#Interview

„Ich erwarte keinen grundlegenden Stimmungswechsel“

"Ich nehme aktuell weder übertriebenen Optimismus noch übertriebenen Pessimismus wahr. Insgesamt wirkt der Markt deutlich rationaler als noch vor einigen Jahren", sagt Bernd Klosterkemper von Ananda Impact Ventures zur aktuellen Investmentsituation in Deutschland
„Ich erwarte keinen grundlegenden Stimmungswechsel“
Montag, 10. August 2026VonAlexander

Der Münchner Early-Stage-Investor Ananda Impact Ventures verkündete zuletzt das First Closing seines fünften Fonds (73 Millionen Euro). Der Geldgeber, 2009 von Johannes Weber und Florian Erber gegründet, investiert in „visionäre Gründer:innen, die skalierbare Lösungen in Bereichen wie Klima, Gesundheit, Biodiversität und soziale Inklusion entwickeln“.

In den vergangenen Jahren investierte Ananda in rund 50 aufstrebende Unternehmen – darunter Jua, Differential Bio, Klim, Ovom, Quantistry, Resourcify und OroraTech. Initial investiert Ananda zwischen 1,5 und 3,5 Millionen. Insgesamt verwaltet das Ananda-Team derzeit 270 Millionen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Ananda-Partner Bernd Klosterkemper einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Ananda erklären?
Ananda investiert in Gründerinnen und Gründer, die die größten Herausforderungen unserer Zeit mit herausragenden Technologien lösen wollen, – von der Früherkennung von Waldbränden aus dem All über den Schutz der Biodiversität bis hin zur Entwicklung neuer Therapien und Materialien. Wir stellen Kapital bereit, begleiten Unternehmen aber vor allem über viele Jahre beim Aufbau. Wir glauben, dass dort, wo der gesellschaftliche Impact am größten ist, häufig auch das Potenzial für die wertvollsten Unternehmen entsteht. Deshalb interessieren Gründerteams, die Lösungen für Probleme entwickeln, die für die Menschheit wirklich relevant sind.
 
Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
Ich nehme aktuell weder übertriebenen Optimismus noch übertriebenen Pessimismus wahr. Insgesamt wirkt der Markt deutlich rationaler als noch vor einigen Jahren. Ausnahmen gibt es natürlich rund um einzelne Themen, das hat es im VC aber schon immer gegeben. Deutschland verfügt über starke Forschung, exzellente Universitäten und ambitionierte Gründerteams. Die größere Herausforderung liegt aus meiner Sicht weiterhin in der Skalierung. Europa bringt außergewöhnliche Technologien und Talente hervor. Zu oft findet die größte Wertschöpfung aber erst außerhalb Europas statt.
 
Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Ich erwarte keinen grundlegenden Stimmungswechsel. Natürlich kann geopolitisch jederzeit etwas passieren, das kurz- oder langfristig Einfluss auf die Märkte hat. Unabhängig davon werden erfolgreiche Unternehmen aber weiterhin vor allem durch ihre Fähigkeit entstehen, echte Probleme besser zu lösen als alle anderen. AI ändert daran nichts, sondern im Gegenteil: Noch nie konnten Gründer so schnell auf so leistungsfähige Technologien zugreifen. Das wird Innovation massiv beschleunigen. Gleichzeitig bedeutet das auch: Technologische Vorteile werden schneller vergänglich. Umso wichtiger wird die Frage, welche fundamentale Herausforderung ein Unternehmen dauerhaft löst. Deshalb starten wir mit unseren Investments bei Ananda immer beim Problem – nicht bei der Technologie.
 
Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Fundraising ist wie Sales. Definiert zuerst euer „Ideal Investor Profile“. Je besser ihr versteht, welche Fonds wirklich zu eurer Phase, eurem Geschäftsmodell und eurer Ambition passen, desto effizienter wird der gesamte Prozess. Und ihr schlagt gleich ganz anders bei den wirklich relevanten Investoren auf.
Und wie im Vertrieb gilt auch hier: Eine gut gepflegte Pipeline schlägt blinden Aktionismus. Die erfolgreichsten Fundraising-Prozesse beginnen lange vor der eigentlichen Finanzierungsrunde. Baut den Kontakt zu den spannenden Investoren auf, wenn ihr noch keine Kohle braucht.
 
Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Mich begeistern Unternehmen, die ganze Industrien verändern wollen und dadurch langfristige Wettbewerbsvorteile aufbauen. Impact ist für uns kein Zielkonflikt – er ist häufig ein Indikator für langfristige Value Generation. Für mich stehen OroraTech und Pheiron exemplarisch für diesen Ansatz, aber auch zum Beispiel Differential Bio oder Jua. Sie alle kombinieren herausragende Technologie mit wissenschaftlicher Exzellenz und dem Anspruch, ein wirklich großes Problem zu lösen. Von denen werden wir noch viel hören glaube ich.

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Foto (oben): Ananda

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.