#Interview

“Ich bin froh, nicht zu viel im Voraus über das Gründen gewusst zu haben”

Gründeralltag - gibt es das überhaupt? "Die größte Hürde zur Gründung war, den Mut zur Gründung zu finden und das vertraute, sichere Umfeld zu verlassen", resümiert Andreas Fruth von der Global Savings Group.
“Ich bin froh, nicht zu viel im Voraus über das Gründen gewusst zu haben”
Freitag, 2. Februar 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Andreas Fruth, Gründer der Global Savings Group (GSG), einem Schäppchendienstleister aus München.

Wie startest du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Aufstehen zwischen 5:00 und 5:30, gefolgt von einer Stunde Laptop-Arbeit. Danach wecke ich meine Kinder, bringe sie zur Schule/Kita und versuche etwas Sport einzuschieben. Nach meiner Rückkehr geht’s zurück an den Laptop/ins Büro/in Calls und der Tag fängt richtig an.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Das Abschalten nach der Arbeit fällt mir tatsächlich relativ einfach: Ich lenke meine Gedanken auf andere Dinge und kann sehr schnell umschalten. Die Familie hilft dabei natürlich sehr, da insbesondere auch bei meinen Kindern die Firma (noch) keine wirkliche Rolle spielt.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich bin froh, nicht zu viel im Voraus über das Gründen gewusst zu haben. Das hat es mir erlaubt, einfach anzufangen und Herausforderungen unterwegs zu lösen, ohne mir zu viele Gedanken zu machen. Ich würde es jedoch Stand heute für sehr hilfreich halten, den Bereich, in dem man gründet, gut zu kennen oder entsprechende Expertise zumindest im Gründerteam zu haben. Das verkürzt viele Prozesse, erleichtert spezifische Entscheidungen und kann zu deutlich schnellerem Product-Market-Fit beitragen.

Was waren die größten Hürden, die du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Die größte Hürde zur Gründung war, den Mut zur Gründung zu finden und das vertraute, sichere Umfeld zu verlassen.

Was waren die größten Fehler, die du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Einer meiner weitreichendsten Fehler war vermutlich, ein Unternehmen ohne einen soliden Produkt-Market-Fit basierend auf (zu viel) Venture Capital zu früh international zu skalieren. Weiterer schmerzhafte Fehler waren auch Neueinstellungen auf Positionen, deren Ziele und Aufgaben ich zum Zeitpunkt der Einstellung einer neuen Mitarbeiterin/eines neuen Mitarbeiters nicht ausreichend klar verstanden hatte. Die Lehre daraus: Für unbekannte Themen in der Organisation erst ein ausreichend tiefes Verständnis für die Ziele und Aufgaben aufbauen – das macht den Prozess zwar zunächst langsamer aber in 80% der Fälle kommt man dennoch schneller zum gewünschten Ziel.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Wichtig ist ein starker Reach über Employer Branding und Tools, um Bewerberinteresse zu generieren. Ein starkes Recruiting-Team und ein guter Bewerbungsprozess sind entscheidend, um die richtigen Fähigkeiten, Einstellungen und je nach Rolle auch Erfahrungen zu identifizieren.

Welchen Tipp hast du für andere Gründer:innen?
Einfach anfangen. Ein guter Zeitpunkt dafür ist entweder früh (nach Schule/Studium) oder auch später in der Karriere (z.B. nach Familiengründung), dazwischen kann es manchmal eine große Herausforderung sein.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Gmail/Google Product Suite und Slack sind für unser Startup unverzichtbar.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir setzen auf spannende Aufgaben und erfüllende Jobs, gute Teams mit starken Führungskräften und achten darauf, die Grundlagen richtig zu machen: Arbeitsplatz, Zusatzleistungen und Gehälter.

Was war dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Als Teil des Day1-Teams, welches Lazada in Südostasien aufgebaut hat, war es eine wilde Reise. Innerhalb von 10 Wochen waren wir das größte E-Commerce-Unternehmen in Vietnam mit 250 Mitarbeitern – in einem Land ohne echte Infrastruktur für E-Commerce, ohne professionelle Logistik Provider oder Erfahrung mit Online Payment.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Global Savings Group