Gründeralltag

Wie wichtig ist ein Businessplan? 15 Investoren antworten!

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan? "Ein Businessplan bildet vor allem die Kostenseite und Liquiditätsseite ab", sagt Jan Alberti, bmp. "Ein Businessplan ist schon wichtig; aber vor allem als ein Tool für die Gründer", sagt Matthias Dill, Statkraft Ventures.
Wie wichtig ist ein Businessplan? 15 Investoren antworten!
Montag, 10. Juli 2017VonTeam

In den vergangenen Monaten haben wir unzählige Gründerinnen und Gründer nach ihrer Einschätzung zum Dauerbrenner Businessplan gefragt. Bei den Antworten auf die Frage “Wie wichtig und bindet ist ein Businessplan?” gingen die Meinungen in der Gründerszene dabei weit auseinander – siehe “Wie wichtig ist ein Businessplan? 25 Gründer antworten“. Nun drehen wir den Spieß um und fragen 15 Investoren nach ihrer Meinung zum Dauerthema Businessplan.

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan?

Im VC-Bereich ist es nicht unüblich, dass ein Unternehmen seinen Businessplan nicht immer exakt trifft. Es kommt vor allem darauf an, wie schnell das Management bei Abweichungen reagiert. Insbesondere die direkt cash-relevanten Positionen sollten die Gründer nie aus den Augen verlieren, um nicht plötzlich mit dem Rücken an der Wand zu stehen.
Sascha van Holt, SevenVentures

Der Businessplan ist der Fahrplan für die kommenden Monate und Jahre. Er ist wichtig, aber nicht in Stein gemeißelt. Kommen wir gemeinsam zu der Entscheidung, dass Kleinigkeiten geändert werden müssen ist das in Ordnung. Ändert sich der Businessplan hingegen alle zwei Wochen fehlt definitiv die Basis für eine seriöse Zusammenarbeit.
Ulli Jendrik Koop, Digital Health Ventures

Wenn mit Businessplan dieses klassische Dokument gemeint ist, welches man auch an der Uni im Rahmen von Businessplan-Wettbewerben anfertigen musste: gar nicht, weil diese oftmals viel zu theoretisch sind. So was sieht man heute nur noch selten. Wenn mit Businessplan aber ein Finanzplan für die ersten Monate beziehungsweise Jahre gemeint ist: sehr wichtig. Selbst wenn der Umsatz initial nicht im Vordergrund steht und der Plan nicht erfüllt wird, finde ich es sehr wichtig, dass ein Unternehmer sich die Zeit nimmt und mit den grundsätzlichen Dynamiken seines Geschäftsmodells aus quantitativer Sicht auseinandersetzt.
Luca Martinelli, b-to-v Partners

Jeder Gründer und VC weiß, dass ein Businessplan mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % nicht in Erfüllung gehen wird. Dennoch ist er sehr wichtig. Dem Plan unterliegen Annahmen, wie der Markt auf das neue Angebot reagiert und wie man dadurch ein profitables und nachhaltiges Geschäft aufbauen kann. Wichtig sind hier zwei Dimensionen. Erstens: Wie ist die Mittelverwendung in der unmittelbaren Zukunft, also in den nächsten 6 bis 12 Monaten? Zweitens: Wie wird sich der adressierte Markt in den nächsten 5 bis 10 Jahren entwickeln? Das ist ein langer Zeithorizont, und die kurzfristige Mittelverwendung muss sich darin widerspiegeln. So sehen wir, wo die Reise hingehen soll und ob für uns genug Potential in der Idee steckt. Alles, was dazwischenliegt, passiert ja eh nie wie im Businessplan durchgerechnet.
Cédric Köhler, Creathor Venture

Ein Businessplan ist schon wichtig; aber vor allem als ein Tool für die Gründer. Mit einem guten Plan kann man die grundlegenden Treiber eines Geschäftsmodells identifizieren und man ist gezwungen, die Daten für die Annahmen sorgfältig zu recherchieren. Aber natürlich ist ein Businessplan nie die exakte Realität, das wissen wohl alle Investoren und Gründer.
Matthias Dill, Statkraft Ventures

