Christian Hubel von 99tastes “Wir sind Fans der Lean-Startup-Methoden”

Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Christian Hubel, Gründer von 99tastes, einem Shop für ausgewählte Delikatessen, über das Club-Konzept, Abo-Modelle und Lean-Startup-Methoden. 99tastes richtet sich an Genussmenschen, die Spaß daran haben, hochwertige Lebensmittel zu entdecken.
“Wir sind Fans der Lean-Startup-Methoden”

Wer ausgewählte und exklusive Lebensmittel sucht, könnte bei 99tastes fündig werden. Es ist ein Online-Shop für ausgewählte und besondere Delikatessen. Das Angebot richtet sich dabei vor allem an Genussmenschen. Damit bewegt sich Christian Hubel in einem schwierigen Segment. Mit dem Gründer spricht deutsche-startups.de im Gründer-Kurzinterview über das Shopping-Club-Konzept, Abo-Modelle und über Lean-Startup-Methoden.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
99tastes ist ein Online-Shop für ausgewählte, besondere Delikatessen. Unser Angebot richtet sich an Genussmenschen und „Foodies“, die Spaß daran haben, neue hochwertige Lebensmittel zu entdecken und auszuprobieren oder auch zu verschenken. Dabei ist unser Ansatz, den Kunden jede Woche neue Besonderheiten oder Spezialitäten vorzustellen, die sie vermutlich noch nicht kennen. Das sind z.B. Produkte von kleinen Manufakturen oder Produzenten aus der ganzen Welt, die bisher meist nur regional verkaufen und keiner breiten Masse zugänglich sind. Für manche Produkte sind wir deshalb der exklusive Online-Händler.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Bei der Konzeption und Gründung des Unternehmens im April 2013 war 99tastes als geschlossener, exklusiver Shopping-Club mit Flash-Sale-Elementen geplant, sozusagen als Kombination aus Westwing und Fab für hochwertige Lebensmittel. Bereits wenige Wochen nach dem Launch im Juli mussten wir aber lernen, dass wir einerseits nicht das Budget haben, um dieses Konzept in den Markt zu drücken und andererseits das Shopping-Club-Konzept offenbar nur mit dem Argument „Schnäppchen“ bei den Nutzern richtig punkten kann. Deshalb haben wir kurzerhand unsere Plattform geöffnet und unser Konzept verändert.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Unsere Mitbewerber sind die großen Online-Supermärkte, die klassischen Delikatessen-Häuser im Einzelhandel, aber auch neuartigere Geschäftsmodelle, die sich mit hochwertigen Lebensmitteln beschäftigen, wie z.B. die zahlreichen Abo-Box-Anbieter. Wir haben uns übrigens bewusst gegen das Abo-Modell entschieden, da ein Abo in Augen der Kunden oft ein negatives Image hat und wir den Nutzern die freie Entscheidung lassen wollen, welche Delikatessen Ihnen schmecken könnten und sie ausprobieren möchten. Im Prinzip bieten zwar alle Mitbewerber teilweise vergleichbare Lebensmittel an, unsere Aufgabe ist es aber, den Kunden zu zeigen, dass es ab und zu auch etwas Besonderes oder Ausgefallenes sein darf, das es nicht überall zu kaufen gibt.

Wir grenzen uns von anderen Anbietern ab, indem wir bewusst ein kleines Sortiment und nur ein vorausgewähltes Produkt je Kategorie als Empfehlung anbieten. Wir reduzieren damit die Auswahl und nehmen v.a. den Kunden, die noch nicht wissen, was genau sie suchen, die Entscheidung ab. Nach dem Motto „weniger ist mehr“. Wir kennen sicher alle die Situation, in der wir am Supermarkt vor dem Weinregal stehen, und von der Auswahl überfordert sind. Daher stammt auch der Name 99tastes. Wir haben maximal 99 Produkte gleichzeitig im Sortiment, dafür stellen wir unseren Kunden regelmäßig neue Delikatessen vor.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Wir erhalten für unser Konzept fast nur positives Feedback, der entscheidende Faktor für die nächste Zeit wird aber sicherlich, größere Reichweite und Bekanntheit aufzubauen, um mit unseren Spezialitäten mehr Nutzer zu erreichen und unsere Produkte in höheren Chargen abverkaufen zu können. Da wir selbstfinanziert sind und unser Budget dadurch leider sehr begrenzt ist, ist die Herausforderung, dies ohne große Kosten zu erreichen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Geschäftsmodell bei 99tastes ist klassischer Online-Handel. Wir betreiben eine eigene Lagerhaltung und Logistik und verdienen an der Marge unserer verkauften Produkte. Wir konnten in den letzten Monaten bereits einige erste zahlende Kunden und Umsätze generieren. Da wir Fans der Lean-Startup-Methoden sind, experimentieren wir aber sehr viel an unserem Modell und befinden uns immer noch in der Proof-of-Concept-Phase. Wo wir damit am Ende landen und wann wir so schwarze Zahlen schreiben, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Im Moment sind wir fokussiert auf den deutschen Markt, wo wir unser Modell ausbauen und auf stabile Beine stellen wollen. Langfristig ist die Internationalisierung angedacht, wir könnten uns aber auch gut vorstellen, tiefer in konkrete Verticals zu gehen.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wichtigste Meilensteine sind der angesprochene Ausbau unserer Reichweite und Professionalisierung unseres Unternehmens in allen Bereichen.
Außerdem wollen wir strategische Partner und/oder Business Angels gewinnen, die uns auf unserem Weg begleiten, um das Unternehmen nachhaltig zum Erfolg zu führen. Im Online-Lebensmittelhandel stehen wir in Deutschland noch ganz am Anfang, hier wird sich noch einiges bewegen in den nächsten Jahren. Dabei wollen wir mitmischen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

zur Person:
Christian Hubel hat nach seinem Medienmanagement-Studium in München als Produktmanager internationale Online Consumer Portale und Startups mit aufgebaut. Nachdem er bereits seit 2005 nebenberuflich selbständig aktiv war, hat er sich vor etwa einem Jahr für die Vollzeit-Selbständigkeit entschieden und unterstützt seitdem verschiedene Online-Unternehmen im Produkt- und Projektmanagement und verfolgt eigene Projekte wie 99tastes.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.