Sebastian Zawadiak im Interview “Die Startup-Szene in Essen ist ausbaufähig”

"Die Start-up-Szene in Essen ist ausbaufähig und längst nicht so groß, wie in anderen deutschen Städten. Die regionale Vernetzung und der „Trendfaktor“ der Stadt sind verbesserungswürdig", sagt Sebastian Zawadiak, Mitgründer von Woodcessories.
“Die Startup-Szene in Essen ist ausbaufähig”

Bei Woodcessories gibt es Echtholz-Accessoires für Apple-Jünger – etwa iPhone-Hüllen. Der junge Holzdesigner wird von Sebastian Hofmann und Sebastian T. Zawadiak geführt. Die Woodcessories-Macher sitzen im schönen Essen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Zawadiak über Ambiente, Communitygefühle und Kreativität.

Wenn es um Start-ups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Start-up-Standort?
Zunächst kann ich sagen, dass Woodcessories als Unternehmen, das größtenteils online vertreibt, nicht unbedingt an einen konkreten Standort gebunden ist. Uns ist aber beispielsweise ein repräsentatives und zudem großes Büro mit angebundener Produktionsfläche extrem wichtig. Wir haben eine kleine Werkstatt für unsere Produktentwicklung in unser Büro integriert, sodass wir unsere Kollektionen von der ersten Idee bis hin zur Musterentwicklung verfolgen können. Zudem machen wir kleine Chargen noch selbst vor Ort. Unser Sitz, das Triple Z in Essen, bietet genau diesen Platz, den wir brauchen und mit seinen Lofts im Industriecharme zusätzlich ein stylisches Ambiente. Hier können wir unserer Kreativität freien Lauf lassen kann. Die vielen kleinen Unternehmen und Start-ups, die hier Tür an Tür sitzen, pushen sich gegenseitig und kreieren eine produktive Arbeitsatmosphäre, die mit keinem anderen Standort in NRW vergleichbar wäre. Zu guter Letzt sind wir, wie an unseren Produkten unschwer zu erkennen ist, sehr naturverbunden; von daher war es uns immer wichtig, dass wir unseren Wurzeln treu bleiben.

Was macht speziell den besonderen Reiz der Startup-Szene in Essen aus?
Die Start-Up-Szene in Essen ist natürlich noch nicht so weit entwickelt, wie in Berlin, Hamburg, Köln, oder Düsseldorf. Dennoch merken wir deutlich, dass sich vermehrt neue Gründer im Ruhrgebiet ansiedeln. Die Infrastruktur des Ruhrgebiets ist extrem weit entwickelt und es gibt private Initiativen der Stadt Essen, die Gründer bei Vernetzung und Investorenfindung unterstützen. Durch seine noch überschaubare Start-up-Zahl, gibt es hier eher ein Communitygefühl und zudem passt Essen super zu unserem Produktkonzept. Als grüne Hauptstadt Europas vereint die Stadt Industrie, Technik und Natur auf eine unvergleichliche Art und Weise miteinander – und genau das ist ja auch die Intention hinter Woodcessories: Eine Symbiose aus technisch hochwertigen Apple-Produkten und 100 % natürlichem Echtholz zu kreieren.

Was ist in Essen einfacher als in Berlin – und umgekehrt?
Ein großer Vorteil ist definitiv das Angebot an nicht überteuerten Büroräumen hier in Essen. Gerade, weil wir ein großes und repräsentatives Büro benötigen, sind wir sehr happy mit unserem zweistöckigen Loft auf Triple Z. Wir erweitern gerade unser Sortiment und unsere Investitionen fließen daher natürlich in unsere Produkte. Ein so tolles Büro sicher zu haben ist ein großer Pluspunkt. Im Vergleich dazu sind Dinge, wie Networking und Öffentlichkeitsarbeit in Berlin sicher deutlich einfacher. Die Stadt ist einfach trendaffiner und breiter aufgestellt, was angesagte Brands angeht.

Was fehlt in Essen noch?
Wir müssen uns nichts vormachen und das habe ich ja auch schon in einer der vorherigen Antworten erwähnt: Die Start-up-Szene in Essen ist ausbaufähig und längst nicht so groß, wie in anderen deutschen Städten. Die regionale Vernetzung und der „Trendfaktor“ der Stadt sind verbesserungswürdig. Das Ruhrgebiet hat einiges zu bieten, aber das muss eben auch nach außen getragen werden. Es fehlt an positivem Image und Networking. Wir merken aber auch, dass Essen großes Potenzial hat und es definitiv einen Trend zu Innovation und Kreativität gibt.

In unserem Themenschwerpunkt Ruhrgebiet beschäftigen wir uns – in  Zusammenarbeit mit dem ruhr:Hub, dem Netzwerk der Digitalen Wirtschaft im Ruhrgebiet, ausgiebig mit Start-ups im schönen Revier.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.