Interview Über “lange Nächte und doppelte Arbeitszeiten”

"Während unser Business quasi aus einem Hobby entstanden ist und sich organisch gut entwickelt hat, gab es glücklicherweise nie die typischen Hürden wie Businessplan oder Finanzierungsrunden. Wir sind auch heute noch zu 100 % durch Eigenkapital finanziert", sagt Bjoern Weiland von appreach.
Über “lange Nächte und doppelte Arbeitszeiten”

Mit appreach betreiben Stefan Schrapp, Kristian Söhl und Bjoern Weiland einen Marktplatz für App Marketing-Services. “Die Nutzung der Plattform mit allen Preisen und wertvollen Informationen ist grundsätzlich kostenlos. App-Entwickler können einen unverbindlichen App Marketing-Check starten und die Werbemöglichkeiten für ihre App entdecken”, erklärt Mitgründer Weiland das Konzept hinter der Plattform.

Entstanden ist appreach aus dem Unternehmen TriMeXa. “Insgesamt hat die TriMeXa Gruppe rund 60 Mitarbeiter und wird auch 2018 weiter wachsen. An appreach selbst arbeiten wir aktuell zu dritt”, berichtet TriMeXa-Gründer Weiland. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht er über Marketingausgaben, Influencer App-Marketing und Projektideen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter appreach erklären?
Lustigerweise haben wir unserer Oma zu Weihnachten ein senioren-freundliches Smartphone gekauft und ihr einige Apps installiert. Wenn ich ihr appreach.de erklären müsste, würde ich sagen, dass ich den Machern der Apps helfe, passende Zielgruppen zu finden und diesen die jeweiligen Apps vorzustellen. Wir helfen quasi dabei, Nutzer und Entwickler zueinander zu bringen. In unserem Fall durch die Vermittlung von Marketing Profis, Influencern – das sind die Leute, die überall ihr Gesicht in die Kamera halten und denen ganz viele Leute vertrauen – und Betreibern großer Webseiten und Social Media-Kanälen – Facebook kennt meine Oma natürlich.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu appreach?
Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit dem Thema App-Marketing und sind dabei immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um unsere eigenen Apps wie beispielsweise die MyTopDeals-, DealDoktor- oder China-Gadgets App zu bewerben. Apps können auf die unterschiedlichste Art und Weise beworben werden, allerdings ist es ohne entsprechendes Know-how nicht einfach, gute und günstigste Werbekampagne oder das richtige Zielpublikum für die eigene App zu finden. Ganz davon abgesehen, dass man für den ganzen Themenkomplex sehr viel Zeit investieren muss. Genau hier wollen wir ansetzen: Entwicklern und Unternehmen diese Belastung abnehmen. Wir stellen uns als Vermittler auf und bringen beide Seiten zusammen, wie man es beispielsweise auch von Influencer-Projekten wie reachhero kennt. Nur eben mit dem klaren Fokus auf Apps, die sehr viel komplexer sein können, als es oftmals den Anschein hat – auch in Bezug auf Tracking-Möglichkeiten, Auswertungen, Testoptionen, etc.

Hat sich Euer Konzept seit dem ersten Gedankenblitz verändert?
Nein, ich würde nicht sagen, dass sich unser Geschäftsmodell verändert hat. Auf Grund der aktuellen Nachfrage zum Thema Influencer Marketing legen wir unseren Fokus mittlerweile etwas mehr auf diesen Marketing-Kanal. Anders als viele Agenturen oder andere Influencer-Plattformen wie etwa reachhero, Tubevertise oder blogfoster haben wir uns gezielt auf das Thema App-Marketing -und nicht auf Product-Marketing – spezialisiert. Wir sind daher eines der wenigen Portale für Influencer App-Marketing.

Wie hat sich appreach seit der Gründung entwickelt?
Nach einer einjährigen Entwicklungs- und Konzeptionsphase konnten wir zwischenzeitlich über einhundert direkte Werbepartner für unseren Publisher-Pool gewinnen. Darunter sind sehr viele reichweitenstarke redaktionelle Partner wie beispielsweise heise Download, PocketPC.ch oder appgefahren.de, aber natürlich auch unsere eigenen Seiten. Zudem wurden bereits über vierzig Kampagnen angelegt mit einem sechsstelligen Gesamtwerbebudget. Neben vielen erfolgreichen App Marketing-Kampagnen für namhafte Unternehmen wie etwa Fox & Sheep, mypostcard.com, Bosch oder den Carlsen Verlag, haben wir mit einem großen Relaunch viele gewünschte Funktionen nachgelegt und 2018 werden noch einige dazu kommen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist appreach inzwischen?
appreach.de ist ein Projekt von Monkey Businezz, die das Deal-Portal mytopdeals.net betreibt und wiederum mehrheitlich zu TriMeXa gehört, die ihrerseits mit DealDoktor.de, China-Gadgets.de und weiteren Portalen auch große Player im Affiliate-Marketing sind. Insgesamt hat die TriMeXa Gruppe rund 60 Mitarbeiter und wird auch 2018 weiter wachsen. An appreach.de selbst arbeiten wir aktuell zu dritt. Die oben genannten Kunden, Kampagnen und Budgets wurden bisher ohne einen einzigen Cent Marketingausgaben erreicht – alleine ein paar initiale Kontakt und Word-of-Mouth haben uns so weit gebracht.

