Die Höhle der Löwen - was sagt Felix? #dhdl Genuss auf sechs Beinen oder was es nicht alles gibt

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, noch kleiner gewesen sein muss als es mir jetzt vorkommt. Ein Garten, den man transportieren kann und ein Energieriegel mit ungewöhnlichem Inhalt. Diese Woche hatte vor allem eins zu bieten: Außergewöhnliche Geschäftsideen.
Genuss auf sechs Beinen oder was es nicht alles gibt

Dann schauen wir uns doch wieder einmal an, was so passiert ist bei “Die Höhle der Löwen” und vor allem werfen wir mal einen Blick darauf, was wir als GoG (Gründerinnen oder Gründer) daraus lernen können. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das kleine Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, noch ein bisschen kleiner gewesen sein muss als es mir jetzt vorkommt. Ein Garten, den man transportieren kann und ein Energieriegel mit ungewöhnlichem Inhalt. Diese Woche hatte vor allem eins zu bieten: Außergewöhnliche Geschäftsideen. Werfen wir also einen Blick auf das, was passiert ist und legen besonderen Wert auf das, was wir aus den gesehenen Pitches mitnehmen.

Möchten Sie ein Stück?

Gerade bei SnackInsects war doch zu Beginn (vielleicht auch die ganze Zeit) ein gewisser Vorbehalt zu bemerken. Ich glaube, es ist nicht verwerflich, dass es bei den Löwen wahrscheinlich eher seltener Insekten zum Frühstück gibt – dabei sind die doch so unglaublich gesund und reichhaltig. Gemahlene Grillen hören sich eigentlich ganz gut an (zumindest wenn sie Nachts auf der Wiese zirpen). Dazu ein leckerer Rotwein und schwups hat man einen unvergesslichen Abend. Nein, mal ehrlich. Leider haben wir nicht erfahren, wie hoch SnackInsects Umsatz geschweige denn Profit ist, denn am Ende des Tages zählt natürlich auch die Eurozeichen in den Augen der Investoren. Und hier scheint ja zumindest am Ende etwas bei rum zu kommen. Aber nun schien wieder das einzutreffen, was wir letzte Woche schon festgestellt haben. Wenn ein Löwe keinen Bezug zu einem Produkt hat, dann kommt er als Investor auch nur in seltenen Ausnahmefällen in Versuchung zu investieren. Das ist in der Sendung sicher noch stärker ausgeprägt als in klassischen Investorenverhandlungen. Wobei: Ich glaube zu Mobile Garden hatte zunächst auch keiner eine richtige Beziehung, aber hier kommt eben noch ein anderer Faktor hinzu. Aber dazu gleich nochmal.

Vorbereitung ist alles

Dass Frank Thelen in feine Herren-Accessoires investiert, hätte ich vorher nicht gedacht. Oder? Nicht, dass Mister T. nicht gut gekleidet wäre, aber irgendwie sehe ich seine Kompetenzen fast zu 100% im Netz – klar, ein Online-Shop lässt grüßen. Nun gut, bei von Floerke hat man gemerkt, dass Vorbereitung auf den Pitch doch sehr ausschlaggebend ist. Die entsprechenden Fakten gut aufbereitet und zu mundgerechten Häppchen portioniert – das schmeckt den Löwen. Allein ein Blick auf die Website verdeutlicht die Kompetenzen des Gründers. Da gibt es nämlich Informationen zum Outfit eben jenes Gründers in der Sendung. Das nenne ich mal crossmediale Vermarktung. Sehr gelungen. Dazu gab es beeindruckende Zahlen, die die Löwen zum Staunen gebracht haben. Dass Mode im Allgemeinen sehr hohe Margen aufweist,  ist jedoch eigentlich allseits bekannt. Nunja, ich bin gespannt, was hier weiter passiert. Drei Löweninvestments haben wir auch nicht alle Tage – wenn man die Synergien richtig nutzt, kann da schon etwas Nettes draus werden. Die Daumen sind gedrückt.

