Sebastian Rumberg im Interview Ring, ring, ring: Das Startup-Telefon bietet Gründertipps

Hilfe, ich weiß nicht weiter. So ergeht es in der ersten Phasen der Gründung vielen Jung-Unternehmen. Eine zentrale Anlaufstelle für all die Fragen, die mit den ersten Schritten in der Start-up Welt verbunden sind, ist ab sofort das Startup Telefon. Montag bis Freitag ist die Hotline besetzt.
Ring, ring, ring: Das Startup-Telefon bietet Gründertipps

Junge Gründer wissen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Zu viele Fragen, die zu Beginn ihrer Unternehmerlaufbahn geklärt werden müssen. Doch wer weiß über all die Dinge Bescheid, kann Auskunft geben über die richtige Fianzierung, Businessplanwettbewerbe, Mitarbeiterakquise, Netzwerke und und und. Mit dem Startup Telefon hilft das Organisationsteam von Startup Germany genau bei diesen Fragen weiter. Seit einigen Wochen geben erfahrene Gründer unter der Telefonnummer (030) 202 374 10 von Montag bis Freitag Tipps und Hilfestellung.

Vor wenigen Wochen habt ihr das Startup-Telefon frei geschaltet. Was verbirgt sich dahinter?
Das Startup Telefon ist eine kostenlose Hotline für Gründer, die sich mit ihren Sorgen und Problemen an uns wenden können. Wir helfen Ihnen dann mit ersten Ratschlägen, Tips und unserem Netzwerk – oder einfach nur mit Zuhören. Die Hotline ist für uns ein erster Schritt, um Gründern und Unternehmern in Deutschland auf eine sehr persönliche Art helfen zu können.

Wer sind die Initiatoren und wie seid ihr darauf gekommen?
Wir denken viel darüber nach, wie wir Menschen helfen können, die selbst etwas umsetzen wollen – was wir uns selbst als Gründer wünschen würden. Einer der ersten Ideen war dann das Startup Telefon. Die Idee hinter dem Telefon ist eigentlich eine ganz einfache: Heute finden wir Tausende Artikel online, wie man ein Unternehmen aufbaut, die richtigen Leute einstellt, Geld einsammelt und was nicht sonst noch alles – aber beim Lesen bleibt immer der Gedanke: ,Das mag alles richtig sein, aber mein Fall ist besonders.‘ Gleichzeitig haben die meisten Gründer nicht das Netzwerk oder den Mut, um erfahrene Leute um Rat zu bitten. Genau an diesem Punkt setzen wir an und wollen Ihnen mit dem Telefon die Hand reichen, um Ihnen bei ihren Fragen zu helfen.

Unter welcher Nummer erreiche ich euch und wer sitzt dort am Telefon?
Du erreichst uns jeden Tag von 10 bis 17 Uhr unter (030) 202 374 10. Im Augenblick beantworten vor allem Sebastian Rumberg und Markus Schranner das Telefon. Wir haben aber bereits viele Angebote von Gründern, VCs und Beratern aus der Startup-Szene bekommen, die uns bei der Beantwortung helfen können. Wir denken gerade darüber nach, wie wir das Angebot weiter ausbauen können. Die aktuelle Version war für uns vor allem der Test: Rufen Leute überhaupt eine Telefonnummer an, wenn sie Fragen haben? Das aktuelle Feedback ist dabei überwältigend positiv.

Mittlerweile ist die Nummer seit einigen Wochen freigeschaltet: Welche Erfahrung nehmt ihr aus den ersten Wochen mit und wer ist der typische Anrufer angerufen?
Bis jetzt haben knapp 50 Gründer bei uns angerufen und das Feedback, das wir bekommen, ist wahnsinnig gut. Ein durchschnittliches Gespräch dauert knapp 20 Minuten, oftmals verbleiben wir dann so, dass uns die Gründer weitere Materialien schicken, wenn es um Details geht oder wir sie an einen geeigneten Partner weitervermitteln – dabei kann es sich um einen anderen Gründer handeln, die zusammenarbeiten können, oder Tips haben, Investoren oder andere Experten.