Was hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?
Die Zeit, in der man alleine und sogar noch nebenberuflich seine Ideen verwirklicht, bedeutet zwar volle Verantwortung, keine Wochenenden, lange Nächte und doppelte Arbeitszeiten, aber der Schritt zu einem Büro mit dutzenden Mitarbeitern ist ein ganz anderes Level an Verantwortung. Klar kann man einige ToDos abgeben, aber der menschliche Faktor, das Seelsorgen, die Planungen, die Kommunikation, die Führung und das „alle auf einer Linie halten und motivieren“ sind massive Veränderungen in der Arbeitsweise, die man am Anfang ganz unschuldig und blauäugig komplett unterschätzt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Wir sind drei Gründer und mussten alle etwas aufgeben. Kristian hat sein Studium hingeworfen, Benjamin seinen auf Lebenszeit verbeamteten Lehrerjob und Bjoern seinen sicheren Arbeitsplatz bei der T-Systems. Während unser Business quasi aus einem Hobby entstanden ist und sich einfach organisch gut entwickelt hat, gab es glücklicherweise nie die typischen Hürden wie Businessplan oder Finanzierungsrunden. Wir sind auch heute noch zu 100 % durch Eigenkapital finanziert, haben jedoch auch über unseren Tellerrand hinaus andere Projekte gegen Unternehmensanteile mit Kapital unterstützt und nehmen bei jeder neuen Projektidee, wie auch appreach eine ist, eigenes Risikokapital und einen vordefinierten Zeitraum in die Hand, um zu verproben, ob die Idee zündet oder ein Rohrkrepierer ist. Letztere hatten wir auch schon einige, aber nur so lernt man…

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Das Internet ist voll mit Chancen und Möglichkeiten – man muss sie nur erkennen und beim Schopfe packen. Das geht wiederum nur mit einer Vision, Leidenschaft und Motivation. Ein Thema, das man nur treibt, weil es lukrative Aussichten hat, es aber eigentlich keinen Spaß macht, wird nicht langfristig von Erfolg gekrönt sein. Wir haben vieles versucht und sind oft gescheitert, aber immer mal wieder gibt es ein Projekt, das zur richtigen Zeit auf die richtige Zielgruppe trifft und steil geht. Das muss dann mit täglicher Liebe gepflegt werden. Das Projekt merkt, wenn es nur halbherzig umsorgt wird – und zahlt es dir heim. appreach.de wird glücklicherweise mit absoluter Leidenschaft betrieben.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Leben und arbeiten nach dem Pareto-Prinzip, also der 80/20 Regel. Viele, wie auch wir immer mal wieder, sind zu perfektionistisch, wollen alles exakt definiert und vorbereitet haben, anstatt einfach mal loszulegen und dann nachzujustieren. Get Shit Done! Eine kleine Tat ist besser als die größte Absicht. Das beste Feedback zu appreach haben wir von Kunden bekommen, Monate nachdem wir live waren. Die Kundensicht ist dabei oft ein wenig konträr zu dem, was man sich eigentlich bei der Entwicklung dachte, aber natürlich die wichtigste Sicht überhaupt. Das Kundenfeedback wurde übrigens 1:1 in unsere Plattform eingebaut.

Wo steht appreach in einem Jahr?
Wir möchten in erster Line unseren Publisher-Pool weiter vergrößern und unsere Kundenbasis ausbauen. Wir befassen uns gerade auch intensiv mit dem Thema strategische Partnerschaften und möchten mit appreach auch App-Entwicklungs- und Werbeagenturen ein Werkzeug an die Hand geben, um die Apps ihrer Kunden zu vermarkten. Außerdem würde es uns sehr freuen, wenn bis dahin weitere motivierte Mitarbeiter zu unserem appreach Team dazu stoßen würden.

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Foto (oben): appreach

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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