KISI: Der Türschlüssel im eigenen Smartphone

Wer hat nicht schonmal seinen Wohnungsschlüssel verloren und musste einen Ersatz bei Freunden abholen oder den Schlüsseldienst rufen, der teilweise für das Türoffnen finanziell kräftig zulangt? KISI (www.kisi.de) verspricht eine Lösung für solche […]
KISI: Der Türschlüssel im eigenen Smartphone

Screenshot der KISI-Startseite

Wer hat nicht schonmal seinen Wohnungsschlüssel verloren und musste einen Ersatz bei Freunden abholen oder den Schlüsseldienst rufen, der teilweise für das Türoffnen finanziell kräftig zulangt? KISI (www.kisi.de) verspricht eine Lösung für solche Probleme in Form seines internetbasierten Zugangssystems. Virtuelle Schlüssel können temporär oder permanent vergeben werden, das Öffnen der Tür funktioniert dann per Smartphone.

Folgende Szenarios kommen weltweit jeden Tag vor: Der Sohn ruft von einer Nachbarin aus an, weil er seinen Schlüssel Zuhause vergessen oder verloren hat. Mitarbeiter in der Firma benötigen zeitweise oder permanent Zugriff auf bestimmte Räume und Büros, die Schlüsselverwaltung per Zettel oder Tabellenkalkulation ist aufwändig. KISI bietet Interessierten ein Hardware-Kit an, mit dem sie ihre realen Wohnungs- oder Büroschlüssel nicht mehr benötigen. Seit Februar 2013 ist das Pilotprojekt in München und New York am Start, das Kit kann für etwa 350,- Dollar vorbestellt werden.

Die Hardware wird mit dem bestehenden Schließsystem oder der Gegensprechanlage der Wohnung verbunden, der Nutzer steuert per Smartphone über das Internet das Türschloss beziehungsweise den Summer. Zuvor erstellt er per App oder im Browser virtuelle Schlüssel, die permanent oder nur für eine bestimmte Zeitspanne valide sind. Sollte das Smartphone einmal verloren gehen, liegen die Schlüssel weiterhin in der Cloud, so dass der Zugriff per Desktop-PC oder einem neuen Smartphone sichergestellt ist. In der Webansicht erhält der Nutzer eine Übersicht über die bestehenden Schlüssel, die er auch von dort verwalten kann. Das System können Kunden mit etwas Geschick selbst installieren, KISI bietet allerdings einen kostenpflichtigen Installationsservice für München und Berlin an.

Erste Finanzierung durch EXIST, Investoren für die Serienfertigung gesucht

Maximilian Schütz war einmal auf dem Münchener Oktoberfest, als ihn Freunde auf dem Smartphone anriefen, die ihn besuchen und bei ihm übernachten wollten. Um sie in seine Wohnung zu lassen, musste er das Oktoberfest verlassen – als er wieder zurück kam, war sein Platz natürlich weg. Daraufhin gründete er mit Bernhard Mehl und Carl Pfeiffer zusammen im Oktober 2012 die KISI GbR in München, um KISI zu entwickeln. Finanzielle und materielle Unterstützung erfährt das junge Team durch die EXIST-Förderung sowie verschiedene universitäre Zentren in München. Inzwischen suchen die KISI-Macher Kapital für die Serienproduktion ihres Produktes. Das Geschäftsmodell soll hauptsächlich über den Hardware-Verkauf laufen, die Nutzung an sich wird kostenlos sein.

KISI ist mit seiner Idee nicht allein

Einen potenziellen Markt für virtuelle, mobile Schlüssel scheint nicht nur KISI zu wittern: Lockitron (www.lockitron.com) und August Smart Lock (www.august.com) sind Mitbewerber, die ähnlich zu KISI noch nicht in Serie produzieren – deren Geräte können gleichermaßen vorbestellt werden. Auch das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) hat mit Key2Share (www.key2share.de) ein smartphonebasiertes Zugangssystem entwickelt, das auf NFC (Near Field Communication) fußt.

Fazit

Die Grundidee, Schließsysteme elektronisch zu steuern, ist nicht gerade neu. In Hotels und bei Firmengebäuden wird das Prinzip bereits seit Jahren verwendet, dort per Chipkarte oder Transponder. Dies im Zeitalter des allgegenwärtigen Smartphones über das Internet zu nutzen, klingt logisch und bringt durchaus praktische Lösungen für bestimmte Anwendungsszenarien mit sich. Update: Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, das KISI auf seiner Website mit der Verwendung von starken Verschlüsselungsstandards wie AES oder HTTPS wirbt, beim Besuch der Website präsentierte der Browser allerdings eine Warnung, dass das Sicherheitszertifikat für die verschlüsselte Verbindung nicht stimme. Der bemängelte Fehler trat bei der Seite www.getkisi.de auf, nicht bei www.kisi.de.