Mit welchen Fragen werden ihr am Startup-Telefon konfrontiert?
Die meisten Fragen drehen sich vor allem um die ersten Schritte für angehende Gründer: Ich will eine App bauen, soll ich meinen Job verlassen? Warum wurde mein Businessplan nicht akzeptiert? Wie kann ich mein Startup finanzieren? Könnt ihr mir jemanden empfehlen, der mir bei der Entwicklung helfen kann? Darüber hinaus bekommen wir aber auch Fälle, die aus dem Rahmen fallen: Ein Gründer suchte zum Beispiel eine 100 Mio. € Seed-Finanzierung, ein anderer hat eine neue Ultraschall-Zahnbürste entwickelt, nutzte aber 80% seines Business-Plans dafür, um zu erklären, warum die Konkurrenten Lügner sind. Er hat sich an uns gewandt, um zu lernen, warum seine Anfragen von (den völlig falschen) VCs abgelehnt wurden.

Für wen ist die Hotline gedacht und inwieweit könnt ihr helfen?
Die Hotline richtet sich an alle Menschen, die selbst etwas umsetzen wollen oder bereits als Gründer aktiv sind und auf Probleme stoßen – ganz egal, ob es nur eine erste fixe Idee ist, oder sie bei konkreten Problemen nicht weiter kommen. Wir sind für die Gründer dann im besten Fall ein erster Ansprechpartner. Entweder wir können den Leuten direkt durch Tips oder Empfehlungen helfen, oder aber wir kennen jemanden, der dafür der richtige Ansprechpartner ist. Wir haben bereits Gründer zusammengebracht, an Angels und Investoren vermittelt und Tips zu PR, Geschäftsmodell und allen anderen möglichen Gründerthemen gegeben. Das wirklich Tolle an unserer Arbeit ist, dass jedes neue Gespräch, jeder vermittelte Kontakt für die Leute eine neue Chance ist und vielleicht neue Ideen oder Projekte für alle Beteiligten bedeutet.

Wodurch ist es möglich, die Hotline kostenlos anzubieten? Wie finanziert ihr euch?
Wir sehen die Hotline nicht als Hauptprodukt, sondern als ein Schritt zu dem größeren Ziel hinter Startup Germany: Wir wollen die gemeinnützige Organisation zum ersten Anlaufpunkt in Deutschland für Gründer und Unternehmer aufbauen. Da wir alle schon selbst eine oder mehrere Gründungen durchgemacht haben, wissen wir, wie wenig oder gar kein Geld Startups am Anfang haben. Die Idee hinter Startup Germany basiert deshalb auf einem gemeinnützigen Ansatz. Wir wollen jungen Gründern und angehenden Unternehmern kostenlos und ganz uneigennützig helfen, und werden unsere Arbeit durch Fördermitglieder finanzieren. Dafür reden wir im Augenblick mit größeren Unternehmen und Organisatoren.

Inwieweit grenzt ihr euch von anderen Beratungsmöglichkeiten für junge Gründer ab?
So genau kann ich Dir das gar nicht sagen. Ich selbst kenne die Beratungsszene nicht und arbeite eigentlich nur mit dem Grundsatz: Alles, was Leuten wirklich hilft, ist gut. Danach arbeiten wir wie andere Startups auch: Wir testen Produkte – wie etwa das Startup Telefon – und können anhand des Feedbacks sehen, ob es eine gute Idee ist. Wenn sich die Idee bestätigt, bauen wir sie aus, wenn nicht, dann versuchen wir etwas anderes.

Folgen dem Telefon weitere Projekte, die auf Beratung ausgerichtet sind?
Wir bauen gerade weitere Projekte auf, aber nicht direkt mit einem Fokus auf Beratung. Für uns ist das Telefon einer von vielen ersten Schritten, um der größeren Idee hinter Startup Germany näher zu kommen. Wir wünschen uns für die Szene in Deutschland einen stärkeren Austausch zwischen den einzelnen Gründern, Unternehmen, Regionen und Organisationen. Wir setzen dabei auf unser nationales und internationales Netzwerk, dass wir uns in den vergangenen Jahren aufgebaut haben und verbinden die losen Enden in den kommenden Monaten und Jahren zu einem großen Ganzen.

Wie macht ihr euch bekannt?
Für uns hat am Anfang vor allem die Gründerpresse eine wichtige Rolle gespielt. Ansonsten fokussieren wir uns im Augenblick ganz auf unsere Projekte. Wenn wir so gut sind, dass die Leute darüber reden, dann haben wir etwas richtig gemacht. Ganz werden wir aber natürlich nicht auf PR und Marketing verzichten, im Augenblick liegt aber der Fokus ganz auf der Umsetzung der Ideen.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.