#Interview “Wir sehen uns wie ein Sport-Club. Alle halten zusammen”

Orderlion positioniert sich als Digitalisierungspartner von Lieferanten. "Wie das Telefon die Kommunikations-Möglichkeiten um Lichtjahre verbesserte, ermöglicht Orderlion den Gastronomen eine um Lichtjahre schnellere Kommunikation mit ihren Lieferanten", sagt Gründer Stefan Strohmer.
“Wir sehen uns wie ein Sport-Club. Alle halten zusammen”

Das junge Wiener Startup Orderlion, eine 2017 von Stefan Strohmer und Patrick Schubert gegründete Bestell-App für Gastronomen und Lieferanten, nimmt gerade richtig fahrt auf. “Aktuell wachsen wir jährlich um 300 %, dieses Jahr planen wir mindestens 100 Millionen Umsatz über die Plattform. Momentan beschäftigen wir 20 Mitarbeiter. Dieses Jahr steht voll und ganz im Zeichen der Internationalisierung”, sagt Mitgründer Strohmer.

Anders als Startups wie Choco, Rekki und Co. positioniert sich Orderlion als Kooperations- und Digitalisierungspartner von Lieferanten. “Bei Orderlion schließen sich nationale Lieferanten gemeinsam auf einer Plattform zusammen, um ihre digitale Zukunft selbst in den Händen zu halten. Hierbei arbeiten wir mit marktführenden internationalen Konzernen die hunderte Millionen Umsatz pro Jahr machen und ihren Kunden in jedem Land eine einheitliche Bestelllösung bieten möchten. Bis hin zu den regionalen Anbietern, die selbst gar nicht die Möglichkeit hätten, etwas eigenes auf die Beine zu stellen”, erzählt der Orderlion-Macher. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Strohmer außerdem über Preismodelle, zeitaufwändige Schritte und Lebensqualität.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Orderlion erklären?
Wie das Telefon damals die Kommunikations-Möglichkeiten um Lichtjahre verbesserte, ermöglicht Orderlion den Gastronomen eine um Lichtjahre schnellere und bessere Kommunikation mit ihren Lieferanten. Warum ist das so wichtig? 95 % der Gastronomen bestellen ihren Warenbedarf anstatt selbst einkaufen zu fahren. Und 80 % der Gastronomen haben mehr als 25 unterschiedliche Lieferanten. Jede Minute, die hier eingespart werden kann, macht den Unterschied, ob man als Koch – wie leider meist üblich – einen unfassbar stressigen 12 Stunden Arbeitstag hat oder nach 8 Stunden heimfahren kann und gemütlich etwa in der Straßenbahn letzte Bestellungen am Handy erledigt.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Nicht verändert, jedoch arbeiten wir fokussierter denn je. Gemäß der Lean Startup-Methode testen wir unterschiedlichste Ansätze und konzentrieren uns auf die Dinge, die besonders gut funktionieren.

Wie ist überhaupt die Idee zu Orderlion entstanden?
Das Gründer-Team kommt aus der Unternehmensberatung von Großhandelsunternehmen. Wir saßen damals direkt an der Quelle. Nachdem wir zu viele überarbeitete Arbeitskräfte auf beiden Seiten – Lieferanten wie auch Gastronomen – gesehen hatten, haben wir uns entschlossen, genau hier anzusetzen. Die Optimierung und Digitalisierung der zeitaufwändigsten Schritte – Abtippen von Faxbestellungen, Abhören von Anrufbeantworterbestellungen, etc. – war hier der logische Schritt.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Im Gegensatz fast allen anderen Anbietern am Markt sind wir kein Marktplatz, wo Lieferanten über den Preis um Gastronomen kämpfen. Unser Anspruch ist es, den besten SaaS-Shop am Markt für Lieferanten zu entwickeln. Lieferanten finden bei uns ein ideal planbares Preismodell – einzig abhängig von der Besteller-Anzahl. Ganz ähnlich wie andere SaaS-Systeme wie zum Beispiel Hubspot. Für Gastronomen ist Orderlion komplett kostenlos.

In Großbritannien ist Rekki mit einem ähnlichen Konzept unterwegs, in Deutschland Choco. Wo seht ihr euch im Vergleich zu diesen Wettbewerbern?
Die Gastro-Lieferanten Branche befindet sich aktuell in einem riesen großen Umbruch, wo nur wenige Unternehmen vorbereitet sind. Zahlreiche internationale Startups versuchen digitale Marktplätze zu schaffen, auf denen sich zukünftig Lieferanten um ihre eigenen Kunden matchen werden müssen. Dass heißt, sie versuchen das nächste Amazon der Gastronomie zu werden. Wir möchten hier ein Gegenmodell sein. Orderlion positioniert sich als Kooperations- und Digitalisierungspartner der Lieferanten, um diesen zukünftig auch einen direkten digitalen Zugang zu ihren Kunden zu sichern. Bei Orderlion schließen sich nationale Lieferanten gemeinsam auf einer Plattform zusammen, um ihre digitale Zukunft selbst in den Händen zu halten. Hierbei arbeiten wir mit marktführenden internationalen Konzernen die hunderte Millionen Umsatz pro Jahr machen und ihren Kunden in jedem Land eine einheitliche Bestelllösung bieten möchten. Bis hin zu den regionalen Anbietern, die selbst gar nicht die Möglichkeit hätten, etwas eigenes auf die Beine zu stellen.

Wie genau hat sich Orderlion bisher seit der Gründung entwickelt?
Wir sind seit der Gründung kräftig gewachsen – personell und geschäftlich. Wir haben mittlerweile unser bereits drittes Büro bezogen – mit 500 Quadratmeter Fläche, Gym und Freibier.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Orderlion inzwischen?
Aktuell wachsen wir jährlich um 300 %, dieses Jahr planen wir mindestens 100 Millionen Umsatz über die Plattform. Momentan beschäftigen wir 20 Mitarbeiter. Dieses Jahr steht voll und ganz im Zeichen der Internationalisierung.

Ihr sitzt mit Orderlion in Wien. Was macht den Reiz der Startup-Szene vor Ort aus?
Wien ist eine versteckte Perle mit starkem Entwicklungspotenzial. Es ist hier nicht alles perfekt. Aber die Mitarbeiter sind gut ausgebildet. Die Lebensqualität ist hervorragend. Und wir finden in der Region leichter die passenden Mitarbeiter als etwa in Berlin. Mit unseren lokalen Partnern – zum Beispiel tecnet equity, primeCROWD und weXelerate – haben wir bisher alles erreichen können, was wir uns vorgenommen haben. Und die Förderlandschaft zählt zu den besten Europas.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen bzw. wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Ehrlich gesagt hatten wir keine dramatischen Fehlschritte. Wir sind stolz auf unser Management-Team und die gesamte Mannschaft von Orderlion. Wir sehen uns wie ein Sport-Club. Alle halten zusammen, jeder gibt sein Bestes und wir kämpfen um jeden Punkt, um letztlich zu gewinnen.

Wo steht Orderlion in einem Jahr?
Wir fragen uns lieber, wo stehen unsere Kunden in einem Jahr. Und da hoffen wir, dass möglichst viele Nutzer in voller Wucht von den stark reduzierten Administrations- und Bestellprozesskosten unserer Plattform profitieren.

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Foto (oben): Orderlion

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.