Standortinitiative Die Arbeit von nextMedia.Hamburg in der Praxis

Die neue Standortinitiative nextMedia.Hamburg spricht sich ausdrücklich dafür aus, nicht im eigenen Süppchen kochen zu wollen und zu können. Aber wie kann eine konstruktive Zusammenarbeit mit Hamburgs Unternehmen, Initiativen oder auch Einzelpersonen im Detail aussehen?
Die Arbeit von nextMedia.Hamburg in der Praxis

Viele sind ja immer erst mal skeptisch, wenn eine neue, von der Politik mitinitiierte Initiative die Bühne betritt. Viele befürchten politisch motiviertes Handeln, Ränke- und Machtspiele, Praxisferne. Begriffe wie ‘Entscheidungen am grünen Tisch’, ‘Spielen über die Bande’ etc. sind schnell bei der Hand – das Misstrauen ist groß und ein Vertrauensvorschuss klein bis nicht vorhanden.

In Bezug auf nextMedia.Hamburg fände ich das sehr schade. Denn gerade durch eine dermaßen überfällige Initiative und in einem so kleinen Bundesland wie Hamburg, wo es leicht ist, mit den Verantwortlichen persönlich ins Gespräch zu kommen, ist die Chance groß, selbst aktiv mitgestalten zu können und von der Initiative zu profitieren.

Erst recht dann, wenn die Macher ausdrücklich um konstruktive Kritik bitten und eigens dafür Beiräte installieren oder externe Advisors benennen.

Und erst recht auch dann, wenn diese Initiative sich so intensiv dialog-orientierte Vorgehensweisen auf die Fahnen geschrieben hat wie nextMedia.Hamburg.

Heike Scholz, mobile Zeitgeist und Unterstützerin der Initiative, formuliert die wohl größte Herausforderung für nextMedia.Hamburg so: “Die wohl größte Herausforderung für die nextMedia.Hamburg-Initiative ist das Zusammenführen der bereits bestehenden Aktivitäten der unterschiedlichen Gruppen in der Stadt. Hier alle Befindlichkeiten, Wünsche und Ansprüche unter einen Hut zu bringen, ähnelt der berühmten Quadratur des Kreises.

Doch genau in dieser Aggregation und damit dann der Bündelung der Kräfte liegt auch die große Chance, wirklich etwas zu erreichen und spürbar zu werden. Ob dies gelingen wird, steht meiner Meinung nach noch aus. Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten konstruktiv mitarbeiten und auf Besitzstandswahrung und Machtspiele verzichten.”

Aber: Gute Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen nextMedia.Hamburg und Hamburgs Unternehmen und Initiativen ist nicht nur Aufgabe der Initiative, sondern eben auch der anderen.

Also, am besten in Sachen Vorurteile alles auf Anfang stellen und schauen, inwiefern man selbst oder die eigene Initiative nextMedia.Hamburg aktiv und konstruktiv mitgestalten kann.

Dafür lohnt es sich, die geplanten Vorgehensweisen von nextMedia.Hamburg mal genauer anzugucken und zu überlegen, wo man selbst ansetzen könnte, um sich selbst aber auch dem Standort weiterzuhelfen. Man findet sie unter Angebote, das Scouting und den StartHub auch noch einmal unter Support (was ich ja auch wieder ein bisschen verwirrend finde).

Scouting – in den Dialog gehen mit Unternehmen und potentiellen Interessenten
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Jens Unrau, nextMedia.Hamburg, beim Start-up Roundtable im ‘alten’ betahaus Hamburg

nextMedia.Hamburg will von sich aus den Kontakt zu den Unternehmen der Zielgruppen suchen und, wenn ich den Terminus ‘potentielle Interessenten’ richtig interpretiere, auch mit Initiativen und anderen Gruppen oder Personen.

Man will sie bei ihren geschäftlichen Herausforderungen unterstützen und sich in den aktiven Dialog mit ihnen begeben.
Sehr gut daran gefällt mir, dass sich die Macher von nextMedia.Hamburg in die ‘Szene’ begeben wollen, rausgehen an ‘die Front’, statt die Lage aus einem Elfenbeinturm heraus beurteilen zu wollen.

