Gastbeitrag von Diethelm Siebuhr Cloud Computing: Kostenvorteile sind nicht alles

Zentrale Themen beim Cloud Computing sind nach wie vor Sicherheit und Datenschutz. Viele Startups gehen jedoch nachlässig und somit fahrlässig damit um. Das ist zwar insofern verständlich, als für ein Startup zunächst viele andere Themen wichtiger erscheinen.
Cloud Computing: Kostenvorteile sind nicht alles

Für Startups bietet Cloud Computing enorme Vorteile: sie müssen nicht mit hohen Investitionen in die IT in Vorleistung gehen und können auf das Know-how erfahrener Partner zurückgreifen. Aber die Auswahl des Cloud-Service-Providers kann zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden.

Skalierbarkeit der IT ist für ein Startup noch wichtiger als für andere Unternehmen. Am Anfang ist das Budget begrenzt, aber man rechnet natürlich damit, dass das Business bald „abhebt“. Doch der Aufbau einer eigenen IT-Infrastruktur erfordert hohe Investitionen und einen erheblichen Zeitaufwand. Oft fehlt auch das entsprechende Know-how, vor allem bei den Themen Sicherheit und Datenschutz, denn Startups setzen beim Aufbau ihrer Teams naturgemäß andere Schwerpunkte. Um schnell über eine leistungsfähige, flexible und skalierbare IT-Infrastruktur verfügen zu können, bieten sich für Startups Cloud-Lös­ungen als Erfolgsfaktor an.

Mögliche Kostenvorteile sind dabei nur ein Aspekt. Natürlich kann ein Provider die IT-Services aufgrund von Skaleneffekten zu geringeren Kosten anbieten als eine interne IT. Aber auch der Provider will und muss sein Geschäft machen; echte Einsparungen für den Anwender ergeben sich deshalb erst, wenn es ihm gelingt, die Hauptvorteile von Cloud-Computing, also die höhere Flexibilität und Anpassbarkeit der Ressourcennutzung an den Bedarf, so zu nutzen, dass dadurch für ihn selbst Mehrwert entsteht. Dieser Aspekt muss auch bei einem Startup im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Erst auf dieser Basis kommen Vorteile durch Cloud-basierte Softwarelösungen, leichtere Implementierung und Datenhandling zum Tragen.

Bei Cloud-Services unterscheidet man zwischen Cloud-Diensten auf unterschiedlichen Ebenen. Gemeinsam ist die Idee des “as a Service”, das die Basis des Cloud Computing bildet und kann sich auf Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) beziehen. Bei Infrastruktur geht es um Ressourcen von der Rechenleistung bis zu Netzwerkkapazitäten, bei Plattform um die Umgebung inklusive der gemanagten Betriebssysteme und System-Appli­ka­tionen. Software as a Service steht für Nutzeranwendungen, die basierend auf Cloud-Technologien betrieben werden, beispielsweise die klassischen Internet-basierten E-Mail-Dienste. Welche Services für ein Startup in Frage kommen, hängt natürlich von den jeweiligen Anforderungen ab, wobei sich in der Praxis eine Mischung unterschiedlicher Formen ergeben wird, denn man hat ja nicht nur eine bestimmte IT-Aufgabe zu erfüllen.

Der richtige Cloud-Mix

Ähnlich verhält es sich mit den bekannten Cloud-Modellen. Es geht heute nicht mehr um Cloud oder Nicht-Cloud, sondern den richtigen Cloud-Mix, also die optimale Nutzung von Private- und Public- oder auch Hybrid- und Multi-Cloud-Lösungen. Parallel dazu sollte sich jedes Startup gleich zu Beginn die Frage stellen, ob man die Cloud selbst betreiben  oder sie in die Hände eines professionellen IT-Providers geben möchte. Denn jedes Modell lässt sich im Do-it-Yourself-Verfahren nutzen oder als “managed” Lösung realisieren. Pu­blic-Cloud-Angebote bieten meist die einfachste und schnellste Lösung, jedoch ohne die nötige Beratung. Allerdings ist es gerade das, was für Startups in der Entstehungsphase ihrer Firma so extrem wichtig ist: folgeschwere Fehler vermeiden sowie klare Strukturen und Verantwortlichkeiten definieren. Kompetente IT-Partner, die die Klaviatur der IT Stacks aus dem Effeff beherrschen, sind hier die Alternative. Grundsätzlich können alle Unternehmen, die digitale Lösungen nutzen und anbieten, davon profitieren, dass sie nicht alles Inhouse auf die Beine stellen. Ein unabhängiger Dienstleister  dient außerdem als Sparringspartner. Teurer wird es dennoch nicht.

