In "365 to CEO“ Speedstartstudio beschleunigt in Hochgeschwindigkeit

Speedstartstudio ist ein “Excubator”, der mithilfe einer ausgewählten Gruppe aus Corporate Partnern Unternehmen im digitalen und Online- Bereich entwickelt. Unterstützt wird das Unternehmen mit Sitz am Bodensee durch Michael Breidenbrücker, Gründer der ersten Stunden und zugleich Partner bei Speedinvest.
Speedstartstudio beschleunigt in Hochgeschwindigkeit

Gründern der ersten Stunde oder Musikliebhabern wird sein Name ein Begriff sein: Michael Breidenbrücker ist Musiker, hat bereits mehrere Start-ups begleitet und mit seinem Unternehmen „Last.Fm“ konnte er bereits 2007 einen millionenschweren Exit hinlegen. Er ist zugleich Partner bei Österreichs größten VC-Fond, Speedinvest. Nun unterstützt der gebürtige Voralberger als Teil des Wiener Risikokapitalgebers aufstrebende Unternehmen als Gründer.

Speedstartstudio ist ein “Excubator”, der mithilfe einer ausgewählten Gruppe aus Corporate Partnern Unternehmen im digitalen und Online- Bereich entwickelt.

Mit dem Firmensitz in Dornbirn (AT) am Bodensee sucht Speedstartstudio die Nähe zu traditionell nicht digitalen Industriesektoren, um mit ihnen Möglichkeiten im digitalen Raum zu erkennen und neue, spannende Unternehmen zu bilden. Michael Breidenbrücker steht Christoph Böckle als Gründer zur Seite. Das Speedstartstudio arbeitet mit Groß- und mittelständischen Unternehmen zusammen.

Im Interview spricht Michael Breidenbrücker über das Modell Excubation, die Investorenlandschaft und über Deutsche im Startup-Team. Über dieses und vieles mehr berichten wir regelmäßig in unserem Themenschwerpunkt Österreich.

Seit wann bist du Partner bei Speedinvest?
Seit 2015 bin ich Partner, saß aber bereits seit Bestehen von Speedinvest im Jahr 2011 im Investmentkommitee. In dieser Funktion suche ich mit aus, wer von den Unternehmen ein Investment bekommt, und wer nicht. Daher habe ich auch schon Speedinvest1 mitgemacht.

Nun hast du Speedstartstudio gegründet. Was genau ist das?
Die Digitalisierung hat mittlerweile eine so unglaubliche Dynamik und Größe, dass auf einmal alle Bereiche und nicht-digitale Unternehmen wie Maschinenbau, Chemie etc. davon betroffen sind. Aber genau diese Industrien sind unsere Zukunftsmärkte. Entgegen der klassischen Internetthemen sind diese Industrien bislang quasi noch völlig jungfräulich.

Etwa 2012 ist mir bewusst geworden, dass ich mir externes Know-how hinzuholen muss, wenn ich in diesen Märkten aktiv werden will. Denn: ich weiß genau gar nichts über Maschinenbau oder Chemie. Also holt man sich externe Partner mit an Bord, die nicht nur das nötige Fachwissen mitbringen, sondern auch das entsprechende Distribution-Netzwerk. Daher haben wir Speedstartsudio gegründet. Es versteht sich als Company Builder. Wir holen die Corporates dabei bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit an Bord. Wir nennen diese Modell Excubation, das heißt: wir bauen mit Coporates gemeinsam extern neue Companies auf. Das Gründerteam kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt hinzu.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Damit es nicht zu Verwechslungen kommt: Was wir nicht sind, ist so ein Modell – und davon gibt es auch in Deutschland Beispiele – wo Start-ups mit Corporates gematcht werden. Meiner Meinung funktioniert es nämlich nicht, bereits bestehende Start-ups, die bereits erste Umsätze generieren, mit einem Corporate zusammenzubringen. Das ist ein Albtraum. Die Corporates bewegen sich für Startups einfach zu langsam. Mein Credo für kleine Startups lautet: take care of corporates. Bei Speedstartstudio setzen wir viel früher an.

Nicht mit Corporates zusammenarbeiten? Das ist ein Statement! Der Trend geht ja derzeit dahin, dass sich ja fast jedes Startup ein Corporate sucht.
Sollen sie ja auch. Die Frage ist: zu welchem Zeitpunkt? Für mich ist der Zusammenschluss von Corporates und Start-ups häufig inkompatibel. Der Grund hierfür liegt in der Geschwindigkeit der Corporates. Sie agieren zu langsam und gehen von Voraussetzungen aus, die in der Corporate-Welt ja vielleicht Sinn machen, aber ein Start-up kann diese vielfach nicht erfüllen. Junge Gründer arbeiten auf Sparflamme und werden an jeder Ecke gebraucht, statt beispielsweise in Sitzungen rumzuhängen. Start-ups brauchen meiner Meinung nach bereits eine gewisse Größe, um mit Corporates arbeiten zu können.

Speedstartstudio löst dieses Problem auf andere Art: Wir nehmen die Arbeit vorneweg. Wir machen das Marktmonitoring und suchen die Industrien, mit denen wir zusammenarbeiten wollen. Was folgt sind der entsprechende Deal, die Ausarbeitung des Konzeptes und die Marktanalyse. Erst wenn das alles geklärt ist, suchen wir die passenden Gründer aus. Die finden wir über unser Netzwerk und über die Universitäten, darunter beispielsweise Liechtenstein und St. Gallen. Der Vorteil an dieser Herangehensweise ist: die Arbeit kann direkt beginnen, weil alles andere wie Verträge, Finanzierung etc. längst geregelt ist. Unser Slogan lautet: „365 to CEO“.

Meist investieren wir als Speedstartstudio dann eine Summe Geld ebenso wie der Corporate. Das Kapital stammt eine KG und wir haben da verschiedene Partner an Bord.

Wie bekannt seid ihr nach etwa einem Jahr des Bestehens in der deutschen Investorenszene?
Man wird langsam auf uns aufmerksam. Wir haben jetzt die ersten Companies auf einem guten Weg. Bei den jungen Gründern sind wir leider immer noch viel zu unbekannt. Das müssen wir ändern.

Derzeit haben wir ein Büro in Wien und eines in Vorarlberg, scannen aber natürlich auch den deutschen Markt. Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter kommen derzeit aus Deutschland. Und zwei der aktuell sechs Spin-Off’s des Studio ziehen dieser Tage nach München. Das macht Sinn, weil die Investoren aus Deutschland kommen und der Deutsche Markt viel grösser ist.

Ist es Zufall oder gewollt, dass es deutsche Investoren sind?
Obwohl es natürlich Sinn macht, einen Investor aus München oder Berlin zu haben, um PS auf die Straße zu bekommen, ist das in diesem Fall Zufall. Erst der nächste Schritt wäre dann der US-amerikanische Investor.

Können denn deutsche Gründer jetzt einfach bei euch anrufen und um ein Projekt bitten?
Ja, wenn sie zu uns kommen möchten, sehr gerne. Die Gründer müssen allerding vor Ort sein und daher entweder nach Dornbirn oder Wien ziehen. Allerdings denken wir gerade darüber nach, ein Büro in München zu eröffnen.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.