Tobias Pfütze von Paymey “Für den Nutzer dürfen keine Initialkosten entstehen”

Mit der App von Paymey ist Gründer Tobias Pfütze angetreten, das Mobile Payment mit dem Smartphone zu etablieren. Im Gründer-Kurzinterview spricht Pfütze über die Nutzbarkeit von Smartphones im Alltag, technische Umsetzungen und die Veränderungen im Geschäftsmodell von Paymey.
“Für den Nutzer dürfen keine Initialkosten entstehen”

Bezahlen mit dem Smartphone könnte so einfach sein, denkt sich Gründer Tobias Pfütze von Paymey. Mit der Bezahl-App können die Nutzer auf verschiedene Weise Transaktionen tätigen. Im Gründer-Kurzinterview spricht Pfütze über die Nutzbarkeit von Smartphones im Alltag, technische Umsetzungen und die Veränderungen im Geschäftsmodell von Paymey.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Die Idee zu Paymey entstand im Urlaub, als ich am Strand liegend ein Getränk kaufen wollte, aber leider statt Bargeld nur mein Smartphone dabei hatte. Die Frage war: “Warum kann dieser Taschencomputer nicht eine simple Transaktion ausführen?”.

Smartphones sind heute allgegenwärtig und für viele Menschen ein kaum wegzudenkender Begleiter im Alltag. Mit Hilfe von Smartphones lösen wir im Alltag komplexe Aufgaben wie Ortsbestimmung und Navigation, Bildbearbeitung oder Spracherkennung. Nur Transaktionen und Einkäufe lassen sich damit bisher nicht befriedigend ausführen, überzeugende Angebote sind am Markt nicht existent. Obwohl diese Aufgabe, technisch gesehen, vergleichsweise einfach zu realisieren ist. Paymey möchte das ändern und setzt dabei auf eine im Markt vorhandene und erprobte Technologie und eine Bezahlinfrastruktur, die online und offline in allen gängigen Bezahl- bzw. Einkaufsszenarien eingesetzt werden kann.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Von der ersten Idee, eine Transaktion müsse doch auch mit dem Smartphone ausführbar sein, hat sich einiges in der Konzeptionsphase verändert und geschärft. So habe ich das Projekt zunächst aus technologischer Sicht betrachtet und angegangen, dann aber schnell gemerkt, die Übertragungstechnologie alleine ist nicht entscheidend im Mobile Payment. Wer eine Mobile Payment Lösung etablieren möchte hat viele Herausforderungen zu meistern.

So ist es wichtig, dass Nutzer ihre bestehende Hardware nutzen können und keine hohen Initialkosten entstehen. Außerdem benötigt man eine Bezahlinfrastruktur, die flächendeckend und bei allen gängigen Bezahl- bzw. Einkaufsszenarien on- und offline eingesetzt werden kann. Insellösungen sind zu vermeiden. Und dann müssen natürlich auch die Kosten für Anwender attraktiv sein. Außerdem ist es entscheidend ein Produkt zu kreieren, dass Geschäftskunden und Endkunden gleichermaßen nutzen wollen und so Marktnachfrage generieren.

Entlang all dieser Herausforderungen haben wir das Konzept kontinuierlich angepasst und verbessert. So bestand beispielsweise ursprünglich mal die Idee, Transaktionen per GPS zu initialisieren, jetzt arbeiten wir mit QR- und Barcodes. Auch hatten war einmal angedacht den Vertrieb auf Endkundenseite, zum Beispiel bei Studenten zu starten. Auch hier gehen wir jetzt einen ganz anderen Weg über große Geschäftskunden mit einem Umsatz > 50 Mio. Euro, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?

Die öffentliche Wahrnehmung von Mobile Payment ist immens und gefühlt jeder hat schon davon gehört und ist der Meinung das gibt es schon heute. Doch, wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrem Smartphone gezahlt? Die angeblichen 140 Anbieter im Mobile Payment müssen zunächst segmentiert werden. Anschließend bleiben in dem von Paymey besetzen Bereich des Multi-Channel Payments, welches von uns auch als White Label an Banken und Geschäftskunden vertrieben wird, nahezu keine Wettbewerber übrig. Der Markt ist noch ganz am Anfang und wir freuen uns verschiedenste Ansätze im disruptive Banking und im Bereich der sog. FinTech Start-ups zu sehen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Unser Start-up wird den Durchbruch aufgrund der verfolgten Strategie und Konzeption schaffen. So sind Banken und vertrauensvolle Institutionen wie z.B. große Key Accounts entscheidend um sich einen relevanten Marktanteil im Mobile Payment zu sichern. Da wir uns als B2B Anbieter für Mobile Payment nicht gegen Banken und andere Akteure antreten und deren Markt strittig machen, sehen wir uns als Lösungsanbieter für diese Institutionen gut gerüstet.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Neben einem Umsatzbasierten Modell bieten wir auch ein Lizenzmodell an. Wir gehen momentan von einem Break-Even im Jahr 2016 aus.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Wir positionieren uns aktuell in Deutschland und Österreich. Da der Markt hier noch wenig penetriert ist, sehen wir keine Expansion vor 2016 in andere Märkte der EU.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
In den kommenden zwölf Monaten wollen wir mit einem Partner und unserem Produkt Friends Pay (=P2P Bezahlen unter Freunden) starten. Weiterhin sind wir in fortgeschrittenen Gesprächen mit Anbietern aus dem Verlagswesen und Elektronikkonzernen, die mit unserem Produkt Print Pay Marketingkanäle zu Vertriebskanälen machen wollen. Weitere Meilensteine sind, dass wir einen strategischen Investor im September an Paymey beteiligen. Weiterhin wollen wir der Öffentlichkeit erneut die Möglichkeit geben, sich mittels Crowdfunding an Paymey zu beteiligen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Tobias Pfütze studierte von 2007 bis 2011 East Asian Studies mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre. Während seines Studiums in Tübingen absolvierte er Auslandssemester an der Peking Universität und Tongji Universität in Shanghai. Neben dem Studium engagierte er sich bereits bei einer Studentischen Unternehmensberatung. Die App Paymey wurde Ende des letzten Jahres gelauncht.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.