Ein Businessplan ist nicht bindend. Gerade bei Seed und A Runden weiß jeder Investor bzw. sollte jeder Investor wissen, dass noch viel passieren wird, was außerhalb des initialen Businessplans liegt. Ein gutes Pitch Deck hilft bei der Investorenansprache.
Olaf Jacobi, Capnamic

Einerseits ist jeder Businessplan Selbstbetrug. Die Zukunft lässt sich nur bedingt planen. Andererseits sind Finanzpläne wichtig, um Geschäftsmodelle und deren Treiber besser zu verstehen. Außerdem möchte ich sehen, wie strukturiert Gründer ihre Planung angehen. Wichtig ist, nicht blind an Plänen festzuhalten sondern wenn nötig flexibel reagieren zu können.
Benedikt Herles, Vito Ventures

In der frühen Investitionsphase ist der nicht so wichtig. Da liegt der Fokus eher auf der Entwicklung eines hervorragenden Produktes, sowie der Einschätzung zur Kompetenz des Teams. Mit zunehmendem Reifegrad steigt seine Bedeutung stetig.
Matthias Orlopp, Check24 Ventures

Ich vergleiche immer den Businessplan mit einem Kompass: Er zeigt uns an wenn wir von unserem Ideal abweichen damit wir entsprechend früh reagieren können. Da die meisten VC finanzierten Firmen sehr schnell viele Sachen parallel umsetzen und dabei große Budgets verwendet werden ist es wichtig die Auswirkungen auf Cashflow, Rentabilität und Umsatzwachstum genau zu kennen. Letztlich sage ich aber immer zu unseren Gründern: „No plan survives contact with customers“ (Steve Blank). Aber wir müssen uns jetzt die Gedanken über die zu erwartenden Herausforderungen und Auswirkungen machen.
Markus Grundmann, senovo

Ein Businessplan hat den Zweck darzustellen, wie stark sich das Management mit dem Thema beschäftigt hat. Ein „linear hochmodellierter“ Plan zeigt uns, dass man sich keine vertieften Gedanken zu den Stellhebeln und Dynamiken eines Modells gemacht hat. Ansonsten fokussieren wir uns auf das Zahlenwerk der ersten 6 bis 12 Monate nach der Finanzierung, denn das sollte für die Gründer schon weitgehend abschätzbar sein.
Samuli Sirén, Redstone Digital

Das A und O. Natürlich können sich Dinge weiter entwickeln, neue Chancen auftun, erfolglose Testfelder geschlossen werden und der Plan sich so verändern. Aber ein zentrales Dokument – und ich rede hier nicht einfach von einer Excel-Tapete – zu haben, an dem man sich orientiert und misst, ist wirklich unerlässlich. Und die enthaltenen KPIs sollten regelmäßig beobachtet werden.
Christoph Neuhaus, Endeit Capital

Ein Businessplan ist für Investoren wichtig, um zu sehen, dass die Gründer die Mechaniken und vor allem entscheidenden KPIs ihres Geschäftes sowie deren Abhängigkeiten verstehen und generell in der Lage sind, realistisch zu planen. Der Plan fungiert gleichzeitig wie ein Brain Teaser in einem Bewerbungsgespräch. Gerade in frühen Phasen treffen manche Gründer tlws. sehr unrealistische Annahmen zu KPIs/Unit Economics. Da kann auch mal bei einem ansonsten guten Gründer und einer guten Idee deutlich werden: Der ist einfach noch nicht erfahren genug, braucht entweder mehr Zeit oder wir müssen ihm jemanden an die Seite stellen. Die Wichtigkeit des Businessplans hängt grundsätzlich auch stark von der Phase ab. Je später die Phase, desto wichtiger wird der Businessplan, um Budgets zu allokieren, den Cashflow zu planen etc. Je später die Phase, desto mehr Gewissheit hat ein Unternehmen natürlich auch über seine KPIs und Unit Economics – und je bindender sollte ein Businessplan auch sein. In frühen Phasen hingegen ist das anders: Die Gründer suchen noch nach ihrem Product-/Marketfit, haben noch wenig historische KPIs und probieren viel aus. Da kann die Bindung an einen vorab gemachten Plan sogar schnell kontraproduktiv sein. Jeder vernünftige Investor weiß um die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Businessplänen bei frühphasigen Startups. Hier geht es wie gesagt viel mehr darum, zu sehen, ob die Gründer die Mechaniken ihres Modells verstehen.
Iskender Dirik, Bauer Venture Partners

