“Wichtig ist, etwas Großes schaffen zu wollen” – Oliver Pabst im Interview

Oliver Pabst investiert in junge Start-ups, um “viel zu lernen und gemeinsam etwas zu erreichen”. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Pabst, der bei Willy Bogner Mitglied des Vorstands und über den b-to-v Investorenkreis […]
“Wichtig ist, etwas Großes schaffen zu wollen” – Oliver Pabst im Interview

Oliver Pabst investiert in junge Start-ups, um “viel zu lernen und gemeinsam etwas zu erreichen”. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Pabst, der bei Willy Bogner Mitglied des Vorstands und über den b-to-v Investorenkreis in Jungunternehmen investiert, über die Notwendigkeit Veränderungen zu erkennen und umsetzen, Warnsignale die es sensibel zu verfolgen gilt sowie IPO als Alternative, Geld aufzunehmen.

Reden wir über Start-ups. Was macht für Sie den Reiz aus, in kleine Start-ups zu investieren?
Für mich persönlich liegt der größte Reiz – neben der Upside früh und damit mit einem größeren Hebel zu investieren – darin, Teams und neue Geschäftsmodelle in der Frühphase mit gestalten zu können, viel zu lernen und gemeinsam etwas zu erreichen.

Was können und sollten Start-ups von Investoren lernen – und was können und sollten Investoren von Start-ups bzw. den Gründern lernen?
Grundsätzlich sollten die Gründer offen sein, zuhören und die Notwendigkeit zu Veränderungen erkennen und umsetzen, nur dann können sie “lernen” und das Optimum aus der Partnerschaft mit Investoren mitnehmen. Wichtig ist, etwas Großes schaffen zu wollen – und hierzu müssen Gründer und Investoren zusammen arbeiten und lernen. Ich lerne jeden Tag, insbesondere aber lerne ich durch Gründer nicht nur neue Geschäftsmodelle kennen, sondern auch die Notwendigkeit etablierte Geschäftsmodelle zu hinterfragen und anzupassen.

Und was muss ein Start-up bieten, damit es für Investoren attraktiv ist?
An erster Stelle steht das Team, dann das Geschäftsmodell, dann der Markt und dessen Attraktivität. Wenn das Team überzeugt und das Geschäftsmodell passt, dann besteht immer eine Chance, dass ein Start-up Erfolg hat.

Und was, wenn ein Geschäftsmodell passt, aber das Team nicht überzeugt: Wie kann man dieses Problem als Investor für alle Seiten elegant lösen?
Elegant? Ein schönes Wort für eine Konfliktsituation. Wenn ein Team nicht überzeugt, gilt es im Team Veränderungen herbeizuführen, sprich Teammitglieder abzulösen, neue an Board zu holen, etc.

Kann man so etwas denn elegant lösen – oder ist solch eine Situation immer mit großem Konflikt, Stress und Enttäuschungen verbunden?
Ich versuche grundsätzlich für alle Beteiligten gesichtswahrende Löesungen herbeizuführen. Aber zu Enttäuschungen und zu Stress kommt es immer, nicht zuletzt weil die einmal entwickelten Pläne und die gemeinsame Zusammenarbeit aufgegeben werden muss.

Was ist besser, ein Start-up, das ruhig sein Geschäft ausübt oder ein Start-up, das von der Szene, den Medien und den Investoren gehypt wird und somit komplett im Mittelpunkt steht?
Das hängt grundsätzlich vom Geschäftsmodell und der Branche ab. Meiner persönlichen Neigung folgend, arbeite ich lieber “ruhig” und unter dem Radar, bis die Marktreife erreicht ist.

Und wenn die Marktreife erreicht ist, was dann?
Dann sollte man die Energie zielgerichtet in die Bekanntmachung stecken, Kanäle testen, Kanäle optimieren etc., um an das Optimum heran zu kommen.

Mal angenommen ein Start-up, eine Idee funktioniert doch nicht: Wann ist der beste Zeitpunkt, die Reißleine zu ziehen?
Es gibt keinen “besten” Zeitpunkt, es gibt eher Warnsignale die es sensibel zu verfolgen gilt. Das wichtigste Warnsignal ist die Teamstruktur, passt diese nicht, sollte man “alles in Frage stellen”!

Können Gründer, diese Warnsignale überhaupt wahrnehmen, oder muss dies jemand von außen ansprechen?
Oftmals sind die Gründer zu involviert und es fehlt ihnen der Abstand. Übrigens eine sehr menschliche Eigenschaft!

Derzeit reden alle vom neuen Neuen Markt: Ist die Börse für Start-ups und Investoren ein erstrebenswertes Ziel?
Natürlich ist ein IPO eine Alternative, und zwar eine sehr interessante. In diesem Zusammenhang ist Bergfürst zu nennen, die erste Crowdinvesting-Plattform mit Bafin-Lizenz. Urbanara.de ist der erste Emittent, dessen IPO für Mtte September geplant ist. Damit wird diese Assetklasse für eine wesentlich größeres Publikum attraktiv.

Welches größere Publikum können Start-ups über Crowdinvesting-Plattformen wie Bergfürst oder klasssische IPOs ansprechen?
Die Unternehmen können aus bestehenden Kunden Investoren machen und aus Investoren Kunden. Investoren können sie dabei viel intensiver in die eigene Kommunikation integrieren. Stichwort: Social Marketing. Die Investoren haben ein sehr starkes Interesse daran, dass “ihr” Unternehmen wächst und damit der Wert Ihrer Beteiligung steigt. Um dies zu erreichen sind sie motiviert, das junge Wachstumsunternehmen auch in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis vorzustellen. Das schafft kostenlose Reichweite und Aufmerksamkeit. Genau das brauchen die jungen Unternehmen. Außerdem ist Crowdinvesting in Europa gerade im Aufbau und wird von einer breiten Öffentlichkeit beobachtet. Unternehmen, die jetzt Kapital per Crowdinvesting aufnehmen können sich auch der Aufmerksamkeit von Medien und Politik sicher sein.

Zur Person
Oliver Pabst begann seine berufliche Laufbahn 1987 mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und promovierte im Anschluss an der Hochschule St. Gallen. Nach kurzer Tätigkeit für McKinsey & Company trat er 1995 in die Dienste seines Familienunternehmens, der Gerhard Pabst GmbH, in dem er verschiedene Managementpositionen bekleidete. Nach dem teilweisen Verkauf der Unternehmensgruppe 2002 wendete er sich als geschäftsführender Gesellschafter neuen Aufgaben bei Boards & More zu. 2006 kam Oliver Pabst schließlich zu Willy Bogner, wo er als Mitglied des Vorstands und Geschäftsführer verschiedener Tochtergesellschaften bis heute tätig ist. Im Oktober spricht Pabst auf der David and Goliath-Konferenz, die am 30. Oktober erstmals stattfindet.

Über David and Goliath
David and GoliathDavid and Goliath ist eine internationale Investorenkonferenz, die sich mit den Themenbereichen Innovation und Unternehmertum beschäftigt. Das Ziel der Konferenz ist es, die Entstehung von neuen Technologien und neuen Geschäftsideen in etablierten Unternehmen und in Start-ups zu diskutieren und aus Gemeinsamkeiten, Unterschieden und gedanklichen Verbindungen zwischen Innovationstreibern zu lernen.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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