#Interview “Man kann nur bis zu einer bestimmten Größe die Geldeingänge händisch kontrollieren”

Smoobu hilft Privatpersonen bei der Vermietung ihrer Wohnungen. "Mit wachsender Größe wird es immer schwieriger unser prozentuales Wachstum beizubehalten. Deshalb sind wir zufrieden, wenn wir Ende des Jahres noch ähnliche Wachstumsraten wie jetzt haben", sagt Mitgründer Philipp Reuter.
“Man kann nur bis zu einer bestimmten Größe die Geldeingänge händisch kontrollieren”

Seit 2014 kümmern sich Fabian Beckers und Philipp Reuter mit Smoobu um die Digitalisierung von Ferienwohnungen. “Zu Beginn lag unser Fokus wesentlich mehr auf dem B2B-Bereich. Relativ früh erkannten wir aber das Potenzial der Privatvermieter. Airbnb hat hier eine Tür geöffnet. Dafür mussten wir dann allerdings nicht nur den Vertrieb umstellen, sondern unser Produkt mit weiteren Funktionen erweitern und gleichzeitig radikal vereinfachen”, blickt Mitgründer Reuter zurück.

Inzwischen läuft das Geschäft des Startups! “Smoobu-User verwalten mit unserer Software über 50.000 Wohnungen in 120 Ländern. Diesen Monat verarbeiten wir 300.000 Buchungen. Der Umsatz ist siebenstellig. Unsere Churn-Rate ist unter 1 % monatlich. Wir beschäftigen 13 Mitarbeiter und suchen aktuell weitere Entwickler und fremdsprachenaffine Sales-Mitarbeiter”, erzählt Reuter. Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die Smoobu-Macher außerdem über den schwierigen Anfang, Strukturen und Wachstum.

Wie würdet Ihr Euren Großeltern Smoobu erklären?
Beckers: Wir machen Vermietern von Ferienwohnung das Leben so einfach wie möglich. Große Agenturen und die Hotelindustrie setzen seit Jahren auf professionelle Software. Leider sind diese Lösungen – vor allem für Privatvermieter – oft unbezahlbar und – noch schlimmer – viel zu kompliziert in der Einrichtung und Bedienung. Wir nehmen das Beste aus diesen Lösungen und packen es in unsere einfach zu bedienende App. Smoobu synchronisiert zum Beispiel die Kalender verschiedener Buchungsportale, auf denen eine Wohnung angeboten wird oder automatisiert die Gästekommunikation mit automatischen Nachrichten und einer Gäste-App. 

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Reuter: Zu Beginn lag unser Fokus wesentlich mehr auf dem B2B-Bereich. Relativ früh erkannten wir aber das Potenzial der Privatvermieter. Airbnb hat hier eine Tür geöffnet. Dafür mussten wir dann allerdings nicht nur den Vertrieb umstellen, sondern unser Produkt mit weiteren Funktionen erweitern und gleichzeitig radikal vereinfachen.

Wie funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Reuter: Smoobu ist eine SaaS-Lösung. Wenn der Vermieter nach dem kostenlosen Testzeitraum zufrieden mit uns ist, zahlt er eine geringe monatliche Gebühr. Diese richtet sich nach der Anzahl der Wohnungen, die vermietet werden. Nach und nach wollen wir unseren Usern jetzt auch ausgewählte Produkte und Services rund um die Vermietung anbieten. Dafür möchten wir eine Plattform schaffen, über die andere Unternehmen ihre spezialisierten Dienste oder passende Produkte den Vermietern anbieten können.

Wie genau hat sich Smoobu seit der Gründung entwickelt?
Beckers: Der Anfang war schwierig. Das Team musste sich erst verändern und das Produkt musste besser werden. 2016 kam dann viel zusammen: Neuer Business Angel, neue Mitarbeiter, besseres Produkt. Seitdem läuft es sehr gut. Wir konnten uns alle paar Monate verdoppeln und in Berlin ein internationales Team aufbauen, mit dem wir jetzt weiter skalieren können.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Smoobu inzwischen?
Reuter: Smoobu-User verwalten mit unserer Software über 50.000 Wohnungen in 120 Ländern. Diesen Monat verarbeiten wir 300.000 Buchungen. Der Umsatz ist siebenstellig. Unsere Churn-Rate ist unter 1 % monatlich. Wir beschäftigen 13 Mitarbeiter und suchen aktuell weitere Entwickler und fremdsprachenaffine Sales-Mitarbeiter. 

Blickt bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Beckers: Wir hätten vielleicht etwas früher Strukturen aufbauen müssen. Uns ging es immer nur darum zu wachsen. Aber man kann mit einem E-Mail-Programm nun mal nicht 500 Kundenanfragen pro Tag effizient abarbeiten. Und man kann auch nur bis zu einer bestimmten Größe die täglichen Geldeingänge händisch kontrollieren. 

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Beckers: Wir haben relativ früh erkannt, dass wir nicht jedem alles perfekt anbieten können. Das würde zwar für einzelne Kunden das Produkt verbessern, aber es auch für alle anderen komplizierter und teurer machen. Es hat teilweise echt wehgetan, große Kunden wegzuschicken. Aber unser einfach zu bedienendes Produkt, dass sich weltweit und online verkaufen lässt, kommt uns heute zu Gute. 

Wo steht Euer Startup in einem Jahr?
Reuter: Mit wachsender Größe wird es immer schwieriger und kapitalintensiver unser prozentuales Wachstum beizubehalten. Deshalb sind wir zufrieden, wenn wir Ende des Jahres noch ähnliche Wachstumsraten wie jetzt haben. Langfristig möchten wir der weltweite Marktführer für Privatvermieter werden. Jeder der seine eigenen Wohnungen über Airbnb, Booking.com vermietet, soll das mit Smoobu machen.

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Foto (oben): Smoobu

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.