#Interview So soll der millionenschwere Bitwala-STO ablaufen

Bitwala plant derzeit einen STO, einen Security Token Offering. Zwischen 15 und 75 Millionen Euro sollen so zusammenkommen. Was man bei den vielen Coin-Blasen, die schon geplatzt sind, sehr kritisch sehen kann. Bitwala-CFO Christoph Iwaniez erklärt das Konstrukt einmal ganz genau.
So soll der millionenschwere Bitwala-STO ablaufen

Das junge Berliner Startup Bitwala positioniert sich als Bankkonto mit eingebauter Bitcoin Wallet. Also als digitales Portemonnaie für den Handel mit Kryptowährungen. Bekannte Geldgeber wie der High-Tech Gründerfonds, Coparion, Ealrybird und Alstin investierten in den vergangenen Jahren bereits mehrere Millionen in das FinTech. Über einen sogenannten STO will das junge Unternehmen nun zeitnah zwischen 15 und 75 Millionen Euro einsammeln. Was man durchaus kritisch sehen kann – einfach mal in unseren Podcast zum Thema reinhören.

“Bei unserem STO handelt es sich um ein Genussrecht – also nicht um eine Anleihe oder eine Aktie, sondern ein Hybrid. Das klingt natürlich kompliziert, ist aber ein urdeutsches Finanzinstrument, das es schon lange gibt: Dabei gibt man dem Unternehmen einen Kredit, der am Ende der Laufzeit – bei uns 15 Jahre – voll zurückgezahlt wird”, erklärt Christoph Iwaniez, CFO bei Bitwala das Vorhaben. Auch auf die enorme Bewertung – bis zu 500 Millionen – geht Iwaniez im Interview mit deutsche-startups.de ein: “Es wäre sicher hoch gegriffen, wenn es sich um eine Aktie oder reine Unternehmensanteile handeln würde. Für ein Genussrecht, dass unter anderem mit Rückzahlung, Verzinsung, Präferenz vor Eigenkapital und der besseren Handelbarkeit auf Token-Basis dem Stammkapital gegenüber besser gestellt ist, ist das eine realistische Bewertung”.

Wobei dieses ganze Konstrukt nicht so wirklich klar wird, wenn man sich den Onepager zum STO von Bitwala ansieht. Da müsste gerade dieses Prinzhip noch viel stärker erklärt werden. Zumal Genussrechte eine “deutsche Konstruktion” sind und Bitwala seinen STO über englische bzw. japanische Onepager anpreist. Nun aber weiter zum Interview mit Bitwala-CFO Iwaniez.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Bitwala erklären?
Lustig, dass du das fragst – unser ältester Kunde ist über 80. Auch diese Generation ist da sehr fit. Aber um deine Frage zu beantworten: Bitwala bietet einen Bankservice an, den alle Omis und Opis ja kennen. Es gibt eine aktuell kostenlose Bitwala Debit Card – ähnlich der altbekannten EC-Karte -, mit der man weltweit an 40 Millionen Akzeptanzstellen Geld abheben und bezahlen kann. Außerdem gibt es ein für Jung und Alt ein einfach zu nutzendes Online Banking. Nur keine Filialen wie früher. Wenn man damit Bitcoin kaufen will, geht das nirgendwo einfacher, sicherer und schneller als bei uns. Und Bitcoin kennt inzwischen jedes Kind.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Allerdings. Ende 2017 hatte Bitwala bereits einmal rund 80.000 Kunden und rund 77 Millionen Euro an Transaktionsvolumen. Dann bekam der damalige Issuing Partner der Karte plötzlich seine Lizenz entzogen, was nicht nur uns betroffen hat. Glücklicherweise hatten wir den Schritt, Blockchain Banking anzubieten, schon länger vorbereitet und kamen so schneller wieder zurück. Übrigens haben wir 2018 keinen aus dem Team verloren, da unter anderem das Management auf seine Gehälter verzichtet hat. Zeig mir die Bank, wo das so laufen würde.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Bitwala inzwischen?
Wir haben aktuell knapp 40 Mitarbeiter und gerade bekannt geben, dass die erste Bitcoin-Trading-Million geknackt wurde. Außerdem vielleicht interessant: Knapp die Hälfte unserer Kunden ist aus Deutschland, der Rest aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, wozu neben den EU-Ländern auch Norwegen, die Schweiz, Island und Liechtenstein gehören.

Über einen sogenannten STO wollt ihr zeitnah zwischen 15 und 75 Millionen Euro einsammeln. Warum wählt ihr diesen Weg der Finanzierung?
Weil er gut zu uns passt: Die Gründer glauben an die tokenisierte Ökonomie der Zukunft und gehen natürlich mit der tokenisierung der eigenen Firma voran. Dabei liegt dem Finanzprodukt mit einem Genussrecht ein ganz normales deutsches Wertpapier zu Grunde. Nur das Medium des Invests ist durch die Abbildung der Eigentumsrechte auf einem Token eine neue innovative Form in der das Wertpapier für Investoren erhältlich sein wird. Die Abkürzung STO steht somit für “Security Token Offering” – also ein recht neues Konzept, das aus der Krypto-Szene kommt.

