Gastbeitrag von Kristina Lückemann Kampagnen: So klappt es auch mit dem Crowdfunding

Wie bereitet man sich also als Start-up auf eine Crowdfunding-Kampagne richtig vor und was benötigt man alles? Wer kann helfen, was kostet es und wie viel Zeit benötigt man? Doch vor allem Start-ups haben oft nicht die finanziellen Mittel, um sich einen Experten mit ins Boot zu holen.
Kampagnen: So klappt es auch mit dem Crowdfunding

Crowdfunding. Das Wort hört man derzeit an jeder Straßenecke. Workshops, Vorträge und Seminare werden organisiert, Netzwerke und Verbände bilden sich und immer mehr Menschen interessieren sich für diese alternative Finanzierungsmethode oder ziehen es für das eigene Projekt in Erwägung. Crowdfunding-Kampagnen sind eine ganz wundervolle Erfindung. Vorbei sind die Zeiten, in denen man alleine von Banken abhängig war, die ein strenges Auswahlverfahren haben, an dem besonders Start-ups oft scheitern.

Nach der ersten großen Freude über diese Revolution der Kapitalbeschaffung, werden Projektstartern aber recht schnell zwei Dinge klar: man benötigt eine gewisse Expertise und es ist es ein enormer Aufwand und mitunter ein Full-Time-Job. Die Expertise gibt es in Deutschland: freie Berater, Agenturen, oder Netzwerke wie Crowdmate. Doch vor allem Start-ups haben oft nicht die finanziellen Mittel, um sich einen Experten mit ins Boot zu holen. Immerhin ist man ja auf der Suche nach Geld.

Wie bereitet man sich also als Start-up auf eine Crowdfunding-Kampagne richtig vor und was benötigt man alles? Wer kann helfen, was kostet es und wie viel Zeit benötigt man? Die wichtigsten Voraussetzungen sind viel Zeit und ein gutes Team, denn ohne Hilfe von befreundeten Grafikern, Hobbyfilmern, Fotografen und Social Media Managern, wird es in den wenigsten Fällen klappen. Ihr solltet euch mindestens vier bis sechs Wochen vor geplantem Start Zeit nehmen, um euch einen Projektplan zu erstellen und die Kampagne vorzubereiten.

Die Qual der Wahl der Plattform

Die Wahl der geeigneten Plattform hängt sehr vom Projekt und seiner Zielgruppe ab. Ist es auf den deutschen oder weltweiten Markt ausgerichtet? Ist es ein „grünes“ Projekt oder eine technische Innovation? Außerdem verlangt jede Plattform einen anderen Prozentsatz eurer Fundingsumme und bietet unterschiedliche Konditionen. Informiert euch über die Vor- und Nachteile der Plattformen und überlegt, mit welchen Nachteilen ihr am ehesten leben könnt. Manchmal lohnt sich auch eine Beratungsstunde bei einem Experten, der einem gezielt zu seinem Projekt die ersten Ratschläge für den Start mitgibt.

Erzählt eure Story

Ihr braucht eine interessante und sympathische Story, die ihr auf der Plattform erzählen wollt. Mit einem aussagekräftigen Titel und einer prägnanten Beschreibung eurer Idee, erzählt ihr, was das Besondere an eurem Projekt ist. Erzählt, warum ihr diese Idee unbedingt realisieren wollt und wofür ihr das Geld benötigt. Seid so transparent wie möglich! Stellt euch als Team vor und gebt der Kampagne etwas von eurer Persönlichkeit und eurem „Teamspirit“.

Das Video

Das Video ist der wichtigste Part eurer Kampagne! Es ist das erste, was die Crowd auf der Plattform zu sehen bekommt und es zeigt die Menschen hinter dem Projekt und kann damit Nähe zur Crowd schaffen. Es muss keine teure Produktion sein, ein kreatives Handyvideo kann genauso gut sein, wenn es gut durchdacht, persönlich, authentisch ist und erklärt, warum die Unterstützung benötigt wird. Das Video sollte ca. 2-3 Minuten lang sein. Fotos vom Team, dem Produkt, „Behind the scenes“, etc. werden zusätzlich für die Plattform und alle Online-Kanäle benötigt.

Kommunikation auf allen Kanälen

Social Media ist neben der Kampagnenplattform das wichtigste Sprachrohr zur Crowd. Einige Ankündigungen können schon vorab über diese Kanäle publiziert werden. Die Nutzung von Social Media ist ein schneller Weg die Zielgruppe zu erreichen, Aufmerksamkeit zu generieren, Interesse zu wecken und Transparenz zu schaffen.

