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11 Kommentare

Autor: Alexander Hüsing

Kategorie: Gastbeitrag

Geschichten aus dem Valley: Venture Capital im Silicon Valley und in Deutschland

Mittwoch, 01. Oktober 2008 12:15

Seitdem ich mich zu den Bewohnern des Silicon Valleys, diesem schönen Flecken Erde zähle, bekomme ich von potenziellen und gestandenen Gründern immer wieder eine Frage gestellt: Wie kann man im Silicon Valley am besten Geld raisen, bzw. wie unterscheidet sich eigentlich das Fundraising in den USA vom Rest der Welt? Zunächst einmal: Venture Capital in den USA und vor allem an der Sand Hill Road im Silicon Valley funktioniert schon etwas anders als in Europa. Geld für ein Start-up zu bekommen ist aber auch hier nicht einfach. Allerdings scheint es in den USA wirklich Appetit auf riskante, neue Ideen zu geben – dies ist in Europa eher selten der Fall.

Venture Capital im Silicon Valley zeichnet sich aus durch:

* Hohe Bewertungen auch schon in Series A (siehe unter anderem Pubmatic, Widgetbucks, Rubicon Project)

* Viele gute Teams – oft mit erstklassigen Erfahrungen (Google, Yahoo, etc.)

* VCs mit gutem Fundraising sammeln von institutionellen Investoren durchaus 200 bis 500 Millionen Dollar für einen Fund ein

* VCs haben Interesse einige wenige große ‘bets’ zu machen – auch im Early-Stage-Bereich

* Gesunder Early-Stage-Markt mit zahlreichen Investoren, aber sehr hohen Erwartungen an einen Exit

* Viele VCs bringen erstklassige Kontakte mit

* Sehr gutes Netzwerk im Silicon Valley zwischen Investoren verschiedener Stufen (Angels, VCs, Banken)

* IPOs sind selten aber Trade Sales mit sehr hohen Bewertungen möglich (Postini an Google)

* Viele Partner zeichnen sich durch exzellentes Branchenwissen und hohe Risikobereitschaft aus

* Neue Ideen mit hohem Marktpotenzial sind wichtiger als Rendite in den ersten 3 bis 4 Jahren

* Venture Capital misst sich an einer Renditeerwartung von circa 15 %

* Wachstum steht bei den Investoren vor Profitabilität

* Präferenz für Serial Entrepreneurs. Vorherige Pleiten sind dabei eher positiv als negativ

In Deutschland und Europa (außer UK) beobachte ich dagegen eher diese Eigenschaften:

* Deutlich geringere Bewertungen beim Investieren. Aber auch realistischere Erwartungen für einen Exit

* Investoren haben Probleme beim Fundraising. 20 bis 50 Millionen Euro sind schon ein Erfolg

* Institutionelle Investoren in VC-Funds sind nicht vorhanden

* Geringer Risikoappetit. ‘Safe bets’ sind wichtiger als einige wenige potenzielle Portfoliostars

* Rendite über 10 % ist oft als Erfolg zu werten

* Markt ist oft durch staatliche Subventionen beeinflusst und getrieben

* IPO möglich, Trade Sales oft mit geringerer Bewertung

* Präferenz für Branchenexperten als Gründer

* Profitabilität oft vor Wachstum, da VCs oft keine Anschlussrunde machen können und andere Investoren fehlen

* Außerhalb Londons ist die Szene sehr verstreut, es gibt kein Konzentrationseffekt

* Viele VCs haben sich komplett aus dem Early-Stage-Markt verabschiedet (z.B. 3i)

Natürlich gibt es zu jeder Regel Ausnahmen, es geht vielmehr um die grobe Ausrichtung. Ist es aber summa summarum einfacher in den USA Geld einzusammeln? Für große Ideen, die viel Geld brauchen und riskant sind, sind die USA der einzige Markt. Für politisch korrekte Ideen (Solartechnik, Wassertechnik, etc.) und weniger riskante Ideen sind Deutschland und Europa wesentlich besser.

Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?

Zur Person
Torsten Jacobi hat sich nach eigenen Aussagen bereits vor Jahren den “Entrepreneurship Bug” gefangen. Auf seiner Gründungsliste stehen newtron, der Blogservice 21Publish, das Blog-Netzwerk Creative Weblogging und die Meta-Reisesuchmaschine kinkaa. Daneben investiert er auch in fremde Ideen und sucht Leute für neue Konzepte. Wenn es seine Zeit zulässt, bloggt er unter www.tjacobi.com über Dinge, die ihn beschäftigen und interessieren.

Artikel zum Thema
* Geschichten aus dem Valley: Cloud Computing
* Geschichten aus dem Valley: Geht Yahoo unter?

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11 Kommentare »

1.

So – und diesen Beitrag stellen wir mal gegen die Bettlektüre in 4-Teilen von Frau Fee-Bayer. Was fällt auf ?

Richtig: Kurz knapp, wichtige Fakten zusammengefasst und kein Selbstmarketing Geschwafel.