Da ein Cloud-Service-Provider wesentliche Geschäftsprozesse übernimmt, ist die Auswahl eines geeigneten Geschäftspartners von großer Bedeutung. Startups sollten dabei auf folgende Punkte achten.

  • Partner auf Augenhöhe
    Die Größenverhältnisse von Provider und Anwender sollten zusammenpassen. Ein Startup wird bei einem sehr großen Anbieter oft nicht genügend wahr- beziehungsweise ernstgenommen. Wichtig ist es, einen Partner zu finden, mit dem man auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten kann.
  • Klare Ziele
    Bei der Vergabe von Leistungen an einen externen Partner sind die Ziele klar zu definieren. Anforderungen und Erwartungen müssen deutlich kommuniziert werden.
  • Gute Branchenerfahrung
    Viele Service-Provider verfügen zwar über IT-, aber nicht über Branchenerfahrung. Nur ein Provider, der sich in einer Branche auskennt, versteht deren Prozesse und kann beispielsweise Trends erkennen oder passende Technologien einsetzen.
  • Flexible Vergütungsregelung
    Unternehmen sind durch vertragliche Vergütungsregelungen gebunden und können ihre IT-Kosten nicht entsprechend der Geschäftsentwicklung steuern. Service-Provider sollten flexible Kostenmodelle anbieten, die eine Skalierung ermöglichen.
  • Einfacher Anbieterwechsel
    Ein Startup kann meist nicht absehen, in welche Richtung sich ihr Business entwickelt und wie schnell Ressourcen skaliert werden müssen. Daher darf es für einen Anbieterwechsel weder technische noch vertragliche Barrieren geben. Doch auch die Migration und die Anpassung von Prozessen erfordern Zeit und Geld. Am besten ist es, wenn ein Startup einen Partner hat, der mit einem wächst und der das Business versteht.

Sicherheit und Datenschutz

Zentrale Themen beim Cloud Computing sind nach wie vor Sicherheit und Datenschutz. Viele Startups gehen jedoch nachlässig und somit fahrlässig damit um. Das ist zwar insofern verständlich, als für ein Startup zunächst viele andere Themen wichtiger erscheinen. Aber bei Cyber-Angriffen gibt es auch für Startups keine Schonfristen, im Gegenteil: Angreifer werden sich bevorzugt gegen neue Unternehmen richten, von denen sie annehmen können, dass das Thema Sicherheit noch nicht gänzlich etabliert ist. Da die wenigsten neuen Unternehmen in der Lage sind, gleich vom ersten Tag an eine technologisch reife Abwehrlösung im produktiven Betrieb bereitzustellen, empfiehlt sich gerade hier der Rückgriff auf das IT-Security-Mo­dell eines erfahrenden Providers.

Startups müssen sich außerdem mit der Frage auseinandersetzen, ob und wie mit Ausspähaktionen und Risiken von Hackerangriffen umgegangen werden soll. In jedem Fall sollten Unternehmen die Einhaltung des BDSG durch Cloud Provider als ein zentrales Beurteilungskriterium bei der Lieferantenauswahl beachten. Hierbei helfen unabhängige Zertifizierungen, wie “German Cloud” und ISO 9001, 27001 für eine erste Analyse der Datensicherheit eines Cloud Providers. Durch die Auswahl eines deutschen Providers und nicht nur eines deutschen Standorts sind Unternehmen auf der sicheren Seite bei Datenschutz und -sicherheit. Denn auch für neue Unternehmen gilt, dass Kunden- und Absatzdaten grundsätzlich nicht in die Public Cloud eines Anbieters mit Rechenzentren im Ausland gehören.

Für Startups ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: Investoren achten immer öfter darauf, dass ein neues Unternehmen über ein konsistentes IT- und Sicherheitskonzept verfügt, und das umfasst heute auch ein vernünftiges Cloud-Konzept.

Zur Person
Diethelm Siebuhr ist CEO der Nexinto Holding. Nexinto beteiligt sich als Partner am Accelerator-Programm der Media-Saturn-Gruppe. Das Programm gibt jungen, innovativen Unternehmen aus dem Consumer-Electronics-Retail-Markt professionelle Unterstützung.

Foto: Cloud computing concept: pixelated Cloud Technology icon on digital background, 3d render from Shutterstock

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