Christian Marchsreiter von smashdocs “Wir haben mit seit Jahrzehnten gewohnten Methoden gebrochen”

Bei Smashdocs werden alle Änderungen an einem Dokument in einer Version abgespeichert statt in mehreren. Hinter dem Lösung steht Gründer Christian Marchsreiter. Im Gründer-Kurzinterview spricht er über das Abstimmen von Dokumenten, bereits existierenden Lösungen und Kooperationen.
“Wir haben mit seit Jahrzehnten gewohnten Methoden gebrochen”

Mit der Web-App Smashdocs werden alle Änderungen an einem Dokument in einer einzigen Version abgespeichert statt wie bei vergleichbaren Lösungen in mehreren. Hinter dem Lösung steht Gründe Christian Marchsreiter. Im Gründer-Kurzinterview spricht er über das Abstimmen von Dokumenten, bereits existierenden Lösungen und Kooperationen.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Wir machen mit Smashdocs das inhaltliche Abstimmen bzw. Verhandeln von Dokumenten viel einfacher, schneller und sicherer als bisher.
Wenn mehrere Personen zeitversetzt oder gleichzeitig am Inhalt eines Dokuments arbeiten, Änderungsvorschläge machen, diese annehmen bzw. ablehnen und über bestimmte Bereiche im Dokument ausgiebig diskutieren, dann wird es mit herkömmlichen Lösungen sehr schnell unübersichtlich.

Wir fanden: So arbeiten zu müssen, ist extrem nervig und ineffizient. Wir standen in den letzten Jahren regelmäßig selbst exakt vor solchen Herausforderungen, z.B. bei der gemeinsamen Erstellung von Fachkonzepten, bei Vertrags- oder Angebotsverhandlungen, bei Patentanmeldungen, beim gemeinsamen Schreiben eines Qualitätsmanagement-Handbuchs oder einer Pressemitteilung, beim Übersetzen von Texten.

Wir waren lange Zeit aktiv auf der Suche nach besseren, gerne auch webbasierten Lösungen. Office 365, Google Docs, Quip usw. funktionierten jedoch immer nur kurzfristig ganz gut, nicht jedoch bei komplexeren, längeren Abstimmungs- oder Verhandlungsprozessen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich Ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Die konzeptionellen Überlegungen haben sich von der ersten Idee bis zur Gründung praktisch gar nicht verändert. Unser Ziel war es von der ersten Minute an, die inhaltliche Abstimmung oder Verhandlung von Dokumenten zwischen Kollegen oder mit Externen erheblich zu vereinfachen und beschleunigen.

Wir haben sehr viel Zeit investiert, um die grundsätzlichen technischen Rahmenbedingungen, Problemstellungen und Herausforderungen genau zu verstehen und klar formulieren zu können, wie eine Ideallösung in unseren Augen funktionieren müsste. Diese Erkenntnisse haben wir dann mit den bereits existierenden Lösungen am Markt abgeglichen und festgestellt, dass das alles bei weitem nicht so gut funktioniert wie mit unserem Konzept.
Unsere Motivation, das Ausgedachte auch in die Tat umzusetzen, war so groß, dass wir uns dann entschlossen, das Unternehmen zu gründen und loszulegen.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von Ihnen ab?
Die Hauptwettbewerber sind natürlich Microsoft Word und Google Docs, aber auch viele andere Tools wie Quip oder Evernote, die sich alle Document Collaboration auf die Fahnen geschrieben haben. Historisch gesehen ist Word der älteste Vertreter. Es wurde 1983 von Microsoft als Ersatz für Schreibmaschinen in den Markt eingeführt.

