Hej ist für Sporter da! Ist nichts schief gegangen? “Das wäre ein Traum”

"Wir hatten, trotz Sommerloch, im Juli den besten Monat aller Zeiten und sehen keinerlei Anzeichen für abflauendes Wachstums. Wir wollen, ganz im Gegenteil, noch eine Schippe drauflegen und werden im Herbst zum ersten mal auch fremdes Kapital annehmen", sagt Hej-Macher Jannik Stuhlmann.
Ist nichts schief gegangen? “Das wäre ein Traum”

Mit Protein Projekt, das schon für den Deutschen Gründerpreis nominiert war, verkaufen Julius Wolf und Jannik Stuhlmann seit 2014 klassische Sportlernahrung – wie etwa Nu3 und Vitafy auch. “Das stetig wachsende Gesundheitsbewusstsein gekoppelt mit dem Trend zum Breitensport Fitness passte überhaupt nicht zur recht veralteten Anbieterseite in Deutschland”, sagt erklärt Gründer Wolf zu den Beweggründen, Protein Projekt zu starten.

Wie viele E-Commerce-Anbieter gehen auch die Hamburger Sandkastenfreunde nun den Weg in Richtung Eigenmarken. Das neue Label der Protein Projekt-Macher heißt schlicht Hej. Zum Start gibt es etwa einen energiereichen Proteinriegel. Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen Julius Wolf und Jannik Stuhlmann über Marschrouten, Müll und Mädels.

“Wir mussten zunächst einmal sehr viel lernen”

Nach Protein Projekt, einer Plattform für Nahrungsergänzungsmittel, starten Sie nun Hej, ein “Produktlinie für zeitgemäße Sporternährung”. Was ist denn zeitgemäß an ihren Produkten?
Wolf: Mit dem Protein Projekt konnten wir nur die Aufmachung der Produkte im Internet verändern, nicht die Produkte selbst. Wir waren der erste Shop in Deutschland, der vor zweieinhalb Jahren komplett weg vom Bodybuilding, einen Lifestyle-Shop für Nahrungsergänzung gemacht hat. Das kam super bei den Kunden an. Hej ist nun unsere logische Fortführung dieser Story. Nur wenige, ausgewählte Inhaltsstoffe, nachhaltige Verpackungen und eine bessere Aufmachung der Produkte.

Wie lange hat die Umsetzung von Hej gedauert – von der Idee bis zum fertigen Produkt?
Stuhlmann: Zum ersten Brainstorming haben wir uns mit zwei weiteren Ratgebern im Mai 2015 ein Wochenende lang im Ferienhaus eingeschlossen. Als wir da rauskamen haben die Köpfe gequalmt und die Marschroute stand. Die Produkte waren dann Ende 2015 fertig.

Ist auf dem Weg zum fertigen Produkt nichts schief gegangen?
Stuhlmann: Das wäre ein Traum. Wir mussten zunächst einmal sehr viel lernen. Wir mussten das Lebensmittelrecht, die EU-Health Claims, Labellingvorschriften und vieles mehr verstehen. Dazu waren unsere ersten Rezepturen einzig für den Müll geeignet. Nach und nach haben sie sich verbessert und Anfang November hatten wir so langsam das Gefühl, etwas richtig Gutes kreiert zu haben.

Sie verkaufen nun andere und eigene Produkte – war dies schon beim Start 2014 geplant?
Wolf: Den Traum, eines Tages etwas eigenes zu produzieren gab es durchaus auch am Anfang – aber wir hätten uns nie träumen lassen, wie schnell es dann alles ging. Die Kunden haben uns mehr und mehr gefragt, wann sie denn endlich eine Produktlinie von uns direkt hergestellt kaufen können. Da haben wir gemerkt, dass unsere Kunden nicht produkt-treu sind, sondern shop-treu. Sie wollten nicht nur bei uns kaufen, sondern am besten auch direkt von uns.

Wer sind denn überhaupt ihre Kunden?
Wolf: Unsere Kunden sind breit gefächert. Es sind viele junge Mädels dabei, die auf dem Weg zur Traumfigur ihren Sport mit den richtigen Produkten unterstützen wollen. Dann sind da viele Jungs die früher klassische Nahrungsergänzung genommen haben und die sich mit unseren Produkten besser identifizieren können. Aber auch Top-Athleten wie zum Beispiel Julia Müller aus der Hockey-Nationalmannschaft greifen aktuell in Rio zu den Hej-Produkten.

Es gibt zahlreiche Plattformen, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen. Wo stehen sie – in Zahlen ausgedrückt?
Stuhlmann: Wir haben aus eigenem Bedarf heraus gegründet. Wir hatten in 2014 keinen einzigen Shop gesehen, wo wir gern eingekauft hätten. Daher war das Argument, dass es schon viele machen für uns eher sekundär. Wir waren der Meinung, dass es keiner gut macht. In unserem dritten Geschäftsjahr werden wir einen Umsatz im mittleren siebenstelligen Bereich erwirtschaften. Anders als bei vielen in unserer Branche ist dies keineswegs mit horrenden Verlusten erwirtschaftet, sondern wir arbeiten seit diesem Jahr im Break-Even und besitzen weiterhin 100 % unserer eigenen Firma. Hej wird dieses Jahr über 30 % des Umsatzes ausmachen.

Wollen Sie weiter organisch wachsen oder sind Sie für Investoren offen?
Stuhlmann: Bislang haben wir Anfragen abgelehnt, da wir es zu früh für die Firma fanden. Jetzt wo Hej erfolgreich im Markt steht, wollen wir größere Ziele angehen. Dafür werden wir erstmalig im Herbst eine Funding-Runde durchführen.

Wo steht Protein Projekt und wo steht Hej in einem Jahr?
Stuhlmann: Wir hatten, trotz Sommerloch, im Juli den besten Monat aller Zeiten und sehen keinerlei Anzeichen für abflauendes Wachstums. Wir wollen, ganz im Gegenteil, noch eine Schippe drauflegen und werden im Herbst zum ersten mal auch fremdes Kapital annehmen, um noch deutlich größere Ziele anzugehen. Im nächsten Jahr wird HEJ an die 50% des Umsatzes ausmachen und das Unternehmen doppelt so groß sein.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.