Internet-Landkarte! Jetzt hätte ich sowieso keine Zeit, übermässig viel Geld auszugeben – abgesehen von eingeflogenem Tee!
Wie verbingen Sie einen schönen Sonntag?
Samstag ist mein freier Tag. Tee trinken, Zeitung lesen, abends Party. Sonntags arbeite ich in der Regel.
Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Ihnen, Alexander! Ich gebe zu, mehr Zeit mit dem Lesen von klassischen Medienprodukten zu verbringen, als mit Blogs. Euren Blog und ein paar andere lese ich natürlich. Aber insgesamt habe ich noch nicht den rechten Zugang zur “Blogosphäre” gewonnen. Ich würde gerne mehr über Blogs erfahren.
Zur Person
Andreas Constantin Meyer gründet 1991 mit Schulfreunden die erste Firma und produziert Disketten, CD-ROMs und ein Werbespiel für die EU. Ab 1997 arbeitet er drei Jahre lang mit internationalem Venture-Kapital an einer Softwaretechnologie zur Mediendistribution. Im Jahr 2000 steigt er aus und leistet sich ein Sabbatjahr. Er reist und fotografiert. Zurück in Bonn baut er seine eigene Fotohomepage und merkt: Aufwand und Nutzen stehen bei solchen Projekten in keinem Verhältnis; geringe Besucherzahlen, kaum Resonanz. Die Idee zu fotocommunity (www.fotocommunity.de) war geboren. 2008 gründete Meyer make.tv (www.make.tv), einen Dienstleister für die Produktion und Übertragung von Livesendungen im Internet.
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Fragen










Kommentare
Die Sache mit dem Bier oder Kaffee kriegen wir hoffentlich bald mal hin.
Kommentar von Alexander Hüsing 05. Dezember 2008 @ 08:58Ein wirklich interessantes Interview.
Kommentar von Joern Krueger 05. Dezember 2008 @ 09:07Moderate Mitgliedsgebühren für einen Webdienst der einem einen wirklichen Mehrwert bietet find ich auch die eigentlich beste Lösung.
Schwierig finde ich aber dabei dann das “Hoffen auf die User” (”Bis heute helfen unsere User mit, neuen Usern Fragen zu beantworten”).
Ob das immer gut geht? Warum soll denn ein User in einer Bezahlcommunity den großen Anreiz haben, Support zu leisten? Damit die Plattform (noch) profitabler wird?
Bei einer kostelosen Plattform zieht da ja der “Community-Gedanke”, aber ansonsten würde mir schon die Lust fehlen, bei einem kommerziellen Unternehmen als User kostenlos zu “arbeiten” bzw. für die Arbeit auch noch bezahlen zu müssen.
Freut mich sehr, dass auch die schreibende Web 2.0-Zunft endlich mal wieder einen Blick über den StudiVZ-Tellerrand wirft. Es gibt eben doch Community-Projekte die gutes Geld verdienen und schon seit längerem vormachen, wie eine gute Idee konsequent umgesetzt wird.
@Joern: Genau das macht doch den Community-Gedanken aus. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob die Community kostenlos oder kostenpflichtig ist, sondern ob das Mitglied für sich einen Nutzen sieht, der das eigene “Investment” (Zeit, Geld, …) rechtfertigt. Siehe z.B. auch die Gruppen auf XING.
Kommentar von Daniel 05. Dezember 2008 @ 12:46Das Interview gefällt mir. Endlich mal einer, der es nicht nötig hat bei den Aussagen oberflächlich zu protzen.
Und die Produkte sind in jeder Beziehung gut und profitabel….was will man mehr?
Vielleicht ein Silverlight 2.0-Support für make.tv in 1,5 Jahren….dann bin ich glücklich :)
Kommentar von Karsten 05. Dezember 2008 @ 13:55@Joem: Die Erfahrung aus der fotocommunity zeigt, dass es viele User gibt, die Spass daran haben, sich einzubringen. Wenn ein Teil der Kommunikation mit den Usern von Usern selbst kommt, hat das große Vorteile. Gerade in einer Community ist es wichtig, dass nicht nur Meldungen “von oben aus dem Office” kommen. Zumal die Arbeit im Office mehr im Hintergrund stattfindet, die User kennen die tausend Ecken der fotocommunity sowieso besser :)
Kommentar von Andreas Meyer 07. Dezember 2008 @ 19:39@Karsten: Danke :) Klar, wie beobachten Silverlight. Derzeit ist es aber noch nicht so weit, Flash hat halt noch die Nase vorne. Aber wir sind da grundsätzlich nicht festgelegt geschweige denn mit Adobe verheiratet.
Kommentar von Andreas Meyer 07. Dezember 2008 @ 19:40Danke für das interessante und kurzweilige Interview.
