Gründerin spricht Tacheles “Einem Mann hättet ihr diese Frage nicht gestellt”

Jennifer Meister und Katja Manger gründeten das Berliner Start-up Coachimo, einen Online Marktplatz für Coaching und Weiterbildung. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Meister ganz offen über Familienplanung, Klischees und Vorurteilen bei Gründerinnen.
“Einem Mann hättet ihr diese Frage nicht gestellt”

Jennifer Meister und Katja Manger gründeten gemeinsam Coachimo. “Der Online Marktplatz für Coaching und individuelle Weiterbildung richtet sich an Menschen, die auf der Suche nach professionellen und semi-professionellen Coaches sind, um vorhandene Kenntnisse auszubauen oder neue Fähigkeiten zu erlernen”, so heißt es auf der Webseite. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründerin Meister über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Wie definieren Sie sich als Gründerin – im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen in der Start-up-Szene?
Ich glaube, dass Frauen häufig emotionaler an Dinge herangehen als Männer. Das mag auf den ersten Blick wie ein Minuspunkt wirken. Gerade das Thema Coaching ist aber ein sehr emotionales Feld. Da geht es um Einfühlung, um Verständnis. Unsere Coaches – und natürlich auch die Coaches – wollen sich auf unserer Plattform aufgehoben fühlen. Da ist eine ansprechende, emotionale Aufmachung der Webseite, aber auch der persönliche Kontakt unabdingbar.

Gründen Gründerinnen eher nach Neigung?
Wenn ich mich in meinem Netzwerk umschaue, lautet die Antwort definitiv: Ja. Das trifft aber meiner Beobachtung nach ebenso auf männliche Gründer zu. Schließlich muss man für eine Idee brennen, um sich voll reinzuhängen und auch schwierige Phasen gut zu überstehen. Gleichzeitig reicht Neigung für eine erfolgreiche Gründung natürlich keineswegs aus. Entscheidend ist letztlich, dass es einen Markt für deine Idee gibt und dass sie sich monetarisieren lässt. Das sollte aber eigentlich jedem Gründer und jeder Gründerin klar sein

Welches Vorurteil gegenüber Gründerinnen können Sie in einen Satz widerlegen?
Dass es immer nur um Emotionen geht und Finanzen keine Rolle spielen. Zwar können Frauen oft emotionaler sein, das heißt aber nicht, dass sie keinen Blick fürs Finanzielle haben.

Aber Hand aufs Herz: Welches Klischee erfüllen Sie denn? 
Ehrlich gesagt halte ich nicht so viel vom Klischeedenken. Klar mag es biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen geben, die bestimmte Verhaltensweisen und Eigenarten begünstigen. Ich selbst habe beispielsweise einen unterirdischen Orientierungssinn (lach). Insgesamt glaube ich aber, dass Klischees gerade durch das Internet immer weiter aufgebrochen werden. Zum Beispiel fällt mir in letzter Zeit verstärkt auf, dass mehr und mehr Web-Entwicklerinnen in Social-Media-Gruppen aktiv werden. Das wäre vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen, schließlich gilt die Developer-Szene eigentlich als klare Männer-Domäne. Hier zeichnet sich ein deutlicher Umbruch ab. Das halte ich für eine sehr positive und kaum zu unterschätzende Entwicklung.

Welche Rolle spielt für Sie Familienplanung?
Im Moment richte ich meinen Fokus ganz klar auf Coachimo. Letztlich bin ich aber überzeugt davon, dass man Familie und Business unter einen Hut bekommen kann, auch als Gründerin. Das beste Beispiel dafür ist meine Co-Founderin Katja: Ihre Tochter ist erst seit ein paar Monaten auf der Welt und trotzdem schafft sie es, auch weiterhin für Coachimo da zu sein! Allein die Frage zeigt aber, dass es für Frauen oft immer noch schwieriger ist Familienplanung und Karriere miteinander zu vereinbaren. Einem Mann hättet ihr diese Frage sicherlich nicht gestellt.

Was wollten Sie schon immer mal als Gründerin gefragt werden?
Welche Vision wir mit unserem Start-up haben. Jeder Gründer und jede Gründerin sollte eine Vision haben, um am Ball zu bleiben. Das Start-up-Leben kann oft sehr hart sein und gerade in schweren Situationen ist es unabdingbar, das “Big Picture“ zu sehen. Damit motiviert man nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch sein Team.

Welchen Tipp können Sie anderen Gründerinnen geben?
Seid offen für Neues und denkt immer daran, dass Lernen ein niemals endender Prozess ist! Wenn ihr euch in einem Feld noch nicht so gut auskennt, dann fragt andere um Rat, bildet euch weiter, macht Coachings. Vernetzt euch und helft auch anderen aus euren Erfahrungen zu lernen. Auf den Punkt gebracht, würde ich als Tipp einfach den Slogan von Coachimo anführen: „Bring dich weiter!“

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Conny Nolzen, geboren 1989, arbeitet seit September 2015 als Volontärin bei deutsche-startups.de. Die Hamburgerin konnte bereits, neben ihrer Tätigkeit als Pferdewirtin, verschiedene Start-ups mit kreativen Ideen unterstützen. Ihr besonderes Interesse galt hierbei den Gründerinnen der Szene. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie in der Nachrichtenredaktion eines Hamburger Radiosenders. Mit Conny kam auch der erste Bürohund zu ds - welcher (meistens) auf den Namen Emil hört.