Im Umkehrschluss heißt das für jedes Unternehmen, jede Initiative, die mit der Medien- und Digitalwirtschaft zu tun hat: Bezieht nextMedia.Hamburg ein. Ladet die Macher von nextMedia.Hamburg zu Euren Events ein, schafft Möglichkeiten, um ins Gespräch zu kommen. Holt sie früh ins Boot, haltet sie über Eure Projekte auf dem Laufenden und fragt um Rat oder Feedback, wann immer Ihr glaubt, das bringt Euch weiter.

Klasse wäre, wenn man seitens nextMedia.Hamburg auch aktiv auf die schon bestehenden Hamburger Initiativen zuginge und mit ihnen gemeinsam Konzepte entwickelt. Ihre Bedürfnisse und Wünsche sollten abgeklopft und geschaut werden, wie man sich gegenseitig am besten unterstützen kann.

Publishing – Relevante Infos in Leitfäden und Blogposts bieten
nextMedia.Hamburg möchte auch als eine Art Infozentrale fungieren. Man wird Infos zu “zentralen Fragen … zusammen mit den Erkenntnissen des Scoutings sowie den wichtigsten Trends rund um den Medien- und Digitalstandort Hamburg” in Leitfäden veröffentlichen sowie über aktuelle Themen im Blog berichten.

Auch hier ist es sicher möglich, den Themenkatalog von nextMedia.Hamburg mitzugestalten: Ein geschäftliches Wunschthema brennt unter den Nägeln, zu dem man gern mehr Infos hätte? Einfach mal bei nextMedia.Hamburg anregen.

Vielleicht ist es sogar möglich, als Externer Material zuzuliefern, sprich: Gastartikel bei nextMedia.Hamburg zu veröffentlichen? Bringt ja auf jeden Fall Reichweite und einen weiteren Baustein in Sachen Experten-Positionierung. Und sicher auch einen Backlink.

Networking – Die richtigen Kontakte zur richtigen Zeit vermitteln
nextMedia.Hamburg will – vor allem mit Hilfe des Vereins Hamburg@work – die ‘richtigen Köpfe’ zusammenbringen. “Das Matchmaking erfolgt online und offline. Zusätzlich werden direkte Kontakte zu qualifizierten Know-how-Trägern vermittelt.”

Dass gutes Networking aus Geben und Nehmen besteht, muss hier wahrscheinlich niemandem erzählt werden. Man kann, wenn man die Initiative stärken und anderen aus der Medien- und Digitalwirtschaft nützlich sein will, also auch seine eigenen Kontakte mit den Menschen bei nextMedia.Hamburg in Verbindung bringen – damit die Netzwerk-Base wächst und alle von möglichst vielen nützlichen Kontakten profitieren können.

Themen-Setting – Best Cases identifizieren und verbreiten
In der Beschreibung dieses Angebots formuliert nextMedia.Hamburg die Möglichkeit der Zusammenarbeit schon selbst: “Seien es die Ergebnisse des Scoutings und Networkings, neuste Entwicklungen am Standort oder innovative Ansätze für zukunftsfähige Geschäftsmodelle der Medienindustrie aus der ganzen Welt – zusammen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Partnern aus dem Netzwerk werden Best Cases identifiziert und digital verbreitet.”

Natürlich muss es nicht immer nextMedia.Hamburg sein, das spannende Themen entdeckt. Diese können natürlich genauso von Unterstützern ausgemacht und dann gemeinsam mit nextMedia.Hamburg aufbereitet und verbreitet werden.

Hosting – Spannende Events der Medien- und Digitalbranche veranstalten oder in Kooperation hosten
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Dr. Carsten Brosda spricht die Keynote auf dem newTV Kongress 2014

nextMedia.Hamburg veranstaltet diverse eigene Events für die Medien- und Digitalbranche, wie zum Beispiel das scoopcamp, den newTV Kongress oder den Webfuture Award.

Aber man kooperiert auch mit anderen spannenden Events wie dem Hamburger Mediendialog, der Social Media Week Hamburg, dem Reeperbahn Festival oder dem ADC Festival.

