#Interview

„Die nächsten Unicorns entstehen genau jetzt“

"Cybersicherheit ist das Nervensystem der digitalen Wirtschaft", sagt Giovanni Canetta Roeder, Gründer des Geldgebers Planven. "Europa hat alles, was es braucht, um global mitzuspielen - was oft fehlt, ist einfach Kapital mit Überzeugung", führt er aus.
„Die nächsten Unicorns entstehen genau jetzt“
Mittwoch, 21. Januar 2026VonAlexander

Der Zürcher Investor Planven steht extrem auf B2B-Themen! „Als VC mit über 300 Millionen US-Dollar AUM wollen wir europäische Technologie auf die Weltbühne bringen“, sagt Giovanni Canetta Roeder, Founder und Managing Partner des Geldgebers.

Das Planven-Team steht insbesondere auf Themen wie Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz, HealthTech und vertikale SaaS-Lösungen. „Unsere Mission ist einfach: globale Tech-Champions, made in Europe“, sagt Roeder.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Investor einmal ausführlich über das Trendthema Cybersecurity.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Planven erklären?
Als VC mit über 300 Millionen US-Dollar AUM wollen wir europäische Technologie auf die Weltbühne bringen. Mit Hauptsitz in Zürich sind wir auf B2B-Software spezialisiert – mit Schwerpunkten in Cybersicherheit, Künstlicher Intelligenz, Healthtech und vertikalen SaaS-Lösungen. Unsere Mission ist einfach: globale Tech-Champions, made in Europe. Ein gutes Beispiel ist Nozomi Networks, hier waren wir der erste und größte Investor. Das Unternehmen wurde dieses Jahr für eine Milliarde Dollar von Mitsubishi Electric übernommen – einer der größten Exits im europäischen Cybersecurity-Sektor überhaupt. Zu unserem Portfolio gehören auch Via Transportation (IPO bei vier Milliarden Dollar), sowie wachstumsstarke Deeptech- und B2B-SaaS-Player wie Blue Voyant und Ibex. Europa hat alles, was es braucht, um global mitzuspielen – was oft fehlt, ist einfach Kapital mit Überzeugung und langfristiger Perspektive.

Warum setzt Ihr gerade auf Cybersecurity?
Weil Cybersicherheit das Nervensystem der digitalen Wirtschaft ist. Heute ist jedes Unternehmen ein Tech-Unternehmen – und damit auch ein potenzielles Ziel. Wir haben früh erkannt, dass Cybersecurity nicht einfach IT-Hygiene ist, sondern zur kritischen Infrastruktur wird. Deshalb haben wir Firmen wie Nozomi Networks schon unterstützt, als sie noch ein kleines swiss-italian Startup waren. Und: Cybersicherheit ist eine europäische Stärke. Wir haben klare Regulierung, reife Unternehmenskulturen und exzellente technische Expertise. Unser Netzwerk reicht von CISOs großer Firmen wie Logitech, MSC Cruises und Johnson Matthey bis hin zu Beratern wie dem ehemaligen Direktor des Mossad und Gründer von XM Cyber. Das verschafft unseren Portfoliofirmen einen echten Wettbewerbsvorteil.

Hinkt Europa beim Thema Cybersecurity – wie oft gesagt – tatsächlich noch hinterher?
Diese Wahrnehmung ist längst überholt. Europa hat heute erstklassige Ingenieure, hervorragende Forschungseinrichtungen und Founder mit internationaler Perspektive. Was häufig fehlt, sind Investoren, die Deeptech wirklich verstehen – und wissen, wie man globale Go-to-Market-Strategien aufbaut. Und genau hier setzen wir an. Unser Team kommt aus Investmentbanking, Private Equity und Führungsrollen in globalen Tech-Unternehmen. Wir kombinieren finanzielle Disziplin mit Unternehmergeist. Europa muss nicht das Silicon Valley kopieren. Wir müssen strategisch, international und langfristig denken – dann gewinnen wir.

Was rätst Du europäischen Gründerinnen und Gründern im Bereich Cybersecurity und B2B-SaaS?
Erstens: Denkt global ab Tag eins. Baut nicht für eine Region – baut für die Welt.
Zweitens: Umgebt euch mit Menschen, die Dinge voranbringen. Am Ende zählt nicht, was auf dem Whiteboard steht, sondern was ihr umsetzt. Und drittens: Vertrauen ist entscheidend. In der Cybersicherheit ist Glaubwürdigkeit euer größtes Kapital. Und noch ein Punkt: Geduld. Die größten Erfolge entstehen nicht aus Hype, sondern aus langfristiger Überzeugung.

Du hast in Investmentbanking, Industrie und Wissenschaft gearbeitet. Wie prägt das deine VC-Strategie?
Am Ende geht es darum, Muster zu erkennen – und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Meine Jahre im Investmentbanking haben mich darin geschult, präzise zu arbeiten. Die Leitung eines Industrieunternehmens mit 500 Millionen US-Dollar Umsatz hat mir gezeigt, was es heißt, Verantwortung zu tragen und Dinge wirklich umzusetzen. Und aus der Wissenschaft – insbesondere aus der Spieltheorie – habe ich gelernt, strategisch zu denken, auch wenn nicht alle Variablen direkt greifbar sind. Venture Capital vereint all das. Es braucht Verständnis für Zahlen, Daten und Fakten, Intuition und gutes Timing. Bei Planven geht es uns nicht um kurzfristige Trends, sondern um Technologien, die langfristig Bestand haben und neue Maßstäbe setzen.

Was steht als Nächstes bei Planven und in Europas Tech-Szene an?
Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Blütephase für europäisches Venture Capital – insbesondere in den Bereichen Cybersicherheit, Healthtech und angewandte KI. Mit Planven wollen wir weiterhin Gründerinnen und Gründer unterstützen, die tiefes technologisches Know-how mit echter globaler Ambition verbinden. Die nächsten europäischen Unicorns entstehen genau jetzt – durch Fokus, Disziplin und langfristige Vision. Unsere Aufgabe als Investoren ist es, dafür zu sorgen, dass diese Gründer in Europa bleiben, um von hier aus globale Champions aufzubauen.

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Foto (oben): Planven

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.