#SCB17 #FocusCamp Female Camp: Mehr Sichtbarkeit für Frauen

Das Startup Camp geht am 7./8. April in die nächste Runde. Die zweitägige Konferenz findet seit über zehn Jahren erfolgreich statt und bringt Entrepreneure mit erfahrenen Unternehmern und Investoren zusammen. Insgesamt 14 Focus Camps runden das Konferenzgeschehen ab.
Female Camp: Mehr Sichtbarkeit für Frauen

Nur noch wenige Tage und das Startup Camp Berlin, Deutschlands größte Early Stage Konferenz geht am 7./8. April in die nächste Runde. Die zweitägige Konferenz, die deutsche-startups.de als Medienpartner und Mitveranstalter unterstützt, findet seit über zehn Jahren erfolgreich statt und bringt Entrepreneure mit erfahrenen Unternehmern und Investoren zusammen.

Insgesamt 14 Focus Camps runden das Konferenzgeschehen ab, darunter Camps zu Themen wie Digital Health, Green Start-ups, PR, Marketing und Sales sowie auch ein Famale Camp. Wir sprechen im Doppelinterview mit den beiden Kuratorinnen Janina Mütze und Marina Zubrod über die weiterhin fehlende Sichtbarkeit von Frauen in der Startup Welt, über das Ungleichgewicht in der Fähigkeiten sowie über Codings-Workshops für Frauen.

Bitte stellt euch kurz einmal vor: wer seid ihr und was macht ihr?
Ich bin Mitgründerin von Civey (www.civey.com), einem Netzwerk für repräsentative Meinungsforschung. Bevor ich selbst gegründet habe, war ich vor allem als Interessensvertreterin für Venture Capital und Private Equity aktiv.

Marina: Ich bin im Beirat des Bundesverband Deutsche Startups und engagiere mich stark für das Rhein-Main Gebiet und das UnternehmerinnenNetzwerk. Beruflich war ich schon vieles: Investment Bankerin, Venture Capitalist, Startups CEO und derzeit arbeite ich bei der Schufa und baue dort das Thema Digitale Transformation auf.

Auf dem Startup Camp seid ihr Kuratorinnen für das Female Camp geworden. Frauen werden auch in der Startup Welt immer sichtbarer: Warum braucht es eurer Meinung nach weiterhin ein Female Camp?
Janina: Es geht weiterhin um Sichtbarkeit. Solange auf Bühnen deutlich mehr Männer als Frauen sprechen, gibt es ein Ungleichgewicht in der Wahrnehmung von Fähigkeiten. Das wirkt demotivierend für viele Frauen. Genauso hemmend wirkt es aber auch auf Führungskräfte insgesamt. Sie neigen dann dazu, Männern andere Fähigkeiten zuzuschreiben und ihre Teams dementsprechend männlich zu besetzen.

Was sind die Themen und Inhalte die Frauen heute in der Branche weiterhin umtreiben?
Janina: Die Zahl von Frauen, die gründen, ist gestiegen. Das ist natürlich positiv. Weniger positiv ist, dass die Kapitalausstattung für Frauen immer noch viel geringer ist als für Männer. Das zeigt sich insbesondere bei VC Investments: Männer investieren hauptsächlich in Unternehmen von Männern. Die Wahrscheinlichkeit, dass VCs in Unternehmen mit Frauen im Führungsteam investieren, steigt, sobald sie weibliche Investment Manager oder eine Partnerin im Managementteam haben. Bei dem geringen Anteil weiblicher VC Manager ist das ein echtes Problem!

Marina: Ich selber habe erlebt, wie schwierig es sich anfühlt, als Frau auf Finanzierungssuche zu gehen. Zwar gibt natürlich niemand zu, dass er voreingenommen ist, jedoch waren die Feedback erstaunlicherweise stark auf meine Person fokussiert und weniger auf die Company. Entweder war man zu nett, zu forsch, zu jung oder zu weiblich. Selten habe ich diese Erlebnisse von männlichen Start-Ups CEOs gehört.