Geht doch! Danke ds!

Rocca

Kommentar von RoccaToc — 01. Oktober 2008 @ 12:23

2.

Findest Du wirklich, dass die Szene in London stärker/besser vernetzt ist als z.B. in Berlin? Ich habe da gegenteiliges gehört.

Kommentar von Tobias Worzyk — 01. Oktober 2008 @ 13:42

3.

@2: Er spricht von Konzentration nicht von Netzwerk… wieviel VCs gibt es den in Berlin die 1m+ investieren? Wieviele in London?

Kommentar von Sack Reis — 01. Oktober 2008 @ 14:25

4.

Wird sich zeigen, wie sich die Finanzmarktkrise / Kreditkrise auswirkt.
Kann mir nicht vorstellen, dass die heile-Welt Darstellung die aktuelle Lage widerspiegelt.

Kommentar von TK — 01. Oktober 2008 @ 14:48

5.

@Sack Reis: I see, wenn er mit “Szene” die Investorenszene meint, geb ich Dir/ihm Recht. ;-)

Kommentar von Tobias Worzyk — 01. Oktober 2008 @ 15:02

6.

London ist definitiv besser vernetzt und die Summen, an die man kommen kann sind weitaus höher als in Berlin.

Kommentar von Maddin — 01. Oktober 2008 @ 15:19

7.

..naja, mit der Finanzkrise kann das sich in London noch ändern, da sieht es noch düsterer aus, als in Germany! Massenentlassungen, Stellenabbau, Immobilien Krise, das wird noch weitere Kreise in LON und UK ziehen! IMHO – Ex Londoner!

Kommentar von Thomas Schulze — 01. Oktober 2008 @ 17:32

8.

Kann dem oben stehenden auch aus dem Silicon Alley zu stimmen (bis auf das Thema Soloartechnik.). Die Summen, um die es sich in USA dreht, sind einfach komplett anders. Um noch einen dummen Spruch loszuwerden: Die letzte grosse Softwareschmiede aus D ist SAP, die in den Siebzigern gegruendet wurde.

Wer nicht Heimatgebunden ist und Geld fuer seine Firma braucht, sollte auf jeden Fall auch ueber den Teich oder weit gen Osten schauen, anstatt sich in D den doch recht “sparsamen” VCs unterzuordnen. Man schaue nur mal in der DS Jobboerse, die einiges Licht auf die VC gefoerderten Firmen wirft.

Kommentar von Webanalyticsbook — 01. Oktober 2008 @ 17:45

9.

Ich bezweifle, dass die Finanzkrise darauf Auswirkungen haben wird. Es handelt sich um strukturell unterschiedliche Finanzströme.

Kommentar von Mirko Riedel — 01. Oktober 2008 @ 18:59

10.

Ein sehr guter Beitrag, der den Kern trifft. Ich würde mir von den US-VCs etwas internationalere Ausrichtung wünschen, man ist dort leider noch zu sehr auf den Heimatmarkt fixiert.

Der Vertrauensverlust in der Finanzwelt trifft auch diesen Bereich, denn Banken mischen ja überall mit und wenn die Finanzströme gestört sind, wird es auch weniger Investments geben.

Kommentar von Markus Burgdorf — 01. Oktober 2008 @ 23:01

11.

> Es handelt sich um strukturell
> unterschiedliche Finanzströme.

??? Wieso das denn? Die VCs werden grosse Probleme bekommen, neues Kapital einzuwerben. Und damit kippen die Anschlussfinanzierungen. Das hatten wir doch alles schon mal.

Viele Grüsse vom Wannsee,

Sebastian

Kommentar von Sebastian (Internetszene.de) — 01. Oktober 2008 @ 23:20

3 Trackbacks »

  1. [...] Auch das Team von Deutsche-Startups.de hat sich dem Thema “Amerikanischer Venture Capital Markt” angenommen. Als Gastautor hat gestern Torsten Jacobi die Merkmale des amerikanischen VC-Marktes sehr schön zusammengefasst. [...]

    Pingback von Amerikanischer und deutscher Markt für Venture Capital | Seedfinance — 02. Oktober 2008 @ 10:48

  2. [...] zum Thema * Geschichten aus dem Valley: Venture Capital im Valley und in Deutschland * Geschichten aus dem Valley: Cloud Computing * Geschichten aus dem Valley: Geht Yahoo [...]

    Pingback von Geschichten aus dem Valley: Boom and Bust? :: deutsche-startups.de — 10. November 2008 @ 08:00

  3. [...] zum Thema * Geschichten aus dem Valley: Boom and Bust? * Geschichten aus dem Valley: Venture Capital im Valley und in Deutschland * Geschichten aus dem Valley: Cloud Computing * Geschichten aus dem Valley: Geht Yahoo [...]

    Pingback von Geschichten aus dem Valley: Ist Facebook das neue Google? :: deutsche-startups.de — 05. Dezember 2008 @ 18:02

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