#Gastbeitrag

Ach spannend, erzähl doch mal mehr!

Ganz gleich, ob Start-up-Gründer:innen, Firmennachfolger:innen, Selbstständige oder Young Professionals: Das Bild, das wir in der Öffentlichkeit zeichnen, ist entscheidend für unseren Erfolg. Ein Auszug aus dem Buch Light your Fire! von Tilo Bonow.
Ach spannend, erzähl doch mal mehr!
Freitag, 30. April 2021VonTeam

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich bei meinem ersten Vortrag zum Thema “Personal Branding” meine Zuhörer gefragt habe, wofür sie stehen. Da meldete sich eine Frau aus der ersten Reihe und sagte: “Ja, also: Musik! Das ist mein Leben, aktuell nur als Hobby, aber das würde ich gern zu meinem Beruf machen.” Dieser immerhin euphorische Wortbeitrag ließ mich (und vermutlich auch einen Großteil des Publikums) etwas ratlos zurück. Musik also. Welche Musik? Musik ist ein beinahe unendlich großes Gebiet mit beinahe unendlich vielen speziellen Feldern.

Die Aussage, du interessierst dich für Musik, kommt einer Nullaussage gleich. Wenn du dagegen etwas Spezielles sagst wie: “Mein Fachgebiet ist frühbarocke Musik aus dem Jahrhundert vor Bach” oder “Ich interessiere mich für experimentelle Elektronik-Kompositionen von Avantgardemusikern aus dem Iran”, dann positionierst du dich klar. Natürlich wird nicht unbedingt jedes dieser Felder viele Menschen interessieren. Aber mit einer solch konkreten und spitzen Formulierung deutest du an, dass du dich auf diesem speziellen Feld wirklich gut auskennst. Wer dich das sagen hört und sich ebenfalls dafür interessiert, der wird dich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kontaktieren.

Und selbst Menschen, denen dein Spezialgebiet nichts sagt, werden dich sofort Dreidimensionaler vor Augen haben und sich mehr für dich interessieren. Dann bekommst du eine Antwort, mit der du weiterkommst: “Ach spannend, erzähl doch mal mehr!” Weil du offensichtlich tief in einem speziellen Fachgebiet steckst. Also vermutlich ein interessanter Gesprächspartner bist. Anderen Menschen Anknüpfungspunkte bieten: Das ist ganz grundsätzlich das wichtigste Ziel, das du über eine klare, kredible, konsistente und kontinuierlich gepflegte Personal Brand erreichen kannst.

Was aber daraus dann für dich persönlich folgt, das ist offen. Denn es gibt nicht DAS eine Ziel von Personal Branding. Jeder und jede, der oder die in dieses Thema einsteigt, wird ein anderes Ziel im Sinn haben. Die eine will ihre Karriere voranbringen, mehr Job Opportunities bekommen, Chefin werden. Der andere will Personal Branding als Unterstützung im Verkauf einsetzen oder gezielt in Medien präsent sein, um neue Kunden anzusprechen. Ein Dritter hat vielleicht politische Ambitionen auf seiner persönlichen Agenda und ein Vierter möchte eine private Leidenschaft wie Fußball oder einen anderen Vereinssport voranbringen. Insgesamt denkt sich Personal Branding vom Ziel her. Mehr Geschäft? Mehr Publicity? Mehr Jobchancen? Alles legitim und vor allem auch machbar. Aber wenn du dein Ziel definiert hast, dann geht es erst los. Und weil Personal Branding für die unterschiedlichsten Ziele einsetzbar ist, eignet es sich auch für die unterschiedlichsten Anwendergruppen. Ich konzentriere mich in diesem Buch zwar auf Zukunftsmacher. Aber fast jeder Mensch kann von gut gemachtem Personal Branding profitieren.

Das Unternehmen hat die Möglichkeit, sich und sein gesamtes mittleres und höheres Management damit zu positionieren. Du als Unternehmenslenker stehst dann in der Wahrnehmung deiner Community für bestimmte Arbeitsansätze, Qualifikationen und Werte. Auf diese Weise kann dein Unternehmen die Aufmerksamkeit von passenden High Potentials erregen, die sich von ebendieser Positionierung angesprochen fühlen. Du stehst für nachhaltige und Ressourcen schonende Produktion? Du bist die Frau für das dynamische Wachstum in einer aufstrebenden Branche? Du bist der Richtige, unter dessen Führung sich hochinnovative Technologien in Produkte umsetzen lassen? Dann wirst du über deine entsprechend ausgerichtete Personal Brand hoch qualifizierte Nachwuchskräfte anziehen. Employer Branding ist nicht die einzige Möglichkeit, wie Manager:innen von der mittleren Führungsebene bis zum CEO Personal Branding für sich nutzen können. Als Führungskraft stehst du mit einer gut geführten Personal Brand als ganze Person vor deinen Kund:innen wie auch vor deinen Mitarbeiter:innen. So zeigst du nach innen, dass du für modernes Leadership stehst: Du teilst deine Erfahrungen, bist ansprechbar, offen und aufmerksam gegenüber deinen Mitarbeiter:innen, involvierst sie und delegierst Kompetenzen. Und nach außen tauchst du nicht mehr nur als Zitatgeber und Zahlenverkünder für die Statements deiner Pressestelle auf und veröffentlichst vielleicht mal ein steifes Stock-Foto- Porträt. Stattdessen nimmt man dich über Postings, Debatten und gut ge- machte Selfies als lebendiges Wesen aus Fleisch und Blut (und auch mal mit Fehlern) wahr. Kunden, Zulieferer oder Journalisten können erkennen, wer du bist, wofür du stehst, wohin du willst. Und weil du zeigst, dass du offen für Diskussionen bist, kannst du direkt von deinen Stakeholdern wertvolles Feedback einheimsen.