Welche Speaker habt ihr eingeladen, worüber werden sie referieren?
Marina: Das Female Camp kuratieren wir gemeinsam. Wir haben uns überlegt, welche Themen für Unternehmerinnen wirklich wichtig sind und setzen in diesem Jahr auf die drei Themen Investing, Legal Challenges und Coding. Dabei geht es uns vor allem um Praxisnähe. Bei uns finden neben den klassischen Panel und Speaker Slots auch Workshops statt.

Beispielsweise wird Eva Jerratsch, Rechtsanwältin bei P + P Pöllath und Partner sowie Gründerin vom Netzwerk Venture Ladies, ihre Teilnehmer zu den rechtlichen Herausforderungen informieren, wenn VCs an Bord kommen. Darüber hinaus haben wir auch einige Investment Managerinnen wie Chiara Sommer vom High-Tech-Gründerfonds oder Kiana Mardi von Seed + Speed sowie erfolgreiche Gründerinnen, wie zum Beispiel Pia Poppenreiter, bei uns auf der Bühne.

Mit Philipp von Hammerstein ist auch ein Mann als Speaker dabei und bietet den Workshop „Change your life: learn to code“ an. Worin liegt deiner Meinung nach das Problem, dass so viele Frauen da nach wie vor Berührungsängste haben?
Janina: Solange Informatik kein Pflichtfach an Schulen ist, sprechen wir erstmal von einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Wir müssen mehr Zugänge zum Erlernen von IT-Skills schaffen. In der Schule sind Mädchen durchschnittlich besser als Jungs. Wenn sie in einem Schulfach gut sind, werden Mädchen ein anderes Selbstbewusstsein für sich entwickeln und sich für Entwicklerjobs interessieren. Damit werden auch ganz andere Produkte auf den Markt kommen.

Marina: Uns war auch wichtig eine geschlossene, vertrauensvolle Lerngelegenheit zu gewährleisten, in der jede Teilnehmerin ähnliche Vorkenntnisse hat und somit ohne Vorurteile Fragen stellen kann und es „einfach mal probieren kann“. Mit Philipp haben wir einen klasse Tutor gewonnen, der mit viel Spaß und Geduld jedem das Thema Coding näher bringen kann und der sich auch dafür einsetzt Frauen in der Coding Welt zu fördern. Übrigens: Weiblichen Coderinnen wird häufig nachgesagt, dass ihre Codes häufiger sauberer geschrieben sind als die der männlichen Coder – zumindest habe ich das in meinem Umfeld häufig gehört.

Wenn Du dir für die Frauen in der Startup Welt etwas wünschen dürftest, was wäre das?
Janina: Alle neuen Geschäftsmodelle, die sich gerade entwickeln, werden unsere Gesellschaft und unseren Alltag nachhaltig verändern. Ich wünsche mir, dass diese “Neue Welt” nicht nur von Männern gestaltet wird. Wichtig ist, dass alle verstehen, dass Frauen, die gründen, sowie Frauen, die in Führungspositionen sind, einen Business Value bringen. Die Forschung hat die ökonomischen Vorteile von Diversität längst aufgezeigt und so dieses Wissen zwar intellektuell verankert. Emotional neigen Gründer aber immer noch dazu, sich selbst zu reproduzieren. Ich persönlich sage mir deshalb vor jedem Bewerbungsgespräch: Die Person, die ich interviewe, muss nicht so sein wie ich. Hauptsache ist, dass sie oder er kann, was man für den Job braucht.

Marina: Ich würde mir wünschen, dass jedes Gründerteam sich noch mehr bemüht Frauen an Board zu kriegen – gerade in der Anfangszeit ist Teamarbeit entscheidend und diverse Teams fördern die Produktivität. Viele Frauen muss man auf die Chancen stoßen und ihnen diese aufzeigen, aber häufig lassen sie durchaus überzeugt. Traut euch – sprecht die Frauen an, ob auf Konferenz oder Cold Call via Linkedin, denn oft kommt Gründertum zu den Frauen nicht umgekehrt.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.