Die Höhle der Löwen #dhdl Spottster: Löwen-Schelte ist eher ein Ritterschlag

Spottster aus Hamburg sind aus der Höhle der Löwen ohne Investor zurückgekehrt – und mehr noch: Nach der Sendung gab es empörte Äußerungen im Web, weil die Gründer von den Löwen scheinbar fertig gemacht wurden. Genauer betrachtet war diese vermeintliche Schelte aber eher ein Ritterschlag.
Spottster: Löwen-Schelte ist eher ein Ritterschlag

Ziemlich überrascht verfolgten die Spottster-Gründer Freya Oehle und Tobias Kempkensteffen zusammen mit diversen Freunden die Ausstrahlung der Folge von ‘Die Höhle der Löwen‘, in der sie selbst Anfang 2015 vor den 5 Investoren gepitcht hatten. Natürlich wusste das Spottster-Team längst, dass sie aus der Sendung ohne Investor nach Hause gefahren waren.

Aber sie waren dennoch guter Dinge, hatte es doch während der Aufzeichnung viel Lob und Anerkennung von allen Seiten gehagelt. Insofern würde die Ausstrahlung nun sicher einen tollen positiven PR-Schub bringen.

Und dann das: Der Zusammenschnitt des insgesamt fast zweistündigen Drehs ließ die beiden Jungunternehmer auf den ersten Blick als ziemlich ‘schlecht vorbereitet’ dastehen, ein Eindruck, der durch die off-Kommentare der Redaktion noch unterstützt wurde – siehe auch “Die Höhle der Löwen – was sagt Felix? Genuss auf sechs Beinen oder was es nicht alles gibt“.

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Selbst der Titel des Videos für den Spottster-Part der #dhdl-Sendung in der Vox-Mediathek unterstreicht den negativen Eindruck.

Der vermeintliche ‘Riesenfehler’ von Spottster hatte darin bestanden, dass sie angeblich vor die Löwen getreten waren, ohne zu wissen, dass Löwe Frank Thelen in zenshopping, einem amerikanischen Start-up mit ähnlicher Ausrichtung investiert ist – und deshalb natürlich nicht in Spottster investieren würde.

Frank Thelen in der Sendung: “Und ich muss Euch leider sagen – und da habt ihr Euch schlecht vorbereitet – dass ich ein Investor in zenshopping bin. zenshopping ist das, was ihr da macht mit Turbo. …”

Dass Spottster zenshopping sehr wohl gekannt hat und das auch vor den Löwen darlegte, war leider aus dem gedrehten Material herausgeschnitten worden und wurde in der Sendung nicht gezeigt.

Dass Spottster den Löwen darüber hinaus erklärt hatte, zenshopping bisher gar nicht als direkten Mitbewerber begriffen zu haben, weil zur Zeit des Drehs noch gar kein geplanter Deutschland-Launch seitens zenshopping kommuniziert war, wurde ebenfalls nicht gesendet.

Und vor lauter Schreck über die vermeintliche Schelte Thelens nahmen die meisten Zuschauer Franks mehrfaches Lob gar nicht mehr wahr. Seine Einlassungen gegenüber Spottster begann er nämlich mit den Worten:

“Das ist meine Welt. Ihr seid ein sehr klassisches Startup, also wie ich Startups mag. Ihr habt ein Geschäftsmodell, was brillant ist und ihr habt eben sehr einfach erklärt, wie das funktioniert. Finde ich super.”

Und eben auch in der Begründung seines ‘Ich bin raus’ tat er seine Überzeugung kund, dass das Geschäftsmodell und das Produkt von Spottster gut sind. Mit den Worten “Ich glaube an das Produkt, ich glaube an den Markt” nämlich leitete er seine Begründung ein.

Beendet hat er sie mit den – ebenfalls zum Teil lobenden – Worten: “Ich finde die Idee von Spottster gut, ihr seid ganz am Anfang – und Ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht, weil ihr einfach nicht gesehen habt, wo die Löwen investiert sind und welche Technologien sie haben.”

Und mal ehrlich: Sind nicht allein die Tatsachen, dass ein Frank Thelen in ein Start-up mit sehr ähnlichem Geschäftsmodell investiert und seine Verabschiedung “und wünsche Euch auch leider nicht alles Gute, weil wir Wettbewerber sind” schon ein Ritterschlag?

