André Wollin von Cookasa “Ein gewöhnlicher Kochkurs war uns zu langweilig”

Zum gemeinsamen Kochen in der eigenen Küche, neue Gerichte ausprobieren und dabei Leute kennen lernen, lädt mittlerweile in vielen Städten das Start-up Cookasa ein. Gründer André Wollin spricht im Gründer-Kurzinterview über langweilige Kochkurse, stimmungsvolle Abende am heimischen Herd und neue Gerichte.
“Ein gewöhnlicher Kochkurs war uns zu langweilig”

In Gesellschaft schmeckt es einfach besser. Zum gemeinsamen Kochen in der eigenen Küche, neue Gerichte ausprobieren und dabei neue Leute kennen lernen, lädt mittlerweile in vielen deutschen Städten das Start-up Cookasa ein. Gründer André Wollin spricht im Gründer-Kurzinterview über langweilige Kochkurse, stimmungsvolle Abende am heimischen Herd und neue Gerichte.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Mit Unbekannten kochen, feiern und Freundschaften schließen – Cookasa macht es möglich. Die Idee: vier bis acht zufällig zusammen gewürfelte Menschen teilen sich einen Abend lang Herd und Küche. Wo gemeinsam gekocht wird, bleibt bis einen Tag vor Beginn ein Geheimnis.

Es gibt zwei Varianten: Cookasa Classic (drei Gänge kochen) und Cookasa Afterwork (einen Gang kochen). Cookasa Afterwork stellt die schnelle Variante für viel beschäftigte Großstädter dar, die stimmungsvolle Abende in guter Gesellschaft nicht missen möchten. Dabei wird ab 19 Uhr ein einfaches & schnelles Gericht gemeinsam gekocht und gegen 21 Uhr kann der Heimweg angetreten werden. Der Gastgeber hat dabei den entspanntesten Job: Tür auf machen und neue Leute mit frischen Zutaten im Gepäck rein lassen. Die Auswahl eines leckeren Gerichts sowie den Einkauf übernehmen immer die Gäste. Der Gastgeber wird sogar von den Anderen zum Essen eingeladen und alles wird wieder sauber hinterlassen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Ich saß mit meinem Kumpel Kersten im November 2011 beim Bier zusammen. Wir haben überlegt, wie wir besser kochen lernen könnten. Auf einen gewöhnlichen Kochkurs hatten wir keine Lust – zu langweilig. Also kamen wir auf die Idee, mit unbekannten Leuten in der eigenen und anderen Küchen zu kochen.

Wir starteten ganz simpel über eine Facebook Gruppe. Die Resonanz war nach einem halben Jahr so groß (mehr als 1.000 Leute in der Gruppe), dass es zu unübersichtlich und chaotisch wurde. Aus diesem Grund und um das Ganze völlig automatisiert zu organisieren haben wir selber eine Website entwickelt, auf der Cookasa seit Ende 2013 läuft.

Das Konzept wurde nach und nach immer weiter verbessert. Dem anfänglichen Konzept aus unserer Startzeit von Facebook ähnelt es mittlerweile gar nicht mehr. Eine wesentliche Veränderung ist beispielsweise, dass niemand der Teilnehmer sieht, wer noch dabei ist. Alle Teilnehmer werden per Zufallsalgorithmus gemischt und auf so viele Küchen verteilt wie notwendig, damit jeder einen Platz erhält. Erst in der Küche sieht jeder die gesamte Kochrunde – das erhöht die Spannung.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Es gibt diverse Mitbewerber, die Ideen rund um da gemeinsame Kochen anbieten. Weit verbreitet ist das sogenannte running dinner Konzept, bei dem die Teilnehmer an einem Abend durch drei Küchen reisen, immer anderen Menschen sehen und drei verschiedene Gerichte gemeinsam essen. Der wesentliche Unterschied zu Cookasa ist hier, dass nur jeweils zwei Personen gemeinsam im Vorwege kochen und dann Gäste zum Essen erwarten. Es wird also nur bedingt gemeinsam gekocht und viel mehr gemeinsam gegessen.

Bei Cookasa steht das gemeinsame Kochen mit der gesamten Kochmannschaft im Fokus. Nur die Zutaten werden mitgebracht, dann wird mit allen gemeinsam geschnibbelt und gebrutzelt. Das erhöht die gemeinschaftliche Stimmung des ganzen Teams stark gegenüber dem running dinner Konzept. Vorteil bei running Dinner ist, dass man mehr Leute an einem Abend kennenlernen kann, jedoch weniger intensiv.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Reichweite, Reichweite, Reichweite! Wir geben alles, um noch viel mehr Menschen von Cookasa zu begeistern. Wir haben eine tolle Community, die uns unterstützt, Cookasa gemeinsam groß zu machen. Regelmäßig erhalten wir E-Mails von Menschen, die uns ihre Hilfe anbieten, Cookasa in einer neuen Stadt zu verbreiten und bekannt zu machen. Entscheidend wird sein, sehr schnell eine kritische Masse in noch viel mehr Städten aufzubauen, damit sich daraus ein überspannendes Netz entwickelt und Cookasa langfristig flächendeckend in den größten Städten der Welt verfügbar ist.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Zunächst europaweit jede Stadt größer als 300.000 Einwohner, langfristig jede Stadt größer 50.000 Einwohner in Europa und den USA.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Während die normale Cookasa Community so weiter läuft wie bisher, bieten wir spezielle Cookasa Events für Unternehmen an.
Folgende Produkte können gebucht werden:
1. Teambuilding Event – Mitarbeiter eines Unternehmen kochen für sich
2. PR/Recruiting Event – die Cookasa Community kocht mit Mitarbeitern eines Unternehmens in den Küchen. Dadurch können neben dem gemeinsamen Kochen ganz nebenbei neue Leute für das eigene Unternehmen begeistert werden.
3. Product Placement Event – Unternehmen aus der Konsumgüter- und Nahrungsmittelindustrie erhalten die Möglichkeit, ihre Produkte in ausgewählte Küchen zu senden und dadurch inmitten der eigenen Zielgruppe ohne Streuverlust zu platzieren.

In 2016 schreiben wir schwarze Zahlen.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Entwicklung der mobilen Version von Cookasa, Übersetzung auf Englisch und Spanisch, sowie Start außerhalb des deutschsprachigen Auslands. Bislang sind wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten. Noch im Frühjahr ist der Start in Amsterdam geplant.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
André Wollin studierte zunächst Informatik an der Universität Bremen. Nach mehreren Stationen im IT-Bereich gründete er gemeinsam mit Kersten Scholz und Sven Reher den Webservice Cookasa, der Menschen miteinander zum Kochen bringen soll.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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