Silvan Rath von ParkTag “Fast 25 % des Großstadtverkehrs sind Parkplatzsuchverkehr”

Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Silvan Rath, Gründer der Smartphone-App ParkTag über gestresste Autofahrer, der Bündelung von Parkplatzdaten und Social Parking. Das junge Start-up will Autofahrern zu einer raschen Abstellmöglichkeit für die Karre verhelfen.
“Fast 25 % des Großstadtverkehrs sind Parkplatzsuchverkehr”

Parkplatzsuche in der Großstadt endet nicht selten in einer Nerven aufreibenden Gurkerei um den Block. Dabei ist Parkraum im Stadtgebiet aureichend vorhanden – wenn man nur wüsste wo? Hier setzt die App ParkTag an, sie will Autofahrern zu einer raschen Abstellmöglichkeit für die Karre verhelfen. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de sprach Gründer Silvan Rath über gestresste Autofahrer, der Bündelung von Parkplatzdaten und Social Parking.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Wir sorgen dafür, dass Autos bald vollautomatisch einen Parkplatz finden. So können die weltweit adressierbaren 300 Mio. Fahrer ca. 15 Minuten Suchzeit pro Tag sparen. Fast 25% des Großstadtverkehrs sind Parkplatzsuchverkehr. Da sind enorme Zeit und Geldeinsparungen möglich. Mit unserer App können Fahrer schon heute Echtzeitverfügbarkeit von Parkplätzen am Straßenrand feststellen. Fahrer helfen sich gegenseitig, indem sie über die App Parkplätze melden. Wir sind besonders stolz auf das Feature „Parkplatzerkennung“. Wir haben eigens dafür eine eigene Sensor Fusion Technologie entwickelt. Nach Nutzereinwilligung kann die App dadurch vollautomatisch erkennen, ob ein Parkplatz frei geworden ist. Das läuft völlig anonym, es sei denn der Nutzer möchte einen Parkplatz persönlich übergeben. Viele gestresste Fahrer haben wenig Zeit aktiv Parkplätze in einer App zu melden, daher bieten wir optional die automatische Erkennung an.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Sehr. Erfolgreiche Gründung ist auch abhängig von der Fähigkeit das Geschäftsmodell ständig weiter zu entwickeln. Gestartet sind wir mit der Idee, das eigene Auto wieder zu finden. Schnell haben unsere Nutzer gefragt, ob wir nicht auch Parkplatzsuche einbauen können. Auch momentan feilen wir mit Industriepartnern an spannenden Erweiterungen.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Das Thema Parken ist aktuell sehr umworben. Selbst die Telekom zeigt in ihren visionären TV-Spots automatische Parkplatzsuche im Auto. Allerdings konzentrieren sich die meisten Modelle auf private Parkflächen, die vermietet werden. Wir glauben, die Echtzeiterfassung von öffentlichen Parkflächen ist aber der springende Punkt. In urbanen Zentren gibt es einfach zu wenig private Parkflächen die vermietet werden könnten. Es gibt erste Marktbegleiter die aktuell an den Start gehen. Das sehen wir aber entspannt. Wir glauben, dass weltweite Parkplatzproblem ist zu groß für einen Anbieter. Daher arbeiten wir mit anderen Anbietern, um Parkplatzdaten zu bündeln. Am Ende ist uns wichtig, dass Fahrer einen Parkplatz finden. Egal, ob über unsere oder eine Partner-App. Wir wären ein seltsames Social Parking Startup, wenn wir nicht auch mit Anderen Teams zusammen arbeiten würden…

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Kritische Masse! Eine lebende Community hängt immer von der Aktivität der Nutzer ab. Social Parking baut auf die Verfügbarkeit von ausreichend vielen Parkplatzinformationen. Daher fokussieren wir uns auf Nutzergewinnung in urbanen Zentren. Wir arbeiten gleichzeitig aktiv mit Industriepartnern zusammen, die der Idee Reichweite verschaffen werden. Es gibt eine Reihe spannender internationaler Partnerschaftsanfragen. Nach unserer Runde mit Business Angels aus Chicago, Singapur, Jakarta und Berlin steht die nächste Wachstumsrunde bevor. Wir wollen gerne in Berlin bleiben und akquirieren daher auch lokal Wachstumsfinanzierung.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Wir vergeben unsere Technologie an Partner z.B. andere Parkplatz-Apps. Uns geht es um die Lösung des Parkplatzproblems. Es macht ja keinen Sinn, dass alle eine eigene Technologie aufbauen. Je mehr Teams Parkplatzdaten einsammeln desto besser für alle. Wir bekommen dann eine Lizenzgebühr von den Partnern. Manche Partner tauschen die Parkplatzdaten mit uns aus, dann gibt es eine Diskontierung der Lizenzgebühren. In unserer eigenen App zeigen wir dann Location Based Advertising an, um unsere aufgebaute Reichweite zu refinanzieren.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Weltweit gibt es ca. 300 Mio. Fahrer in Großstädten, die täglich ein Parkplatzproblem haben. Dies ist unser Kernmarkt. Eine Stadt wie Boston ist historisch gewachsen. Wer schon mal da war weiß, dass Parken dort eine Katastrophe ist. Hier kann nur Social Parking helfen, da es nicht ausreichend privaten Parkraum gibt, der durch Peer-to-Peer-Konzepte erschlossen werden kann, und auch kommerzieller Parkraum ist rar. Wir werden überall dort, wo wir keine Partner finden, eigene Reichweite aufbauen, damit möglichst schnell alle Ballungszentren erschlossen sind.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir sind aktuell in der Wachstumsphase, da gibt es natürlich an allen Schrauben noch viel zudrehen. Ein festes Ziel ist die Kooperation mit weiteren Parkplatzsystemen. Wir denken da insbesondere an Vermietungen privater Stellplätze, weitere Parkhausbetreiber und planen konkrete Pilotprojekte mit Autoherstellern. Außerdem suchen wir aktuell einen CTO für das Team, um unsere R&D Aktivitäten für In-Car Apps voran zu treiben. Wer Lust hat ein „Parkengel“ zu werden, kann sich gerne melden.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Der geborene Berliner ist seit 2001 im Geschäftsaufbau und Technologievertrieb tätig. Bei Cisco Systems, hat er von Amsterdam aus, den Partner-Vertrieb für die Länder Schweiz und Österreich geleitet. Nebenher hat er das Open Source Projekt artist8.com mit 12 Freiwilligen ins Leben gerufen. Künstler und Medienschaffende konnten dort berufliche Kontakte knüpfen (professional social network). Für die Firma Nedstat (Comscore) hat er später industrieführende Onlinestatistik-Lösungen vertrieben. Seit 2009 ist er für eBay Inc. tätig und leitet aktuell den Großkundenvertrieb.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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