Mehr Statements zur Sendung auch hier: Zum Frass vorgeworfen? Spottster in der Höhle der Löwen

Was ist denn nun Spottster?


Spottster ist der erste digitale Merkzettel, mit dem man Produkte während des Online-Shoppens auf einer einheitlichen Liste mit Bild und aktuellem Preis abspeichern und verfolgen kann. Es geht bei Spottster aber nicht nur ums Merken der Produkte, sondern um eine Schnäppchenjagd mit nahezu Null Aufwand:

Wunschprodukt spotten und den Preis eingeben, den man dafür maximal bezahlen möchte. Und zack: Sinkt der Preis in einem der Partnershops auf oder unter diesen Preis, bekommt man von Spottster eine Nachricht. Nur dann und erst dann.

Mit im Boot sind derzeit etwa 3.000 aktive Partnershops von Spottster in der D-A-CH-Region sowie in Frankreich und Großbritannien, wobei alle großen Shops von A wie Amazon bis Z wie Zalando dabei sind.

Anders als bei Preisvergleich-Portalen kann man interessante Produkte während des Shoppens und ganz ohne Aufwand speichern und jederzeit wieder ansehen, sortieren, kommentieren, sharen etc. – und man wird eben informiert, wenn das Produkt zum Wunschpreis irgendwo im Angebot ist.

Direkte Mitbewerber gibt es in Europa keine großen. YellowBag ist in den Niederlande entstanden, in Großbritannien gibt es PayWhatYouLike und in Portugal FollowPrice, alle sind aber noch im Anfangsstadium mit sehr geringer Aktivität und kleinem Partnernetzwerk. Sie bieten alle den exakt gleichen Service wie Spottster an, wenn auch teilweise technisch anders umgesetzt. Indirekte Wettbewerber sind Preisvergleiche.

Sollte zenshopping in Deutschland launchen, sind sie ebenfalls direkte Konkurrenz, wobei zenshopping im Gegensatz zu Spottster einen allumfassenden Shopping-Assistenten stellt. Während Spottster also einfach ein Produktmerkzettel mit Preisalarm ist, ist zenshopping darauf ausgelegt, den gesamten Einkaufsprozess inkl. der Verfolgung ehemaliger Käufe, Pakettracking, Refunds etc. darzustellen, also tief in den Shoppingprozess und die Nutzerdaten reinzugehen.

Für die User ist die Nutzung von Spottster kostenlos, das Unternehmen monetarisiert über Provisionen von den Partnershops.

Die Roadmap des jungen Teams ist dezidiert und ambitioniert. Hatten Sie ja schon in der Höhle der Löwen-Sendung gesagt, dass Sie bis Ende 2017 die 2 Millionen-Umsatz-Marke knacken wollen, steht auf Ihrer To Do-List zum Beispiel dies:

Features: Produkt- und Angebots-Recommendations, Integration von Reiseanbietern, Vergleich über alle Shops hinweg.
Unternehmens-Planung: Launch in England und Frankreich, Launch einer B2B-Lösung zur besseren Preisgestaltung.

Erste Investoren gab es übrigens auch schon vor der ‘Höhle der Löwen’: 2 Business Angels und Forum Media haben sich mit Beteiligungen im insgesamt hohen sechsstelligen Bereich eingebracht.

Dass auch andere durchaus an den Erfolg von Spottster glauben oder sich zumindest ernsthaft mit dem Geschäftsmodell auseinandersetzen, spiegelt dieser Facebook-Thread, den zu lesen sich für die lohnt, die ein bisschen über die technischen Hintergründe und das Geschäftsmodell spekulieren wollen.

Nicht Wenige also halten Spottster für eines der heißesten jungen Unternehmen in Deutschland und vermutlich wird die Zeit zeigen, dass sie nicht unrecht haben.

Fotogalerie: “Die Höhle der Löwen” (2. Staffel)

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Wir werfen ein Blick hinter die Kulissen von “Die Höhle der Löwen” und stellen die Jury vor. Einige Eindrücke der etwas anderen Gründer-Show gibt es in unserer kleinen, aber feinen Fotogalerie.

Foto: © VOX/Sony from Shutterstock

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.