In einem Medienplan solltet ihr vorab die Inhalte für die unterschiedlichen Kanäle vorbereiten und zeitlich planen. Während der Kampagne solltet ihr auf allen Kanälen, über Newsletter und auf eurer Website sehr aktiv sein, um die Reichweite zu erhöhen und konstant weitere Menschen auf die Crowdfunding-Seite zu leiten. Pressearbeit kann eine Kampagne außerdem unterstützen, aber auch hier gibt es viel vorzubereiten. Presseinformationen, Pressemitteilungen, Verteileraufbau, Akquise von Journalisten.

Für die Kommunikation der Kampagne sollte jemand von euch rund um die Uhr aktiv sein. Denn auch während der Fundings möchte die Crowd regelmäßige Updates auf der Plattform sehen.

Aktiviert euer Netzwerk

Ein wesentlicher Bestandteil, besonders am Anfang der Kampagne, ist euer eigenes Netzwerk. Erfolgreiche Kampagnen haben gezeigt, dass die Unterstützung eines Crowdfunding-Projekts meist im eigenen Netzwerk, wie Freunde, Familie, Fans, Partner, Kunden, etc. beginnt. Daher sollte das vorhandene Netzwerk eine wichtige Rolle in der Kommunikation spielen und aktiv auf euer Projekt aufmerksam gemacht werden z.B. durch eine Email-Kampagne. Sprecht mit so vielen unterschiedlichen Menschen über euer Vorhaben, wie es nur geht. Ihr werdet viel Input und Unterstützung bekommen.

Rewards für die Crowd

Bei reward-based Crowdfunding-Kampagnen erhält der Unterstützer eine Gegenleistung für seine Investition. Diese Rewards solltet ihr euch vorher genau überlegen und alles gut organisieren. Das können Produkte wie DVD’s, Bücher oder Möbel sein, oder individuelle Erlebnisse, wie ein Urlaub, Einladungen zu Veranstaltungen, Sondereditionen oder die Nennung im Abspann. Es gibt keine Grenzen. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass ein möglichst breites Preisspektrum angeboten wird und die Auswahl an Rewards nicht zu groß ist.

Eine überschaubare Anzahl zwischen 5 bis 8 Rewards haben sich als gut erwiesen. Immer öfter begegnet man sogenannten Stretch Goals – erweiterten Zielbeträgen. Sie motivieren, da sie nach dem Prinzip “Wenn wir Summe X erreichen, dann machen wir folgendes…” funktionieren. Diese Vorgehensweise kann auch bei den Rewards eingesetzt werden. Hierbei werden möglichst exklusive oder kreative Prämien während des Fundings für Motivations- und somit Zahlungsschübe genutzt.

Das Budget

Ihr sollet natürlich eure eigene Arbeitszeit bedenken und wenn ihr weitere Dienstleister in Anspruch nehmt, wie Grafiker oder ein Filmteam, müsst ihr auch deren Rechnung mitbedenken. Ihr könnt natürlich auch einen Experten oder eine Agentur, mit der Kampagne oder Teilbereichen, wie der Kommunikation beauftragen. Es steht euch grundsätzlich offen, für welches Budget ihr die Kampagne macht. Denkt daran, dass auch eure Rewards und deren Lieferung etwas kosten. Versucht über günstige Maßnahmen, wie Facebook-Promotion, ein wenig die Reichweite zu erhöhen und Sponsoren mit in die Kampagne einzubinden.

Das allerwichtigste ist, dass die Crowd sich gut aufgehoben fühlt und ihr sympathisch und authentisch rüberkommt. Wenn ihr offen und ehrlich seid und viel Leidenschaft in die Kampagne steckt, dann ist das wichtigste Kriterium erfüllt.

Zur Autorin:
Kristina Lückemann ist Geschäftsführerin der Berliner Kommunikationsagentur Suited. Sie ist gelernte Medien- und Eventmanagerin, sowie Pressereferentin und setzt mit ihrem Team verschiedenste Crowdfunding und –investing Kampagnen um. Mit ihrer Partnerin, Therese Kreher, gründete sie die Agentur im Sommer 2014 in Berlin. Sie ist Mitglied im deutschen Crowdfunding Verband Crowdmate und organisiert die Veranstaltungsreihe „House of Crowd“ in Berlin.

Foto: Crowd Funding – Three Arrows Hit in Red Target on a Hanging Sack on Natural Bokeh Background Shutterstock

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