Welche Idee genau steckt dahinter?
Dahinter steht die Idee, dass irgendwann alle Formen von Finanzierungen auf einer Blockchain abgebildet und darauf gehandelt werden können. Dass der komplette Aktien- und Anleihenhandel auf der Blockchain statt an der Börse abgewickelt wird, dürfte aber noch etwas dauern. Allerdings arbeiten wir selbst daran, dies in Zukunft anzubieten. Das setzt natürlich auch den passenden Rechtsrahmen voraus. Für uns ist es da eine spitzen Nachricht, dass Bitbond gerade als erste von der BaFin die Erlaubnis bekommen haben, eine Anleihe auf der Blockchain zu begeben. Glückwunsch von uns!

Wie genau funktioniert euer STO?
Bei unserem STO handelt es sich um ein Genussrecht – also nicht um eine Anleihe oder eine Aktie, sondern ein Hybrid. Das klingt natürlich kompliziert, ist aber ein urdeutsches Finanzinstrument, das es schon lange gibt: Dabei gibt man dem Unternehmen einen Kredit, der am Ende der Laufzeit – bei uns 15 Jahre – voll zurückgezahlt wird, in unserem Fall zuzüglich 100 % Coupon! Als Kreditgeber ist man besser gestellt als die Eigentümer, wie etwa Aktionäre, es wären, hat aber keine Mitspracherechte. Gleichzeitig partizipieren unsere Anleger während der Laufzeit von dem finanziellen Erfolg von Bitwala. Sprich die Anleger erhalten Dividenden und Anteile an einem potentiellen Exit.

Genussrechte gibt es schon lange. Warum setzt ihr auf dieses Prinzip?
Bei Genussrechten gab es immer das Problem, dass ein Investment schwer zugänglich ist und sie schwer übertragbar, also schlecht handelbar, waren. Das ändert sich mit unserem STO. Unser Plan ist, dass man diesen Token bei Bitwala handeln kann. Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun und aktuell können nur Investoren ab 100.000 Euro bei uns investieren.

Warum diese hohe Hürde von 100.000 Euro?
Wir arbeiten gerade an einem Prospekt, womit wir grundsätzlich diese Hürde senken könnten. Ohne Prospekt wollen wir, dass nur Anleger ab 100.000 Euro investieren, da wir sie dann quasi als Profis einstufen die sich im klaren über die Risiken der Investition sind. Es ist aber noch nicht klar, inwieweit Kleinanleger künftig überhaupt eine Rolle in unserem Investoren-Mix spielen. Schließlich machen wir kein dubioses Angebot wie die ICOs der vergangenen Jahre, denen kein underlying Asset wie in unserem Falle die Rechte aus einem echten Wertpapier zugrunde lag.

Die Bewertung von Bitwala würde durch den STO, bei dem es um 15 % der Firmenanteile geht, zwischen 100 und 500 Millionen Euro liegen. Wie kommt ihr auf so eine Bewertung?
Das ist nicht ganz richtig: Es wäre sicher hoch gegriffen, wenn es sich um eine Aktie oder reine Unternehmensanteile handeln würde. Für ein Genussrecht, dass unter anderem mit Rückzahlung, Verzinsung, Präferenz vor Eigenkapital und der besseren Handelbarkeit auf Token-Basis dem Stammkapital gegenüber besser gestellt ist, ist das eine realistische Bewertung. Man muss beachten dass das Wertpapier seinen Wert eben nicht nur aus der Eigenkapital-Bewertung zieht.

Wer 2,5 Millionen in Bitwala investiert, bekommt einen Bonus in Höhe von 25 %. Warum dieser enorme Rabatt?
Um es großen Investoren schmackhafter zu machen. Das ist so branchenüblich und nicht anders als bei IPO-Vorhaben oder großen Anleihen Platzierungen. Operativ ist die Anbahnung, die Prüfung und der Abschluss mit einem großen Investor vielen kleineren Investitionen gegenüber weit weniger aufwendig.

Investoren wie der HTGF, Coparion, Ealrybird und Alstin investierten zuvor schon in Bitwala. Stehen die Investoren alle voll und ganz hinter dem STO?
Ja.

Wo steht Bitwala in einem Jahr?
Wir werden alles dafür tun, um Europas stärkstes Angebot im Bereich Krypto zu schaffen und unseren Kunden die bestmögliche Brücke in die Krypto-Ökonomie, sprich die tokenisierung aller Asset Klassen, zu bauen.

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Foto (oben): Bitwala

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.