#Interview

„Wir wollten unsere Entscheidungen selbst treffen“

Solago ist in wenigen Jahren zu einem der größten Photovoltaik-Anbieter in Deutschland gewachsen. Im Interview spricht Gründer Janik Nolden, über Bootstrapping, Profitabilität und die Lehren aus seinem ersten gescheiterten Startup.
„Wir wollten unsere Entscheidungen selbst treffen“
Montag, 31. August 2026VonAlexander

Das junge Unternehmen Solago, 2022 von Janik Nolden, Julian Dienst und Kevin Malek in Düsseldorf gegründet, setzt auf Balkonkraftwerke, Photovoltaikanlagen und weiteres Zubehör rund um die private Energiewende. Inzwischen beschäftigt die Jungfirma knapp 300 Mitarbeitende.

Für das laufende Jahr peilt Team rund 500 Millionen Euro Umsatz an – und das alles ohne Investoren. „In der Startup-Szene ist es oft normal und fast schon selbstverständlich, dass Unternehmen Verluste machen und regelmäßig neue Finanzierungsrunden brauchen. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass das kein nachhaltiger Weg ist, ein Unternehmen aufzubauen“, sagt Gründer Nolden

Im Interview mit deutsche-startups.de blickt der Solago-Macher auf die bewegte Geschichte des jungen Unternehmens zurück.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Solago erklären? 
Ich würde sagen: Wir helfen Menschen dabei, möglichst einfach und günstig ihre eigene Solaranlage zu bekommen, damit sie einen Teil ihres Stroms selbst produzieren können. Dafür verkaufen wir Solarkomponenten und fertig zusammengestellte Anlagen direkt online an unsere Kundinnen und Kunden. Im Grunde machen wir Photovoltaik einfacher, transparenter und bezahlbarer. 

War dies von Anfang an euer Konzept? 
Zu Beginn haben wir ausschließlich Balkonkraftwerke verkauft. Im Januar 2024 kam dann der Shop Solarhandel24.de hinzu. Seitdem vertreiben wir neben Balkonkraftwerken alles rund um Photovoltaik. Heute bieten wir sowohl einzelne Solarkomponenten als auch komplett konfigurierte PV-Anlagen sowie ergänzende Produkte wie Klimaanlagen, Heizstäbe und Wallboxen an. 

Wie hat sich Solago seit der Gründung?
Wir sind seit der Gründung stark gewachsen. In den vergangenen Jahren sind wir jedes Jahr in eine größere Lagerhalle umgezogen. Inzwischen beschäftigen wir knapp 300 Mitarbeitende, bewirtschaften rund 35.000 Quadratmeter Lagerfläche selbst und rechnen für 2026 mit einem Jahresumsatz von knapp 500 Millionen Euro. 

Vor solago hat Du heydrate aufgebaut uns bist gescheitert. Was war Dein größtes Learning auf diesem Misserfolg? 
Ich habe vor allem gelernt, wie wichtig es ist, ein profitables Unternehmen aufzubauen. In der Startup-Szene ist es oft normal und fast schon selbstverständlich, dass Unternehmen Verluste machen und regelmäßig neue Finanzierungsrunden brauchen. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass das kein nachhaltiger Weg ist, ein Unternehmen aufzubauen. Bei Solago haben wir deshalb von Anfang an stärker darauf geachtet, profitabel zu arbeiten und uns auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Wenn etwas nicht profitabel läuft, muss man es konsequent beenden. Dieser Fokus hat uns sehr geholfen. 

Wie ist nach dem heydrate-Flop die Idee zu Solago entstanden?
Ein Freund aus dem Abitur hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Markt für Balkonkraftwerke extrem stark wächst. Wir haben diese Marktchance dann mit unseren E-Commerce-Erfahrungen aus der heydrate-Zeit kombiniert. So ist die Idee zu Solago entstanden. 

Du hast Solago bisher ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber aufgebaut. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung?
Ja, das war eine bewusste Entscheidung. Wir wollten unsere Entscheidungen selbst treffen und dadurch auch Speed aufbauen und dynamisch auf Veränderungen reagieren können. Außerdem war es für uns wichtig, dass wir das Unternehmen wirklich für uns selbst aufbauen. Das hat uns zusätzlich motiviert und geholfen, von Anfang an richtig Gas zu geben. 

Was rätst du anderen Gründer:innen, die sich für Bootstrapping entscheiden? 
Man muss sich darauf einstellen, am Anfang sehr viele Aufgaben selbst zu übernehmen. Außerdem reagiert man beim Bootstrapping tendenziell eher zu spät als zu früh, zum Beispiel bei Neueinstellungen, neuen Lagerflächen oder größeren Büros. Man kann nicht immer schon im Vorfeld hohe Risiken eingehen, wenn das Kapital begrenzt ist. Trotzdem würde ich anderen Gründerinnen und Gründern raten, so früh wie möglich gute Leute einzustellen und klare Strukturen zu schaffen, auch wenn das zunächst ein finanzielles Investment ist. Wir haben das rückblickend an manchen Stellen zu spät gemacht. 

Wo steht Solago in einem Jahr? 
In einem Jahr wird Solago noch breiter rund um Solaranlagen und ergänzende Produkte aufgestellt sein. Außerdem möchten wir internationale Märkte wie Belgien, die Niederlande und Österreich stärker ins Visier nehmen. Wir sehen im Solarmarkt weiterhin ein riesiges Potenzial. Unser Ziel bleibt es, Kundinnen und Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, weil unser Konzept für sie einfach sinnvoll ist.

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Foto (oben): Solago

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.