Und wieder einmal: Meine Firma ist viel wert

Irgendwann kann ich es nicht mehr schreiben, aber irgendwie stolpern wir jede Woche da drüber: die Bewertung des eigenes Unternehmens.  Leider wurde es auch diesmal wieder einem Start-Up zum Verhängnis. Sunny Cage – der Toasteraufsatz ist mit einer Firmenbewertung von 2,5 Millionen trotz Patent und Amazonlistung schlichtweg zu hoch bewertet. Das Unternehmen kann diese Bewertung trotz eines sympathischen Gründers einfach nicht rechtfertigen. Da ist natürlich bei den Löwen recht schnell der Gar aus. Ob das Produkt dann so überhaupt einen Markt hat, lasse ich mal dahin gestellt. Sicher wäre es für die Königin des TV Shoppings sonst recht interessant gewesen, sofern noch Platz für eine zusätzliche Marge ist. Die ergibt sich im Zweifel jedoch auch durch Skaleneffekte in der Produktion.

Wie skaliere ich mein Produkt

Sign Spinning kenne ich aus den USA. Dass es das auch bei uns gibt, wusste ich nur aus Berlin – woher sonst. Versuchen Sie es doch selbst mal Zuhause! Ich glaube, mir wäre das Schild nach einer Sekunde in der Mitte durchgebrochen. Zu meiner Verteidigung: ich bin auch nur ein Berater. Hier ist sicher – wie auch von den Löwen angesprochen – die Frage nach der Skalierung wichtig. Ein kleines Team habe ich als Gründer noch gut im Griff, aber wenn ich das Ganze dann großzügig ausrollen will, sieht das Ganze doch schon ein bisschen anders aus. Auch der Innovationsgrad ist natürlich nur schwer zu erkennen. Nachahmer sind hier schnell an Bord und können das eigene kleinen Gründerboot zum kentern bringen. Kombiniert mit einer knappen Millionenbewertung kann hier einfach kein Investment klappen. Auch wenn der Auftritt wirklich sympathisch war. Es gibt nun einmal nichts geschenkt!

500.000 Euro

Die Überschrift sagt alles. Sie gibt genau das wieder, was zumindest ein Problem für Spottster war – zumindest meiner Meinung nach. Die meisten Deals spielen sich doch in einem überschaubaren Rahmen ab. Wenn ich nur wenig Zeit habe mir Gedanken über ein Investment zu machen, dann sinkt meine Bereitschaft mit jedem Euro, den ich mehr investieren muss. Eine halbe Millionen Euro innerhalb so kurzer Bedenkzeit zu investieren erfordert ein sehr prall gefülltes Portemonnaie. Dieses Modell ist dann vielleicht eher etwas für die amerikanischen Investmenthöhle. Oder?

Das zweite Problem haben wir alle live mit verfolgen können. Als Gründer sollte ich nicht nur mich und mein Produkt, sondern auch den Markt und meinen Gesprächspartner kennen. Dass Frank Thelen bereits in die Konkurrenz investiert, muss man in meinen Augen nicht zwangsläufig wissen. Kann man häufig auch gar nicht, da solche Informationen nicht immer öffentlich zugänglich sind. Jedoch sollte man zumindest wissen, dass es diese Konkurrenz überhaupt gibt!

Sicher könnten wir noch eine ganze Menge mehr aus der 3. Folge ziehen, aber mich interessiert ja auch eigentlich Ihre Meinung zu der Sache.

Zur Person
ds-erfolgreich-gruendenFelix Thönnessen ist Coach der Sendung “Die Höhle der Löwen” und macht die Teilnehmer fit für den Pitch vor den Investoren – siehe auch “Dos und Don’ts beim Pitch vor Löwen und Investoren“. Er arbeitet ansonsten als Gründungsberater und ist Inhaber der Unternehmensberatung thoennessenpartner. Für deutsche-startups.de analysiert Thönnessen in diesem Jahr die Auftritte der Kandidaten der zweiten Staffel von “Die Höhle der Löwen”. In seinem Buch “Erfolgreich Unternehmen gründen“, das gerade erschienen ist, gibt Thönnessen Tipps und Anleitungen, die für eine erfolgreiche Gründung wichtig sind: von der Ideenbildung über den Businessplan bis hin zur ersten Büroorganisation.

Fotogalerie: “Die Höhle der Löwen” (2. Staffel)

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Wir werfen ein Blick hinter die Kulissen von “Die Höhle der Löwen” und stellen die Jury vor. Einige Eindrücke der etwas anderen Gründer-Show gibt es in unserer kleinen, aber feinen Fotogalerie.

Foto (oben): © VOX/Bernd-Michael Maurer