Philipp Westermeyer im Interview Podcasts rocken und lassen sich einfach produzieren

Podcasts sind wie Phönix aus der Asche: Sie wurden schon vor Jahren als uninteressant totgesagt, erheben sich in jüngster Zeit aber zum Kult-Format. Und wo ein angesagtes Online-Medium ist, sind dessen Vermarkter nicht weit. Philipp Westermeyer von podstars.de gibt Podcast-Marketing-Tipps.
Podcasts rocken und lassen sich einfach produzieren

Podcasts gibt es ja schon sehr lange, aber erst seit Kurzem erreichen sie eine gewisse Massenverbreitung und Akzeptanz. Woran liegt das?
Der Trend aus den USA kommt erst jetzt langsam bei uns an. Dort sind Podcasts schon seit vielen Jahren etabliert und die erfolgreichsten haben Millionen Hörer. Grundsätzlich haben die vorinstallierte Podcast-App auf den iPhones und die stark vereinfachte Handhabung natürlich die Entwicklung begünstigt. Es gibt ja dank Streaming-Diensten, Smartphones etc. ohnehin eine ‘Generation Kopfhörer’, da ist Podcasting eine absolut logische Sache. Auch dank Netflix und Co. ist man ja gewohnt, seinen Medienkonsum selbst zu programmieren, was ebenfalls Podcasts begünstigt. Am Ende kommt inhaltlich dazu, dass es wahnsinnig gute Formate gibt, die das Potenzial andeuten. Bekanntes Beispiel ist sicher Serial, aber auch darüber hinaus gibt es extrem viele Themen mit super Angeboten.

Welche Vorteile und welche Nachteile haben Podcasts gegenüber anderen Medien: Texte, Bilder, Videos, Grafiken – Und zwar sowohl bezüglich des Konsumierens als auch ihrer Produktion?
In der Produktion sehe ich nur Vorteile. Selbst ein hochwertiger Podcast kann vermutlich günstiger produziert werden als jedes andere Medienformat. Für sehr geringen Production Value bekommt man enorme Intensität und Aufmerksamkeit der Nutzer selbst für den clever eingebundenen Werbeteil. Dieses Verhältnis zwischen Produktionskosten, Nutzungsintensität und Werbewirkung ist besonders.

Für welche Inhalte eignen sie sich Podcasts besonders?
Podcasts eigenen sich eigentlich für jede Art von Inhalten. Klar, Live-Content ist kein Thema für Podcasts, aber ansonsten gibt es alles. Am Ende ist ein Podcast ja vom Radio und Hörbüchern nicht weit entfernt. Dennoch ist ein Podcast etwas Besonderes, denn man identifiziert sich ein Stück damit, man ‘bestellt’ ihn sich. Das ist sehr persönlich, aber Inhalte-übergreifend.

Welche Zielgruppen erreicht man mit Podcasts gut und wie stark sind die Zielgruppen etwa in Zahlen?
In Deutschland hören laut einer Studie 1,3 Mio. Menschen täglich Podcasts. 13 % der Onlinenutzer ab 14 Jahren hören Podcasts. Die Reichweiten von ‘Podcasting’ sind zum Teil größer als die von Streaming-Angeboten wie Spotify, nur es wird weniger darüber gesprochen, weil es kleinteiliger auf verschiedene Anbieter verteilt ist. Wir haben mit unserem Netzwerk zum Thema ‘Digital Business’ über 100.000 Hörer im Monat. Ich weiß nicht, wo man so viele Menschen zu dem Thema sonst noch so hochwertig und intensiv ansprechen kann, wirklich nicht. Abgesehen von deutsche-startups natürlich… ;-) Aber unsere Aufgabe ist es, Werbetreibenden genau das zu erklären.

Für welche Zwecke könnten Startups Podcasts vor allem nutzen?
Da gibt es zahlreiche Varianten wie Fortbildung, Know-How-tanken und Inspiration zum Thema Startups wie z.B. beim Podcast von digital kompakt, a16z oder dem Startup-Podcast von Gimlet. Daneben kann man natürlich selber einen Podcast aufbauen und damit relativ einfach ein Thema besetzen oder man kann in Podcasts Werbung schalten und günstig und sehr intensiv seine Zielgruppen erreichen. Hierfür gibt es in den USA mit werbetreibenden Startups wie Casper, MeUndies, SoFi usw. extrem viele Erfolgsbeispiele.

Welches sind die 7 wichtigsten Tipps für Podcast-Produzenten, um richtige ‘Burner’ zu produzieren, mit denen man mitten ins Herz der Zielgruppe trifft und mit denen die Reichweite sich schnell massiv steigern lässt?
Meine sieben Punkte wären: Know how zu einem Thema mit echten Insights teilen (kein Blabla), authentisch sein und nichts ‘simulieren’, klare Meinung beziehen und ab und an auch polarisieren, die Zuhörerschaft unterhalten und nicht zu lang sein. Es gibt im Markt zwar viele Ausnahmen, aber mein Gefühl ist, dass länger als 60 Minuten schon sehr lang ist. So lange joggen, fliegen oder fahren die wenigsten Leute regelmäßig. Die ersten Folgen sollten es am besten bei iTunes in die Rubrik ‘Neu & beachtenswert’ schaffen. Daraus folgen dann neue Follower und eine gute Chart-Platzierung und damit wieder mehr Follower usw. Generell gilt: Je mehr Ideen man für eine gute Auffindbarkeit seines Podcasts hat, desto besser. Denn zurzeit gibt es noch keine wirklich ‘Entdeckungsplattform’, Es einfach mal machen und eine Folge produzieren…!

Was konkret könnt Ihr für eure Kunden tun?
Wir sind davon überzeugt, dass wir unseren Kunden eine sehr attraktive Zielgruppe anbieten können, die man so in der Größe und Zielgenauigkeit plus der intensiven Wahrnehmung der Werbebotschaft nicht bekommen kann (siehe auch oben). Die Botschaft geht direkt ins Ohr der Hörer und findet auf nachhaltige Art und Weise Gehör in der gewünschten Zielgruppe. Wir unterstützen bei der Werbemittelerstellung. Dabei benötigen wir nur 3 bis 4 Stichpunkte und unsere Hosts sprechen die Botschaften nativ ein.

Sind eure Dienstleistungen auch für junge Startups relevant und erschwinglich?
Definitiv! Wir hatten ja auch schon mehrere junge Startups bei uns dabei, die im Podcast geworben haben. Wir freuen uns über aufstrebende neue Partner sowie über globale Brands. Unser Ziel ist es, allen Partner ein passendes Paket anbieten zu können.

Zur Person
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Philipp Westermeyer ist Gründer und Geschäftsführer der Online Marketing Rockstars. Podstars ist eines der ersten Vermarktungs-Netzwerke für Podcasts in Deutschland.

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Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.