#Interview So trainiert sich der Urban Sports Club durch die Corona-Krise

Der Urban Sports Club setzt jetzt massiv auf Online-Kurse. "Natürlich handelt es sich um ein anderes Produkt als unser bisheriges. Gleichzeitig bietet das Produkt auch viele Vorteile", sagt Moritz Kreppel. Gründer des Flaterate-Anbieters Urban Sports Club.
So trainiert sich der Urban Sports Club durch die Corona-Krise

Beim Berliner Startup Urban Sports Club, einem millonenschwerer Anbieter für Sportflatrates, legte die Corona-Krise das gesamte bisherige Geschäftsmodell auf Eis. “Alle unsere Partner-Standorte in unseren zehn europäischen Ländern sind vorübergehend geschlossen. Von Fitness- und Yogastudios über Spas, Kletterhallen bis hin zu Surfschulen”, sagt Mitgründer Moritz Kreppel. Stattdessen setzt das Startup, das gerade noch einmal Geld einsammeln konnte, nun auf Online-Kurse. “Wir bekommen von Partnern als auch von den Mitgliedern sehr positives Feedback. Es gibt sogar Einzelfälle von Studios, die recht neu bei uns im Netzwerk sind und ihre Umsätze mit dem Online-Kursen per Livestream jetzt schon um 30 % steigern konnten. Denn dadurch bieten wir unseren Partnern eine weitere Plattform und erschließen für sie eine noch größere Zielgruppe”, führt Kreppel weiter aus. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Urban Sports Club-Macher außerdem über Leidenschaft, Verkehrsanbindungen und Solidarität.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr beim Urban Sports Club die Auswirkungen?
Alle unsere Partner-Standorte in unseren zehn europäischen Ländern sind vorübergehend geschlossen. Von Fitness- und Yogastudios über Spas, Kletterhallen bis hin zu Surfschulen. Es geht jetzt darum, die Verbreitung von COVID-19 zu verlangsamen: Das hat natürlich Auswirkungen für uns und die gesamte Sport-, Fitness- und Wellness-Branche.

Wie habt ihr darauf reagiert?
Als klar wurde, was die Ausbreitung des Corona-Virus bedeutet und die Regierungen in Europa nach und nach die temporäre Schließung der Partnerstandorte bekannt gaben, haben wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, sofort zu pausieren. So ein proaktives Angebot haben nicht viele gemacht und wir hatten sehr viele dankbare Rückmeldungen. Gleichzeitig mussten wir sehr schnell sein und haben innerhalb von zwei Tagen die ersten Online-Kurse per Livestream aus den Studios für unsere Mitglieder bereitgestellt. Etwa die Hälfte unserer Mitglieder – vor allem in Deutschland und insbesondere in Berlin – ist noch aktiv und trainiert jetzt zu Hause. Wir rufen unsere Mitgliedern zu Solidarität mit den Studios, Trainern und Trainerinnen auf. Denn wenn sie ihre Mitgliedschaft aktiv halten oder wieder aktivieren, unterstützen sie mit ihren Beiträgen die Partner, die jetzt geschlossen sind. Die Studios haben über die Check-ins unserer Mitglieder jetzt direkt wieder Einkünfte. 20 % der Mitgliedsbeiträge, die wir noch bekommen, nutzen wir für den Ausbau des Online-Produkts, für laufende Kosten und unser Team. Die restlichen 80 % der Mitgliedsbeiträge gehen an unsere Partner. Wir zahlen zuerst die Checkins, d. h. die Besuche der neuen Live-Kurse aus. Die Summe, die dann noch übrig ist, zahlen wir an alle Partner aus. Hier ist die Check-in-Historie der letzten sechs Monate die Grundlage für die Anteile und Verteilung. Damit unterstützen wir auch Partner, die keine Livestreaming-Kurse durchführen können, z.B. Kletterhallen und Massagestudios.

Euer Konzept fand bisher komplett in der Offline-Welt statt. Können da Online-Kurse überhaupt funktionieren?
Um die Frage direkt zu beantworten, beginne ich mit ein paar Zahlen. Stand heute und täglich wachsend. Zwischen der Einführung am 17. März und dem 7. April, d h. in drei Wochen, haben wir über unser Online-Angebot über 18.150 Online-Kurse per Livestream von den Partnern angeboten. Die meisten dafür bisher in Deutschland und vor allem Berlin, da die Mitglieder einerseits ihren Studios vor Ort sehr treu sind und andererseits auch sehr testfreudig sind. Sie haben sich schnell an die neue Situation angepasst und das das neue Online-Angebot direkt angenommen.