Viele Grüße
Michael Stange
Kommentar von Michael Stange 07. Dezember 2008 @ 20:27http://michaelstange.de
Sehr lehrreiches Interview, das jeder Gründer gelesen haben sollte. “Reach in monetarization” wäre m.E. der passende Titel. Von Andi kann man nur lernen – denn in Zukunft kann der Umsatz nur vom Kunden kommen, nicht von den Werbern (Stichwort: Mediainflation).
Kommentar von Frank Huber 08. Dezember 2008 @ 10:21Ich bin gespannt, wie sich make.tv mit völlig neuartigen Monetarisierungsansätzen ab Q1 schlägt – dazu Andi angesichts der hohen Investition alles Gute!
P.S.: Was wir nie erfahren werden: War der Erfolg der FC Planung oder Zufall? Es sei denn Andi verrät das hier noch …
Und nicht nur, dass Andi ein guter Geschäftsmann ist… nein, er ist auch noch ein toller Mensch *schleim*
;))
gutes Interview!
Kommentar von David Zilk 08. Dezember 2008 @ 14:26Ich habe noch nie sowas arrogantes gelesen.
ICH ICH ICH
Beispiele?
- Da habe ich als eine der ersten Webseiten eine monatliche Mitgliedsgebühr eingeführt.
Sorry, dass ist echt peinlich!
Auch das hier :)
Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Ihnen, Alexander! Ich gebe zu, mehr Zeit mit dem Lesen von klassischen Medienprodukten zu verbringen, als mit Blogs. Euren Blog und ein paar andere lese ich natürlich. Aber insgesamt habe ich noch nicht den rechten Zugang zur “Blogosphäre” gewonnen. Ich würde gerne mehr über Blogs erfahren.
-> de.wikipedia.org/wiki/Blog
Kommentar von Xavier Nuur 08. Dezember 2008 @ 21:02im bezug auf deinen ersten abschnitt…ähm mal ganz einfach gesprochen @xavier: aber wenns nun mal so ist?! er sagt es doch wertungsfrei und ohne sich damit unberechtigterweise in den himmel zu loben. es ist doch nun mal fakt, dass es die fotocommunity schon seit 2001 gibt… noch lange zeit vor den ganzen web2.0-communities à la myspace, facebook, studivz etc. die fotocommunity hat doch eine gewisse vorreiterstellung bzw zählt mit zu den ersten communities, die man so in den web2.0-topf werfen kann (mein ich nicht negativ). von daher ist es doch nicht arrogant, wenn man erwähnt, dass die eigene seite mit zu den ersten zählt, die mitgliedsgebühren eingeführt hat. es ist doch schlichtweg ein fakt und außerdem zielte doch die frage auf die anfangszeit der fc ab und die aussage kam nicht einfach so zusammenhangslos aus dem nichts.
Kommentar von David Zilk 09. Dezember 2008 @ 03:14versteh deine erbostheit nicht, aber anyway… ;)
Also nur mal kein Neid.
Andi hat das geschafft, was kein Mohn-Kronprinz geschafft hat. Er schreibt schwarze Zahlen, schafft Arbeitsplätze, alle sind happy und er zahlt hier seine Steuern.
Wo ist das Problem? Wir brauchen mehr dieser Leute, die mal schnell eine, zwei oder x Mio. in ihre Idee stecken, dafür auch noch persönlich haften und teuren Tee trinken.
Wenn er zu den Blog-Schmuddelkindern keinen Zugang hat um so besser. Dann bleibt sein Kopf wenigstens klar für the next big thing.
Kommentar von Frank Huber 11. Dezember 2008 @ 23:37@Frank: Zu Deiner Frage, ob das alles Zufall war: Nein, natürlich nicht. Was Zufall war, dass die fotocommunity überhaupt entstanden ist, da ich das ganze ja als reines Hobbyprojekt gestartet hatte, ohne überhaupt ein größeres Ding draus machen zu wollen. Aber als ich gemerkt habe, wieviel Zuspruch es gab, habe ich mich schon sehr ins Zeug gelegt. Ich denke, ich habe sehr viel Herzblut reingesteckt und das Ding aus Überzeugung aufgebaut und gehöre sogar mit zur Zielgruppe… Überzeugungstäter halt ;) Hoffe, das beantwortet deine Frage :) Andi
Kommentar von Andreas Constantin Meyer 11. Dezember 2008 @ 23:44sicherlich ist die pekunäre Sicht vollkommen ok und gerechtfertigt.
auch ich war eine zeit in der fc und habe geschaut und gelesen. allerdings entwickeltete sie sich immer mehr zur fotografischen bildzeitung vom sprachlichen niveau, konstruktive bildkritiken sind nicht wirklich zu erwarten und nicht umsonst gibt es ja zwischenzeitlich einen fc-floskelgenerator… “schön gesehen”
die frage ist, und da wird es doch wieder monitär, wann erledigt sich die fc mangels qualität von alleine und was kommt danach?
warte gespannt auf einen neueinstieg
Kommentar von Oliver von see2feel.de 10. Januar 2009 @ 01:45grüße
oliver