#SCB17 #FiresideChat Wie glamourös ist das Leben eines Vox-Löwen?

Das Startup Camp Berlin, Deutschlands größte Early Stage Konferenz geht am 7./8. April in die nächste Runde. Neben vielen weiteren namhaften Speakern treffen die Teilnehmer auch auf Ralf Dümmel, beliebter VOX-Löwe, Investor und Geschäftsführer von DS Produkte, der sich im Fireside Chat den Fragen stellt.
Wie glamourös ist das Leben eines Vox-Löwen?

Das Startup Camp Berlin, Deutschlands größte Early Stage Konferenz geht am 7./8. April in die nächste Runde. Die zweitägige Konferenz, die deutsche-startups.de als Medienpartner und Mitveranstalter unterstützt, findet seit über zehn Jahren erfolgreich statt und bringt Entrepreneure mit erfahrenen Unternehmern und Investoren zusammen.

Am ersten Konferenztag des zwei-tägigen Events treffen die Teilnehmer im Fireside Chat auf den bekannten VOX-Löwen, Investor und Geschäftsführer von DS Produkte. deutsche-startups.de hat vorab mit ihm über Glamour, Schuleausbildung und den richtigen Riecher für Unternehmensideen gesprochen.

Wie glamourös ist das Leben eines Vox-Löwen? Ist es das überhaupt?
Die Frage ist ja, was das Wort glamourös bedeuten soll. Ich bin in der Sendung hochkonzentriert. Mit Glamour oder „roter Teppich“ hat das wenig zu tun. Die Sendung ist Unterhaltung und das ist harte Arbeit. Es geht bei der „Höhle der Löwen“ um Menschen und um Geld, das investiert wird. Das ist somit also keine Spaß- oder Wohltätigkeitsveranstaltung. Hier geht es darum, Unternehmer, die mit ihrer Unternehmensidee pitchen, in kurzer Zeit zu beurteilen. Bei guten Ideen kämpfen die Löwen sogar gegeneinander und wenn man etwas richtig gut findet, möchte man das haben.

Wie sehr groß ist ihr Wille, dass der Gründer bei einem Angebot einschlägt, wenn Sie seine Idee gut finden?
Wenn ich ein Angebot mache und den Pitch nicht gewinne, dann bin ich – und das kommt selten vor – schon auch schlecht gelaunt. Wenn die Gründer und ich nicht zusammenkommen, denke ich: Was sowohl sie verpasst haben, aber eben auch ich! Umso stolzer bin ich dann gleichzeitig, wenn andere Löwen den Deal auch machen wollten, sich die Gründer aber letztendlich für mich entscheiden. Dann springe ich vor Freude schon mal aus dem Sessel!

Wie schnell sehen Sie, ob ein guter Unternehmer vor Ihnen steht?
Das sieht man in den ersten 3-4 Minuten, in denen sie ihre Idee präsentieren wollen. Das erste Bauchgefühl sagt mir rasch, ob ich mit einem Menschen menschlich zusammenarbeiten möchte oder nicht. Man darf nie die Aufregung und Nervosität der Gründer außer Acht lassen. Für sie bedeutet der Auftritt enorm viel. Ich kann das gut nachvollziehen. Vermutlich ging es mir am ersten Drehtag nicht anders, als den Gründern, die vor den Löwen pitchten. Nervosität ist normal und bis zu einem gewissen Grad auch gesund.

Abseits der Sendung: Wie sieht der Alltag von Ralf Dümmel aus?
Morgens früh aufstehen, freudestrahlend ins Büro fahren, viele Termine und Gespräche haben und dann arbeite ich den ganzen Tag und versuche, fleißig zu sein. Ich bin schätzungsweise jeden Monat etwa eine Woche unterwegs. Klar, wenn wir drehen, ist es natürlich mehr.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie persönlich gemerkt: Ich bin ein guter Verkäufer, ein Unternehmer?
Gewusst, dass ich das kann, habe ich gewusst, bevor ich es konnte. Wenn man in Dinge reinrutscht als junger Mensch, überschätzt man sich ja schnell. Daher ist es ein guter Prozess, wenn man zwar große Ziele hat und denkt, dass man alles kann, dann aber merkt, dass man selbst alles gar nicht können muss. Man braucht gute Menschen neben einem. Es ist gut zu wissen, was man kann, aber auch das, was man nicht kann und sich dann Fachleute mit an Bord holt. Das habe ich bereits in der Lehre gemerkt.