Wer also selbst einen Event plant, der thematisch etwas mit Content und/oder Technologie zu tun hat und der die Zielgruppen: Medien, Digitalwirtschaft, Start-ups adressiert, der sollte so früh wie möglich mit nextMedia.Hamburg ins Gespräch gehen. Sicher werden längst nicht immer finanzielle Mittel zur Unterstützung bereitgestellt werden können, aber ebenso sicher wird man gute Tipps und Kontakte bekommen. Und man rückt den Event einfach in die Wahrnehmung von nextMedia.Hamburg, so dass er auf die ‘Beobachtungsliste’ dort rückt.

So kann ein erfolgreicher Event, wenn er auch nicht gleich finanziell unterstützt wird, doch zum Proof of Concept für mögliche zukünftige Kooperationen werden – und dann vielleicht sogar auf finanzieller Ebene.

Training – Den Wirtschaftsstandort Hamburg mit gut ausgebildeten Leuten stärken
nextMedia.Hamburg beschreibt dieses Angebot so: “Recruiting und Fachkräftemangel sind allgegenwärtige Themen. Durch Kooperationen mit wissenschaftlichen Instituten sowie Hochschulen, u.a. dem Hans-Bredow-Institut, der HAW Hamburg, der Hamburg Media School oder der Macromedia Hochschule leistet nextMedia.Hamburg seinen Beitrag zur Förderung und Vermittlung von qualifizierten Mitarbeitern. Zudem werden regelmäßig gemeinsame Messeauftritte (CeBIT, gamescom) realisiert.”

Die o.g. Liste der Aus- und Weiterbildungs-Institute ist sicher nicht als abgeschlossene Liste zu verstehen. Wer also in Sachen Qualifizierung für die Medien- und Digitalbranche unterwegs ist, sollte mit nextMedia.Hamburg ins Gespräch gehen, um herauszufinden, welche Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung bestehen.

StartHub
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Dr. Esther Conrad, eine der Ansprechpartnerinnen des nextMedia.Hamburg-StartHubs

Leider nicht unter dem Punkt Angebote, sondern unter dem Menüpunkt Support findet man den Starthub, “das Herzstück des Scoutings. Das Office dient als erste Anlaufstelle von nextMedia.Hamburg und bietet unbürokratischen und flexiblen Service und Support zu Themen wie Vermittlung von Fördermittelberatung und Büroflächen sowie weiteren geschäftlichen Alltagsfragen – online sowie im persönlichen Gespräch vor Ort. Gleichzeitig dient es als Hub für gemeinsame (Weiter-)Entwicklungen von Maßnahmen für die Hamburger Startup-Szene.”

Weitreichender, als der Name es suggeriert, ist der StartHub, der ein reales Office sein wird, nicht nur für Fragen von Start-ups zuständig, sondern soll erste Anlaufstelle für Fragen jeder Art von nextMedia.Hamburg insgesamt werden.
Hauptsächlich aber will man sich hier tatsächlich um alles rund um die Start-up-Szene kümmern. Und auch hier gilt: Ruhig mit Fragen rund um die Gründung oder das Business an den StartHub wenden. Aber es macht auch Sinn, ohne akute Fragen nextMedia.Hamburg so früh wie möglich ins Boot zu holen, sie zu informieren, auf dem Laufenden zu halten über die (geplante) Gründung, das eigene Business in deren Wahrnehmungsfokus zu rücken.

Da werden sicher gute Tooltipps, Ansprechpartner oder erwähnenswerte Awards genannt, bei denen es sich lohnt zu pitchen. Und wer weiß: So gut, wie man bei nextMedia.Hamburg vernetzt ist, werden so vielleicht sogar Sponsoren oder gar die ersten Kunden auf das Unternehmen aufmerksam.

Und wenn man sich finanzielle Unterstützung von nextMedia.Hamburg wünscht?

Auch das ist seitens nextMedia.Hamburg nicht prinzipiell ausgeschlossen, wenn es auch sicher die große Ausnahme bleiben wird. Jens Unrau dazu: “Die Initiative nextMedia.Hamburg ist an Kooperationen interessiert und auch darauf angewiesen. Wir sind offen für Gespräche, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Dabei heißt für uns Kooperation nicht (in jedem Fall), dass wir finanzielle Unterstützung leisten.