Den klassischen Businessplan – 80 Seiten Word-Dokument – gibt es ja gar nicht mehr, außer vielleicht zum Abheften bei Fördergeld-Projekten. Was benötigt wird, ist ein 15-30-seitiges Pitchdeck und ein Excel-Sheet mit den Ist- und Soll-GuV-Zahlen, den wichtigsten Unit Economics, der Mittelverwendung und dem “more important than your mother” Cash Flow. Das Unterlagen-Set ist schon wichtig, aber anders als manche First-Time-Founder vielleicht denken: Gerade in frühen Phasen geht der Wahrheitsgehalt der Zahlen ja gegen null: Im Excel finden sich dann Multiplikationen mit acht Faktoren, die jeweils alle unbewiesen sind. Aber wie die Gründer strukturell und qualitativ/methodisch arbeiten, kann man durchaus an der Handschrift des ganzes Sets ablesen. Sowieso ist ganz viel der Diskussion mit einem VC ein Psycho-Asessment: Oft ist nicht das “Was“-Sage-Ich relevant, sondern vielmehr das “Wie”. Der Investor will ja einen Eindruck bekommen, wie das Team agiert, auch untereinander, und wie es auch auf kritische Fragen des Investors eingeht etc. Je später man investiert, desto mehr Qualität haben die Daten natürlich, aber auch dann bleibt ein Plan ein Plan. Verbindlich ist da nichts. Was aber schon stimmen sollte, sind die abgegebenen Ist-Daten. Dazu gibt es in der Regel ja auch Garantie-Erklärungen. Da ist schon jedem Gründer anzuraten, dass die Daten stimmen, sonst ist das Vertrauen schnell verspielt und das ist das wichtigste gut in jeder Beziehung.
Nikolas Samios, German Startups Group

Das kommt auf die Phase des Unternehmens an. Je reifer das Unternehmen ist, desto besser kann man planen. In sehr frühen Phasen macht es wenig Sinn, auf einem detaillierten, langjährigen Businessplan herumzureiten, denn in aller Regel kommt eh alles anders als geplant. Vor allem in Bezug auf die kommenden 12-18 Monate, was den typischen Zeitrahmen bis zur nächsten Finanzierungsrunde darstellt, sollten die Gründer aber überzeugend erklären können, wie sie das Geld ausgeben und welche Meilensteine sie in der Zeit erreichen wollen. Bei kapitalintensiveren Modellen wollen wir zudem wissen, ob der Gründer Fragen zum Gesamtfinanzierungsbedarf und Break-Even-Plänen schlüssig beantworten kann.
Anton Waitz, Project A Ventures

Ein Businessplan in der Seed-Phase eines Startups bildet vor allem die Kostenseite und Liquiditätsseite ab und gibt den Gründern den Handlungsspielraum und die Budgets, über die sie verfügen können. Außerdem zeigt es gewisse Annahmen, wie KPIs erreicht werden können und welche zeitliche Projektplanung und Ausgaben dahinter stehen. In der Regel kommen Startups mit sehr idealtypischen Hockey-Stick-Planungen zu uns. Aus unserer Erfahrung dauert es meist aber doppelt so lange und kostet rund doppelt so viel ein Startup aufzubauen. In ein Neuinvestment fließt durch uns bereits sehr viel Know-How mit ein, um den Businessplan möglichst realistisch abzubilden. Sollte der Businessplan massiv unter- oder überschritten werden, verabschieden wir unterjährig auch einen neuen. In jedem Fall reporten die Startups neben den Ist-Zahlen auch einen monatlich oder quartalsweise angepassten und rollierenden P&L- und Cash Flow-Forecast, der meist deutlich näher an der Realität ist. Je älter ein Startup wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einen Businessplan auch wirklich einzuhalten.
Jan Alberti, bmp

Passend zum Thema: “6 kostenlose Excel-Finanzplanvorlagen im Vergleichstest” und “Businessplan: So demonstriert man kraftvoll Ambitionen

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Foto (oben): Shutterstock