Sie stammen selbst nicht aus einer klassischen Unternehmerfamilie. Wie sind sie dennoch an den Punkt gekommen, an dem Sie heute stehen?
Es war nie man Ziel, Unternehmer zu werden. Ich wollte einfach eine gute Arbeit und gutes Geld verdienen. In meiner Familie wurde Arbeit nie gescheut. Ich bin in das Unternehmertum reingerutscht, nachdem ich meinen Ziehvater, den Gründer von DS Produkte, kennenlernte. Nach einer langen und lehrreichen Zeit im Unternehmen hat er mir Unternehmensanteile überschrieben, nachdem wir beschlossen hatten, den Betrieb gemeinsam weiterzuführen. Ich bin viele Jahre durch fast alle Abteilungen bei DS Produkte und kenne den Betrieb von Grund auf.

Was wären Sie vermutlich beruflich geworden, wenn die Dinge anders gelaufen wären?
Als kleines Kind wollte ich immer LKW-Fahrer werden. Das liegt daran, dass ich immer an den Parkplätzen vorbeilief und sah, dass alle einen Fernseher in der Kabine hatten. Als kleiner Junge habe ich daraus geschlossen: Der Beruf bedeutet Auto fahren und Fernsehen gucken – perfekt! Dass ich gut mit Menschen kann und Handel treiben kann, habe ich aber rasch selbst erkannt und habe deshalb eine Ausbildung im Möbelhaus angefangen. Daran hatte ich Spaß.

Stimmt es, dass ihr damaliger Ausbilder Sie noch zum Realschulabschluss gezwungen hat?
Ja, das stimmt. Heute sage ich: Mit 15 habe ich meinen ersten Deal gemacht. Das kam so: Ich wollte endlich in diesem Möbelhaus arbeiten und hatte mich beworben. Das Gespräch lief super und die Stelle hätte ich bekommen, wenn ich bereits meinen Realschulabschluss in der Tasche gehabt hätte. Also habe ich verhandelt: So bald ich den Abschluss vorweisen kann, darf ich anfangen. Was habe ich gemacht? Irgendwie doch die Schule beendet. Zwar nur durchschnittlich, aber die Zensur war nie Thema des Deals gewesen.

Viele der heutigen Gründer kommen von exzellenten Wirtschaftsuniversitäten. Wäre eine Karriere wie die Ihre heute noch möglich?
Ich denke, dass das immer möglich ist. Es ist heute nur etwas schwieriger geworden. Ich habe einen Grundsatz, der lautet „Können kommt von wollen!“ Meine Meinung ist: Man kann sich vieles auch ohne Hochschulstudium aneignen, gerade in der heutigen Zeit. Auch in sehr jungen Jahren! Was bringt mehr für das Unternehmertum? Sieben Sprachen und den Satz des Pythagoras beherrschen, oder doch das Menschliche, der Wille und der Fleiß für den Erfolg? Auch Ruhe und Besonnenheit, gerade für die schwierigen Zeiten, ist hilfreich.

Wie wichtig schätzen Sie Vorbilder und Mentoren ein, an denen man sich orientieren kann?
Als sehr wichtig! Es ist immer sinnvoll und in jüngeren Jahren umso wichtiger, sich Sparringspartner zu suchen, die einem Mehrwerte bringen, gerade dort, wo man selbst Schwierigkeiten hat. Auch ein Partner mit einem guten Netzwerk ist oft sehr hilfreich und macht vieles einfacher. In der Sendung wünschen wir uns, dass es in den Gründerteams unterschiedlich Charaktere gibt – diese Vielfalt hat viel mehr Chance auf Erfolg, als beispielsweise ein reines BWLer-Team!