Kommt beruflich aus den Bereichen der Mediengestaltung und der Betreuung demenziell erkrankter Menschen. Seit Ende 2012 ist er freier Journalist mit dem Schwerpunkt Start-ups, interessiert sich aber auch für E-Reading und Open Source.



  1. Daniel

    Gleiche! Idee gibt es in den USA schon seit ein paar Jahren, wurde mal bei SharkTank gepitcht. Der Typ hat sogar ein Patent auf die Smartphonelösung, wäre ich sehr vorsichtig.

    Aber vor allem diese “Ich war auf dem Oktoberfestgeschichte” klingt albern.

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  3. Dieter

    Ja das schafft vertrauen. Den Zugang zur Wohnung / Haus elektronisch bei jemandem hinterlegen, der noch nichtmal SSL richtig installieren kann.



  4. Thorsten Panknin

    Update des Artikels: der SSL-Fehler trat bei der Adresse http://www.getkisi.de auf, nicht aber bei http://www.kisi.de.

  5. Das Zertifikat ist in Ordnung, installiert ist es auch. Nur stimmt getkisi.de nicht mit kisi.de überein. Was im Übrigen nicht in Verbindung mit “SSL (nicht) richtig installiert” steht. Wir werden getkisi.de abändern, danke für den Hinweis :)

  6. Ein wenig verwunderlich ist allerdings, dass der Screenshot von einer sehr alten Version der Seite stammt. Wir haben in den letzten Monaten mehrere neue Versionen gelauncht ;)



  7. Toto

    Genau und dann knackt einer das Smartphone und ist schon im Haus. Schöne neue Welt. Nein Danke, da bleibe ich beim guten alten Schlüssel und zahle lieber ein paar Euro, wenn ich mich mal aussperre bzw. ist es eh sinnvoll immer einen Zweitschlüssel bei den Eltern zu hinterlassen.



  8. Philipp Nägelein

    Ich versuche immer noch zu verstehen was Leute wie euch, Daniel, Dieter und Toto, zu solchen Negativ-Kommentaren bewegt. Und dann noch nicht mal mit vollem Namen dazu stehen. Euer Motiv ist mir wirklich völlig unverständlich.

    Hier nehmen junge Leute ihr Leben selbst in die Hand und gründen ne eigene Firma. Das verdient Lob, Respekt und Anerkennung. Die Idee/das Produkt kann man noch 1000 mal ändern, aber man muss einfach mal anfangen.

    Keiner zwingt euch, es zu kaufen, geschweige denn zu mögen. Wenns nichts für euch ist, dann ignoriert es einfach. Aber macht nicht grundlos andere Leute und deren Ideen und Produkte schlecht, in die so viele Stunden harte Arbeit geflossen sind. In diesem Sinne, KISI: jetzt erst Recht, zeigt es den Miesmachern!

  9. @Daniel: Es gibt mindestens 4 Firmen alleine in Deutschland mit einem Patent- oder Patentantrag in ungefähr diesem Bereich, die mir bekannt sind. Und in den USA auch noch ein paar mehr als nur dieses eine vom Sharktank-Teilnehmer. Zum einen gibt es aber wahrscheinlich mehr als eine patentierbare Art dieses Problem zu lösen, zum anderen würden auch sicher nicht alle diese Patente auch vor Gericht bestehen bleiben, wenn sie wirklich mal dort geprüft werden. ;)

    Zum Thema Sicherheit: Manche Leute haben diese Bedenken, andere nicht. Die Leute die diese Bedenken haben, gehören wohl erstmal nicht zur Zielgruppe bzw. zu den potentiellen Early Adoptern – ganz einfach.



  10. Daniel

    Mir geht es hier auch weniger um die anderen Firmen, als vielmehr um diese dämliche Gründerstory mit dem Oktoberfestcase.

    Seids einfach ehrlich und sagt, dass ihr es in den USA oder hier in anderer Form gesehen habt.

    Mut zur Wahrheit.



  11. Thorsten Panknin

    Carl Pfeiffer, ich habe den Screenshot aktualisiert, auch dir danke für den Hinweis ;-)

  12. @Thorsten: vielen Dank!
    @Daniel: tatsächlich nicht! auch wenn es konkurrenz gibt und gab, unsere anfänge lagen an ganz anderer stelle. dass wir dann dort gelandet sind, wo wir gerade sind, ist eher eine mischung aus interner und externer motivation. nennen wir es einfach feedback loop! :-)

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