#Interview “Kapital gibt es genug und ist relativ einfach zu finden”

Das Münchner Startup hotelbird sammelte in den vergangenen Jahren mehr als 5 Millionen Euro ein. "Mittlerweile beschäftigen wir insgesamt 34 Mitarbeiter. Monetär konnten wir unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln", sagt Gründer Juan Sanmiguel.
“Kapital gibt es genug und ist relativ einfach zu finden”

Seit 2015 kümmern sich Korbinian Hackl und Juan Sanmiguel mit hotelbird um die Digitalisierung der Hotel-Welt. Das Münchner Startup positioniert sich dabei als Technologieplattform, die wiederkehrende Aufgaben und Abläufe an Hotelrezeptionen abbildet. Auf diesem Wege sollen die Hotel-Mitarbeiter entlastet werden. “Mittlerweile sind wir Marktführer und konnten große namhafte Hotelketten wie Lindner Hotels, Leonardo Hotels, GSH Hotels, Deutsche Hospitality, H-Hotels oder NOVUM Hospitality für unsere Technologie begeistern”, sagt Mitgründer Sanmiguel zum Stand der Dinge bei hotelbird.

Ende des vergangenen Jahres investierten Apeiron, die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft, BitStone Capital und HANNOVER Finanz 3,5 Millionen Euro in das Münchner Startup. Zuvor flossen zudem rund 2,1 Millionen in die Jungfirma, die zuletzt 34 Mitarbeiter beschäftigte. “Kapital gibt es genug auf dem Markt und ist relativ einfach zu finden, aber die richtigen Investoren zu finden, ist nicht so einfach. Wir sind sehr glücklich mit ihnen und freuen uns auf eine weiterhin vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit”, sagt Sanmiguel.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der hotelbird-Gründer außerdem über Formalitäten, Automatisierung und Vögel.

Wie würdest Du Deiner Großmutter hotelbird erklären?
Ich würde es mit einem normalen Hotelbesuch von damals vergleichen. Früher wie heute stehen Menschen Schlange, wenn sie auf ihr Hotelzimmer gehen möchten oder das Hotel verlassen wollen. Wir haben eine Technologie entwickelt, die dich immer an der Schlange vorbeigehen lässt, denn du konntest alle Formalitäten schon vor der An- oder Abreise erledigen und sparst dadurch wertvolle Zeit. Während andere noch an der Rezeption stehen, kannst du schon auf dem Zimmer entspannt ein Bad nehmen oder früher zum Sightseeing aufbrechen. Der Hotelgast fühlt sich frei wie ein Vogel!

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Unsere Mission ist gleichgeblieben. hotelbird unterstützt Hotels ihre lästigen und aufwendigen Check- in/out-Prozesse zu automatisieren und unsichtbar zu gestalten. Dabei haben wir unsere Strategie entsprechend des Mikro- und Makroumfeldes angepasst. Uns ist es wichtig, kommende Trends im Technologiebereich aufzugreifen und ein stabiles, innovatives Produkt zu konzipieren und etablieren.

Wie ist überhaupt die Idee zu hotelbird entstanden?
Die Idee ist aus eigener Not entstanden, als ich in Miami beim Check-in in einer langen Schlange stand – mit einer Menge Gepäck im Schlepptau nach einer Anreise mit Jetlag. Ich wollte einfach nur an der Schlange vorbei direkt aufs Zimmer gehen, um zu duschen und zu schlafen. Diese Situation ließ mich einfach nicht mehr los – das muss doch besser gehen, digital funktionieren! Die Idee zu hotelbird war geboren.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Wir arbeiten mit einer monatlichen Lizenzgebühr/Zimmer (SaaS) und einer fixen, einmaligen Installationsgebühr.

Wie hat sich hotelbird seit der Gründung entwickelt?
Sehr positiv. Mittlerweile sind wir Marktführer mit unserer Software und konnten große namhafte Hotelketten wie Lindner Hotels, Leonardo Hotels, GSH Hotels, Deutsche Hospitality, H-Hotels oder NOVUM Hospitality für unsere nachhaltige Technologie begeistern. Ein entscheidender Vorteil ist, dass wir mit den führenden Anbietern von PMS-Systemen wie Oracle, Protel und sihot sowie mit Schließsystemen wie Assa Abloy, Salto, Häfele, Messerschmitt am Markt zusammenarbeiten. Dies ermöglicht uns mittlerweile eine 100%ige guest journey, womit wir jeden Gast erreichen können und unsere Software in fast jedes Hotel integriert werden kann.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist hotelbird inzwischen?
Mittlerweile beschäftigen wir insgesamt 34 Mitarbeiter. Monetär konnten wir unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

In den vergangenen Jahren flossen bereits mehrere Millionen in hotelbird. Nach welchen Kriterien habt ihr euch eure Investoren ausgesucht?
Uns ist wichtig, dass auch unsere Investoren zu unserer Unternehmenskultur passen und uns mit Know-How und ihrem Netzwerk bereichern! Kapital gibt es genug auf dem Markt und ist relativ einfach zu finden, aber die richtigen Investoren zu finden, ist nicht so einfach. Wir sind sehr glücklich mit ihnen und freuen uns auf eine weiterhin vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Generell herrscht sehr viel Verunsicherung bzgl. einiger Themen der Automatisierung im Hotelmarkt. Hierzu werden am Markt auch ähnliche Produkte angeboten, die nicht immer das halten, was dem Kunden versprochen wird, auch im Hinblick auf gesetzliche Rahmenbedingungen, die für alle gelten. Wir als Premiumanbieter und Marktführer hätten hierzu schon viel früher Antworten auf diese Fragen geben müssen und die Hotels intensiver beraten sollen.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben unseren Fokus richtig gelegt. Uns war es wichtig, dem Kunden letztendlich ein Produkt und eine Software an die Hand zu geben, die seine Prozesse im Tagesgeschäft erleichtern. Unser Kunde soll sich nicht mit den Schwierigkeiten von digitalen Innovationen im Hinblick auf Systemkompatibilität beschäftigen müssen. Wir haben hier eine sehr gute Vorarbeit geleistet und können aufgrund unserer zahlreichen Schnittstellen zu PMS-, Schließsystem- und Paymentanbietern eine marktführende Rolle aufweisen und unseren Kunden einen echten Mehrwert anbieten.

Wo steht hotelbird in einem Jahr?
Wir möchten natürlich weitere Hotels und Partner für uns gewinnen und unsere Marktführerschaft im DACH-Gebiet ausbauen. Ein Ziel für uns ist, dass in einem Jahr jeder Hotelier weiß, dass wir der richtige Partner für die Automatisierung seines Hotels sind. Das belegen nicht nur unsere Produkte und deren Möglichkeiten, sondern auch weitere bekannte Namen auf unserer Referenzliste.

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Foto (oben): hotelbird

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.