Vielmehr ergibt sich aus unserer Sicht bei einer Kooperation auf Augenhöhe in der Regel auch ohne Förderung eine Win-Win-Situation – z.B. durch mehr Sichtbarkeit oder Erhöhung der Reichweite. Von einer Contentpartnerschaft über die gegenseitige Vermarktungsunterstützung bis hin zu einer ‘institutionellen’ Zusammenarbeit, das muss im Einzelfall konkret vereinbart werden.”

Dr. Carsten Brosda formuliert es noch etwas direkter: “Wer gründet, sollte nicht auf die Idee kommen, den ersten Gang in eine Senatskanzlei oder eine Wirtschaftsförderung anzutreten. Mal ganz ehrlich, jemand, dessen Mindset so ist, dem würde ich raten, doch nochmal eine etwas sicherheitsorientiertere berufliche Karriere einzuschlagen.”

Dennoch: Grundsätzlich ausgeschlossen sind finanzielle Förderungen durch nextMedia.Hamburg nicht. Weder für Unternehmen noch für Projekte oder Initiativen.

Aber das funktioniert eben nicht ‘mal eben’, man muss schon tüchtig vorlegen, um irgendwann vielleicht mit einem Scheck in der Tasche nach Hause zu gehen. Ist ja auch logisch, niemand gibt auf blauen Dunst hin Geld, weder ein Investor noch ein Sponsor und eben auch nicht nextMedia.Hamburg.

Checkliste für gelungene Kooperationen

Hier eine kleine Checkliste, wie man vorgehen könnte, um das (auch finanzielle) Vertrauen von nextMedia.Hamburg – oder jeder ähnlich funktionierenden Institution – zu gewinnen:

  1. Einen Proof of Concept im Ärmel haben. Gelungene Projekte, die man ohne Unterstützung des jetzigen Wunsch-Kooperationspartners auf die Beine gestellt hat, sind natürlich eine vertrauensbildende Maßnahme, die für sich spricht.
  2. Einander möglichst schon lange vor der Wunsch-Kooperation kennen und den Kontakt regelmäßig pflegen. So hat man ausgiebig Gelegenheit, einander kennen und schätzen zu lernen.
  3. So früh wie möglich miteinander über das geplante Projekt reden. Weit, bevor man tatsächlich mit Finanzierungsbitten auf den möglichen Partner zukommt, sollte man ihm die Idee vorstellen, ihn um seinen Rat und seine Expertise bitten. So holt man ihn ins Boot und er kann sich nach und nach mit dem Projekt auseinandersetzen und sich mit ihm identifizieren.
  4. Regelmäßige Status-Updates liefern. Damit der Wunschpartner nachvollziehen kann, wie das Konzept des Projekts sich entwickelt, reift und wächst, sollte man ihn auf dem Laufenden halten und seinen Tipps auch in dieser Phase zuhören.
  5. Ein detailliertes Konzept vorlegen. Wenn man denn soweit ist, um finanzielle Unterstützung zu bitten, sollte deutlich formuliert werden, wie viel man wofür genau braucht. Die Kosten müssen klar erkennbar sein, aber auch der über das rein Finanzielle hinausgehende Bedarf (z. B. Kontakte, Zugang zu Räumen…).

    Das Konzept des Projekts sollte gut verständlich kommuniziert werden, ebenso wie Begründungen, die für den Erfolg des Projekts sprechen. Und dem Wunschpartner sollten natürlich auch gute Gründe geliefert werden können, warum es sich auch für ihn, hier also für die Erreichung der Ziele von nextMedia.Hamburg, lohnt, in das Projekt zu investieren. Es soll ja eine Win-Win-Siutation entstehen.

  6. Falls eine finanzielle Unterstützung durch den Wunschpartner nicht möglich ist, ihn um Tipps für andere mögliche Partnern bitten. Denn selbst wenn er selbst nicht helfen kann, kann er vielleicht neue Türen öffnen.
Danke für die Fotos von Jens Unrau und Dr. Esther Conrad an Sina Gritzuhn, Hamburg-Startups

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.