Gastbeitrag von Marco Duller Warum die Politik, die Sharing Economy ausbremst

Mieterverband, Hotels und sicherlich auch der ordnungspolitische Sinn einiger Politiker haben zu dem Zweckentfremdungsverbot geführt. Begründet wird es immer wieder mit dem mangelnden Wohnraum und den steigenden Mietpreisen. Aber bei einer Netto-Zuwanderung und einer trägen Bautätigkeit kein Wunder.
Warum die Politik, die Sharing Economy ausbremst

Medien und Öffentlichkeit diskutieren über FinTech, InsurTech und PropTech – aber was ist eigentlich aus der Sharing Economy geworden? Die Revolution unseres Nutzungsverhaltens ist in vollem Gange und wird sich noch immer weiter fortsetzen: „Who shares cares!“ Der Vorteil ist, dass das Geschäftsmodell die Menschen mit ihren individuellen Interessen und Wünschen mit einbezieht. Vorhandene Ressourcen können über Plattformen monetarisiert werden. Beide Seiten profitieren, denn oftmals ist es günstiger ein Zimmer über Airbnb zu mieten, als ein Hotel zu buchen oder für den Transport Uber zu verwenden, als das Taxi.

Sharing Economy ist im Kern urkapitalistisch

Erst kürzlich schrieb Farhad Manjoo in der New York Times über Carpooling und brachte Uber damit in Verbindung. Viele Probleme können mittels Sharing Economy gelöst werden. Gerade in deutschen Großstädten ist es nicht unbedingt nötig ein eigenes Auto zu haben – aber deshalb sinkt das Mobilitätsbedürfnis ja bei Weitem nicht. Die Sharing Economy ermöglicht nicht nur Ressourcen vernünftiger einzusetzen und auszulasten – eigentlich ein Kernanliegen des Kapitalismus – auch demokratisiert es nicht zuletzt die Mobilität, aber auch das Wohnen.

Wer kennt es nicht? Die Wohnung steht leer bzw. ein Auslandspraktikum steht an. Was gibt es besseres, als die ungenutzte Wohnung zu vermieten und sich ein Teil der Kosten für das Auslandspraktikum wiederzuholen?! Auch ist es doch nicht zu verteufeln, dass Unternehmen mit ihrer Dienstleistung, nämlich dem Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage Geld verdienen wollen. Manchmal wundere ich mich, dass die Politik nicht gleich selbst tätig werden will – der Trend geht hin zu mehr staatlicher Fürsorge.

Airbnb und Uber sind die beiden großen Leuchttürme der Sharing Economy und beide ecken mit ihren Ideen an bestehende Regulierungen und Gesetzen an. Beide haben aber auch ein ganz anderes Auftreten. Während Uber sehr aggressiv auf den Markt eingetreten ist und sich erst einmal über so manches Hindernis einfach hinweggesetzt hat, hat sich Airbnb zumindest in der Auseinandersetzung mit dem Senat Berlin über die Nutzung von Wohnungen als Ferienwohnungen moderat und kooperativ gezeigt. Nicht zuletzt eine Studie mit dem Nutzen von Airbnb sollte die Politik davon überzeugen, dass die Sharing Economy auch etwas Positives hat. Spannend wird sein, wie Airbnb und die Vermieter reagieren werden und wie stark Berlin kontrolliert. Allein bei der Sonntagsöffnung der Spätis und deren unterschiedlich strenge Ahndung nach Bezirken zeigt, dass die Verwaltung bei Weitem nicht so schlagkräftig ist und eher auf Denunzianten angewiesen sein wird.

Schutz der Bürger oder Schutz von älteren Interessen?

In Berlin ließ sich die Politik nicht überzeugen. Mieterverband, Hotels und sicherlich auch der ordnungspolitische Sinn einiger Politiker haben zu dem Zweckentfremdungsverbot geführt. Begründet wird es immer wieder mit dem mangelnden Wohnraum und den steigenden Mietpreisen. Aber bei einer Netto-Zuwanderung und einer trägen Bautätigkeit kein Wunder. Jahrelang wurde es versäumt Berlin fit für die Zuwanderung zu machen. Das Airbnb das Problem verschärft hat, bleibt zweifelhaft. Dass es durch ein Vermietungsverbot entschärft wird, erst recht. Dennoch ist immer wieder zu lesen, wie viel besser die Wohnungssituation in Berlin doch wäre – ohne Airbnb – und Hotels gibt es ja auch genug für all die Touristen. Für die Politik scheint die Angelegenheit erledigt, zeigt aber einmal mehr, wie weit weg sie sich von der jungen Generation befindet und das gar nicht die Nachfrage das Problem von neuen Geschäftsmodellen ist, sondern die Regulierung. Darauf zu reagieren, ist nicht immer einfach. Der Aufbau des Unternehmens steht im Vordergrund, die weltweite Expansion – da bleibt wenig Raum für eine aktive Stakeholderkommunikation. Daneben schlafen die etablierten Interessenvertreter bei Weitem nicht. Neues macht Angst und wird allzu oft zu schnell dämonisiert. Alles muss geregelt sein – ist es bei neuen Geschäftsmodellen auch – vielleicht nur nicht, wie sich andere das vorstellen.

Zur Person
Marco Duller ist unser Public Affairs Experte. Angefangen hat alles in der IT- und Tabakindustrie. Die meisten Erfahrungen sammelte er aber im Fernbusmarkt. Als Leiter Politische Beziehungen für den Fernbusmarkt hat er den vormals regulierten Bereich aktiv mitaufgebaut.

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Foto: Sharing Economy placard with urban background from Shutterstock

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