Was genau bietet ihr euren Mitgliedern denn derzeit an?
Momentan gibt es tausende von Livestream-Kurse mit ca. 25 verschiedenen Sportarten. Die Zahl wächst täglich. Es machen europaweit über 880 verschiedene Partnerstandorte mit und täglich kommen neue Partner mit weiteren Livestream-Kurse dazu. Die Zahlen werden in wenigen Tagen schon veraltet und wesentlich höher sein. Natürlich handelt es sich um ein anderes Produkt als unser bisheriges. Ein Online-Kurs wird die direkte Betreuung vor Ort, die Energie und die Community, die bei einem gemeinsamen Training entstehen, nie ganz ersetzen. Gleichzeitig bietet das Produkt auch viele Vorteile: Ich kann ein Workout oder eine Yoga-Session bei kompetenten Trainerinnen und Trainern machen, die ich schon kenne und denen ich vertraue. Ich kann mich fit halten, ohne meine Wohnung zu verlassen. Ich finde aber auch zu jeder Zeit einen Kurs und kann jeden Tag etwas anderes ausprobieren – auch in anderen Städten in Deutschland oder Europa. Das spricht auch außerhalb von Krisenzeiten eine Zielgruppe an, der manchmal die Zeit für einen Studiobesuch fehlt oder die aufgrund von räumlichen Distanzen oder schlechten Verkehrsanbindungen nicht an einem Workout teilnehmen kann. Das neue digitale Angebot wurde innerhalb der letzten drei Wochen ständig weiterentwickelt und wächst.

Wollt ihr dieses Konzept auch weiterverfolgen, wenn die Corona-Krise vorbei ist?
Sobald die Partnerstandorte wieder öffnen dürfen, wird es beides geben: Das Training vor Ort und Online-Kurse. Wir bekommen von Partnern als auch von den Mitgliedern sehr positives Feedback. Es gibt sogar Einzelfälle von Studios, die recht neu bei uns im Netzwerk sind und ihre Umsätze mit dem Online-Kursen per Livestream jetzt schon um 30 % steigern konnten. Denn dadurch bieten wir unseren Partnern eine weitere Plattform und erschließen für sie eine noch größere Zielgruppe. Mitgliedern ermöglichen wir noch mehr Flexibilität und ein breiteres Angebot. Wir lernen alle gemeinsam und machen ganz neue Erfahrungen: Die Mitglieder haben jetzt mehr Zeit, checken insgesamt zu mehr Kursen ein haben weniger Hemmungen, zu Hause ohne Beobachtung etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht entdeckt jetzt gerade jemand im Schutz seiner vier Wände die ungeahnte Leidenschaft für Pilates oder HIIT.

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für den Urban Sports Club?
Momentan lassen sich die Auswirkungen nicht klar definieren, da wir noch nicht wissen, wie lange die Schließung der Sport- und Fitnessstudios andauert und welche Folgen uns als Gesellschaft erwarten. Wir können nur sagen, dass wir 95 % unseres Teams halten konnten und dass wir alles daran setzen, um unsere Live-Kurse mit Yoga, Meditation und Fitness etc. für unsere Mitglieder und Partner zu erweitern. Wir sehen es als Chance, das Online-Produkt aufzubauen, das wir vorher schon so lange umsetzen wollten. Und jetzt ist der Zeitpunkt da. Wir passen uns an und machen etwas daraus.

Wie genau bereitet ihr euch sonst auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor?
Wir haben immer Pläne. Wir freuen uns vor allem auf die Wiedereröffnung der Standorte und darauf, mit unseren Partnern unser klassisches Offline-Produkt in Kombination mit den neuen Online-Kursen weiter zu entwickeln. Wir sind sehr agil und passen uns der Situation an. Momentan stehen für uns drei Dinge im Vordergrund: Die Solidarität mit unseren Partnern, unser Team und dass unsere Mitglieder mit ihrem Training aktiv und glücklich sind. Es geht uns darum, dass sich alle fit und gesund halten können, bis wir uns wieder überall unbeschwert und frei bewegen können.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.