Wir haben erkannt, dass Versionierungslösungen nicht weiterhelfen. Die sortieren die ganzen Versionen nur sauber in einer historischen Reihenfolge. Von einem Smashdoc hingegen gibt es immer nur eine einzige Version, die die komplette Historie enthält. So kann ein User diese Abschnitt für Abschnitt mit nur einem Klick nachvollziehen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Wir haben bei der Entwicklung von Smashdocs bewusst an einigen Stellen mit seit Jahrzehnten gewohnten und zähneknirschend akzeptierten Methoden gebrochen, wie z.B. Änderungen in immer neuen Dateiversionen zu speichern oder Versionen zu vergleichen. Mit diesen Methoden kann man nicht das Optimum erzielen. Der entscheidende Faktor ist also, dass wir einerseits eine extrem gute Lösung haben müssen, die für einen User einen überdurchschnittlich hohen Nutzen bedeutet. Andererseits, dass wir User finden, die neugierig auf Neues sind und sich nicht mit dem Status quo abfinden wollen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben Sie schwarze Zahlen?
Smashdocs gibt es in zwei Varianten: Einerseits als Software-as-a-Service-Lösung (SaaS), die auf unseren, in Deutschland stehenden Servern gehostet wird. Smashdocs Basic ist dabei immer kostenlos. In gut sechs Monaten gibt es dann erhebliche funktionelle Erweiterungen, die viele User haben wollen werden. Dafür fallen dann auch Kosten in Höhe von zehn Euro pro Monat und User an. Andererseits gibt es Smashdocs als Enterprise-Lösung. Unternehmen erwerben eine Lizenz und können es auf den eigenen Servern betreiben. Die Kosten werden dabei immer individuell kalkuliert, je nach Anzahl der User, Funktionsumfang, Support-Level und Vertragslaufzeit.

Der Vertrieb von Smashdocs erfolgt überwiegend nicht direkt. Wir schließen aktuell Kooperationen mit klassischen Resellern ab, die unsere Lösung dann an ihre Kunden weiterverkaufen. Außerdem kooperieren wir mit Anbietern, die ein eigenes Produkt im Bereich Content-/Dokumentenmanagement, File Sharing oder Social Intranet haben und integrieren Smashdocs als neues Tool dort. Wir planen, im Laufe des Jahres 2016 schwarze Zahlen zu schreiben.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Wir sind absolut überzeugt davon, dass Smashdocs eine “Next Generation”-Technologie für die Bereiche Word Processing und Document Collaboration ist. Dokumente müssen heute jeden Tag innerhalb von Unternehmen und zwischen Unternehmen abgestimmt oder verhandelt werden. Das passiert faktisch in allen Branchen weltweit. Smashdocs ist in der heutigen Form eine Basistechnologie, die wir jedoch gezielt Schritt für Schritt an spezielle Branchenerfordernisse und Use Cases anpassen werden. Verlage, Unternehmensberater, Einkäufer, Anwaltskanzleien, die öffentliche Verwaltung, Pharmakonzerne – sie alle und viele mehr arbeiten jeden Tag intensiv mit Dokumenten.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir sind aktuell in einer sogenannten “Public Beta”. Diese soll bis spätestens Ende 2015 abgeschlossen sein, danach gibt es dann neben der kostenlosen SaaS-Version auch eine Bezahlvariante. Die Enterprise-Version kommt in etwa sechs Monaten. Parallel dazu haben wir bereits die ersten Pilotkunden, mit denen wir intensiv zusammenarbeiten, um deren Sicht der Dinge besser zu verstehen. Ein wichtiger Meilenstein für uns ist natürlich auch der Abschluss von Kooperationen mit den Resellern und Integrationspartnern. Hier haben wir schon eine ziemlich stattliche Anzahl von Anfragen und ernsthaften Interessenten vorliegen, die es abzuarbeiten gilt.
Ende 2015 steht dann die nächste Finanzierungsrunde an, die uns helfen soll, global bekannt zu werden und zu wachsen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Christian Marchsreiter ist Unternehmer und Serial-Entrepreneur im Bereich Finanzen und IT. Im Mai 2013 gründete er die smartwork solutions GmbH. Gemeinsam mit Alexander Groh entwickelte er die Web-App Smashdocs, ein Online-Tool zur Zusammenarbeit an Dokumenten in Echtzeit. Zuvor hatte Marchsreiter bereits 2008 die Deutsche Kautionskasse und 2010 die inex24 AG, eine Kollaborationsplattform für den Industrieversicherungssektor, gegründet.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.