Ganz besonders eignet sich Personal Branding für eine greifbare und klare Positionierung von CEOs. Sehr schön sehen ließ sich das an Josef “Joe” Kaeser, der zu seiner Zeit auf der Kapitänsbrücke des Riesentankers Siemens gern twitterte, auch zu allgemeinpolitischen und gesellschaftlichen Themen. So konnte er zeigen, dass er sich der gesellschaftlichen Verantwortung eines Industrielenkers stellte. Oder der ehemalige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der die etwas verstaubte Automarke ebenfalls über Twitter in modernerem Licht erscheinen ließ – und über den Kurznachrichtendienst sogar seinen Nachfolger vorstellte. Starke Persönlichkeitsmarken werden zum Gesicht ihres Unternehmens und verkörpern damit die Corporate Identity. Die Leute nehmen sie als glaubwürdige Vorbilder wahr, die ihren Worten Taten folgen lassen. So kann beispielsweise ein Stromkonzern-Chef, den man auch persönlich mit dem Umstieg auf grüne Energiequellen verbindet, entsprechende Produkte seines Unternehmens sehr viel glaubwürdiger präsentieren. Das fügt Konzernen immensen Wert hinzu. Die CEOs der großen US-amerikanischen Techkonzerne etwa können mit einem Satz den Börsenwert ihres Unter- nehmens um viele Millionen US-Dollar in die Höhe treiben.

Du hast ein Start-up gegründet oder möchtest demnächst eins ins Leben rufen? Dann musst du ziemlich sicher Investor:innen und sonstige Geldgeber von deinem Geschäftsmodell überzeugen. Dafür wollen sie deine Geschichte hören: Welches Problem löst du für deine Kunden, und warum wirst du dabei effizienter und besser sein als deine Wettbewerber? Aber auch: Wer bist du als Gründer oder Gründerin, welchen Background hast du, wofür stehst du? Da sind der Gründer oder die Gründerin, der oder die als Expert:innen durch die Medien und über die digitalen Plattformen ziehen, elementar im Vorteil. Denn natürlich hast du ein sehr viel besseres Standing, wenn die Investor:innen deine Personenmarke schon aus Onlinemedien oder der Presse kennen. Die Personal Brand erzählt ja schon deine Geschichte und zeigt, dass du die Expertise für dein Projekt mitbringst. Ganz ähnlich sieht es aus, wenn dein Start-up loslegt und du als Entrepreneur:in dein Team aufbaust: Die Entwickler:innen für Blockchain-Algorithmen oder Spezialist:innen für Sustainable-Supply- Chain-Management, die du suchst, werden dich selber finden, wenn deine Personal Brand klar im (digitalen) Raum steht.

Light your Fire!

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch “Light your Fire!: Personal Branding für Macher:innen und Visionär:innen” von Tilo Bonow. Ganz gleich, ob Start-up-Gründer:innen, Firmennachfolger:innen, Selbstständige oder Young Professionals: Das Bild, das wir in der Öffentlichkeit zeichnen, ist entscheidend für unseren Erfolg. Denn unser Auftreten und unsere Handlungen nehmen direkten Einfluss auf unsere eigene Marke – selbst wenn wir untätig bleiben. Es ist daher umso wichtiger, das eigene Image nicht dem Zufall zu überlassen, sondern es aktiv mitzugestalten, um langfristig eine Marke aufzubauen, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Aber wie werden wir zu Marken? Was macht uns einzigartig und unverwechselbar? In “Light your Fire!” illustriert Tilo Bonow anschaulich, wie die eigene Personal Brand sukzessive aufgebaut und weiterent- wickelt wird.

Tilo Bonow: “Light your Fire!: Personal Branding für Macher:innen und Visionär:innen”, BusinessVillage, 256 Seiten, 29,95 Euro.
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Über den Autor
Tilo Bonow ist erfolgreicher Unternehmer, Investor, Kommunikationsexperte und Keynote Speaker. Als Gründer und CEO von PIABO PR unterstützt er seit 2006 Zukunftsmacher:innen mit globalen Ambitionen dabei, ihnen und ihren Geschichten die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen und die es braucht, um die Unternehmungen zum Erfolg zu führen. PIABO PR ist der führende europäische Full-Service Kommunikationspartner der Digitalwirtschaft mit Sitz in Berlin. Für die Kunden aus den Bereichen E-Commerce, Traveltech, Fintech, Foodtech, HR-Tech, Healthtech, Blockchain, Consumer Electronics, IoT, Artificial Intelligence, AR/VR, Security, Big Data, SaaS/Cloud und Greentech erzielt er mit seinem Team international herausragende Medienpräsenzen. Das Leistungsspektrum seines multidisziplinären Beratungsteams umfasst Public Relations und Social Media sowie Content Marketing und Influencer Programs. Zu den Kunden von PIABO PR zählen Tech-Schwergewichte wie Stripe, GitHub, Samsung oder Shopify und Investoren wie die Silicon Valley Bank oder europäische Champions wie Momox, Cowboy sowie Withings.

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Foto (oben): Shutterstock