Sehen sie sich selbst nun auch in der Rolle eines Ziehvaters, wie Sie es seinerzeit auch hatten?
Ich bin ein guter Sparringspartner, das ja! Wenn ich einen Deal mache, dann ist Geld zwar wichtig, aber noch wichtiger sind die Erfahrung und das Netzwerk, das ich mitbringe.

Unternehmertum heißt ja auch, Rückschläge zu erleiden. Was bringt Sie persönlich in solchen Momenten immer wieder voran?
Ich habe das Glück in meinem Leben gehabt, dass auf der Soll und Haben-Bilanz immer mehr Erfolge zu verbuchen waren. Nichtsdestotrotz ist das auch ein Kampfeswille. Ich verliere nur ungern. Dennoch: Gerade bei Misserfolgen braucht man ein Team und Menschen im Umfeld, privat oder beruflich, die einem die Augen für alternative Wege öffnen. Es bringt nichts, nach Misserfolgen tagelang ins Kissen zu heulen. Man darf Misserfolge haben und scheitern, aber man sollte immer einen Plan B haben. Schließlich schaffen es am Ende nur 15 Prozent der gestarteten Startups.

Sie haben Ihre Teilnahme auf dem Startup Camp zugesagt und werden dort in einem Fireside-Chat zum Gespräch bereit stehen. Welches persönliche Bedürfnis steht dahinter, mit den Menschen in Kontakt zu kommen?
Das hat zwei Gründe: Ich habe diese ganze Szene wirklich lieben gelernt, weil sie auch für mich spannend ist. Ich lerne von den Gründern selbst sehr viel und treffe viele verschiedene Gründertypen. Darüber hinaus freue ich mich, wenn ich jungen Unternehmern etwas mitgeben kann. Ich hatte ja auch nicht den Lottoschein in der Wiege liegen, sondern habe es mit den richtigen Menschen an meiner Seite und harter Arbeit geschafft. Ich identifiziere mich mit dieser Szene, es erinnert mich oft an meine Anfangszeit.

Sie werden am ersten Tag des Startup Camps anwesend sein. Wie sehr stehen Sie auch dort den Gründern zum Austausch bereit?
Grundsätzlich darf mich jeder ansprechen. Allerdings werden die Gründer nicht innerhalb von fünf Minuten ein Investment bekommen. Ich werde mir auch nicht alle Ideen anhören können, aber wir sind offen für alles. Bei DS Invest sind wir aber dennoch glücklich über jeder neue Idee, die da kommt und prüfen alles, was eingeht. Wenn es zu einem Investment kommt, dann bin ich mit den Gründern direkt in Kontakt und helfe persönlich, auch am Wochenende. Dann haben die Gründer auch meine Handynummer.

Stichwort „schlechte Zeiten“ – welche Fehler sehen Sie immer wieder?
Es gibt keinen 100prozentigen Erfolg, auch durch die Sendung nicht! Grundsätzlich gilt, erst einmal einen „proof of concept“ zu machen, ehe ein großer Personalapparat aufgebaut wird, der viel Geld verbraucht. Die richtige Kostenstruktur ist bei einem Startup in der Anfangsphase am wichtigsten. Viele scheitern daran, dass das Geld schon weg ist, ehe überhaupt Geld mit dem Produkt verdient werden konnte.

Sie haben in der vergangenen Staffel viel Geld investiert und viele der Produkte aus der „Höhle der Löwen“ laufen extrem gut. Entsteht bei Ihren Mit-Löwen dadurch jetzt ein gewisser Investitionsdruck?
Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Ich habe nicht den Eindruck, dass das so ist. Ich wehre mich auch dagegen, der „König der Löwen“ zu sein. Man muss nicht messen, wer die meisten Deals hat, sondern die qualitativ hochwertigsten. Wer daraus zum Schluss das meiste macht, wird der beste Partner für die Gründer sein.

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Foto (oben): DS Produkte

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.