“Wir beobachten unsere Mitbewerber nur marginal” – Eve Büchner von refund.me

Wer wegen Verspätung seinen Flieger verpasst, kennt den Ärger, untätig am Flughafen rumsitzen zu müssen. Das Start-up refund.me mit Sitz in Potsdam (www.refund.me) hat ein eigenes System entwickeln lassen, womit Reisende online oder […]
“Wir beobachten unsere Mitbewerber nur marginal” – Eve Büchner von refund.me

Wer wegen Verspätung seinen Flieger verpasst, kennt den Ärger, untätig am Flughafen rumsitzen zu müssen. Das Start-up refund.me mit Sitz in Potsdam (www.refund.me) hat ein eigenes System entwickeln lassen, womit Reisende online oder per App überprüfen können, wie viel Geld sie dafür von der Fluggesellschaft zurück erstattet bekommen. Über Fluggastrechte und den schnellen Erfolg des eigenen Unternehmens sprach im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de Gründerin Eve Büchner.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
In Europa sind großartige Flug-Passagierrechte geschaffen worden, die unter bestimmten Voraussetzungen für alle Menschen weltweit gelten und bis zu € 600,- Ausgleichsleistung bedeuten können. Doch gerade weltweit wissen nur sehr wenige Menschen davon. Andere fürchten Bürokratie, Anwaltskosten und Aufwand, um ihren rechtmäßigen finanziellen Ausgleich zu bekommen. refund.me macht diese Rechte auf der ganzen Welt bekannt, aber vor allem anwendbar, per App oder online. Damit kommt jeder Betroffene an sein rechtmäßiges Geld.

Wenn nötig, gehen wir vor Gericht, auch in den entsprechenden Ländern, ohne Kostenrisiko für unseren Kunden! Denn sobald Sie mit einer europäischen Airline in die EU fliegen oder mit internationalen Airlines aus Europa herausfliegen, bzw. überhaupt in der EU fliegen, haben Sie Anspruch auf EUR 250,- bis 600,- Ausgleich bei Verspätungen ab 3 Stunden, verpassten Anschlussflügen, Annullierungen oder Überbuchungen.
Hinzukommt, dass Sie zwar diese weitgehenden Rechte haben, aber nicht alle Airlines nach dem Prinzip ´Recht haben´ und ´Recht bekommen´ gleichermaßen handeln.

refund.me hat deshalb mit einem Hybrid aus komplexer Software-Technologie, Rechtsdienstleistung und amerikanischer Customer Care-Mentalität einen kundenorientierten 24h-Service gestaltet, der verbrieftes EU-Recht mit wenigen Klicks auf dem Smartphone oder auf der Webseite für alle betroffenen Flugpassagiere weltweit bereitstellt. Dafür nehmen wir 15% Provision plus MwSt. und der Kunde kann sich entspannt zurücklehnen. Er trägt weder das Kostenrisiko, noch hat er weiteren Ärger mit seiner Airline. Uns freut es, dass in unserem Start-up Business und soziale Komponenten sehr eng miteinanderhergehen. Wir freuen uns mit jedem Kunden, dem wir am Ende einer frustrierten Reise mit Verspätung oder verpasstem Anschlussflug zumindest seinen Ausgleich gemäß EU Recht herbeiführen konnten.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Bei der Gründung war unser Anspruch, Passagieren durch eine sehr präzise arbeitende Software-Technologie die Auseinandersetzung mit den Gesetzestexten und Anwälten zu ersparen. So einfach, wie möglich, sollten sie ihren Ausgleichsanspruch geltend machen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine konkrete Vorstellung, wie Kunden und Airlines damit umgehen.
Ein gutes halbes Jahr später hatten wir unser ABL (Advanced Business Logic)-System so weiter entwickelt, dass selbst die komplexeste Rechtsprechung und bestimmte komplexe Ansprüche der Kunden in unserer Anwendung abgebildet sind. Dies derzeit in 5 Sprachen (engl., deutsch, spanisch, französisch und polnisch).

Die Umstellung dann hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Die App wurde inzwischen in 118 Ländern heruntergeladen(Stand 1.Juli 2013). Von Timor bis USA, Indien oder Guadeloupe.
Außerdem haben wir unseren Service um die EU-Verordnungen der Bahn-, Bus- und Schiffsreisen erweitert. Wobei die EU-Kommission hier noch einiges zu tun hat und die Union auch hier im sprichwörtlichen Sinne noch herbeigeführt werden muss, da die historisch gewachsenen Unterschiede der einzelnen Länder noch sehr groß sind. Wir sind mit dem Fluggastrechte-Segment sehr zufrieden und haben nach 11 Monaten Kunden aus 85 Länder und Fälle von 257 Airports und gegenüber 169 Airlines.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Wir beobachten die vielen kleinen und größeren Mitbewerber nur marginal, da wir unseren Service international anbieten und auch das Ziel haben, der Vision der EU Kommission zu folgen und alle 4 Transport Wege (Bus, Bahn, Schiff, Flug) abbilden. Unsere selbstlernende ABL-Technologie und unser weltweiter 24h-Service sind herausragende Merkmale. refund.me hat im April 2013, den „Top Sabre Red Appy“ Award als beste Application für die technisch innovativste Idee in der Sabre Travel Industry erhalten. Das war nach nur 9 Monaten am Start der schönste Beweis für unsere Passion und unseren Willen, etwas völlig neues zu schöpfen. Und dabei Menschen auf allen 6 relevanten Kontinenten bei Problemen auf ihren Flug-Reisen unter die Arme zu greifen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Internationale Bekanntheit. 6000 App Downloads aus 118 Ländern in 11 Monaten sind eine erste sehr positive Bilanz. Wir expandieren kontinuierlich. Im Juli haben wir die Märkte Indien, Polen und Frankreich mit eigenen Auftritten verstärkt. Irgendwann soll jeder Fluggast weltweit automatisch an refund.me denken, wenn er irgendwo am Flughafen strandet.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Unser Business-Modell basiert auf einer Provision im Erfolgsfall. Wenn ein Passagier eine Ausgleichszahlung von der Airline erhält, behalten wir 15% ein (+MwSt., wird abgeführt).

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Bis auf Russland und Brasilien sind wir in allen für uns relevanten Märkten. Diese beiden Länder haben Potential, schöpfen aber noch zu wenig aus.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir werden zukünftig noch weitere Services anbieten. Wir bieten unsere ABL-Technologie als Widget sowie ein Monitoring-Service für große Unternehmen und Online-Reise-Anbieter an. Das wird weiter ausgebaut.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Vielen ist Eve Büchner als Moderatorin diverser Sendungen zunächst aus dem TV bekannt. Dabei ist die studierte BWLerin seit 2007 unternehmerisch tätig. Zu diesem Zeitpunkt gründete sie switch.me, ein Geschäftskonzept zur interaktiven Verknüpfung von Fernsehen und Internet. 2011 ging sie mit dem Venture Capital Unternehmen quantumReality an den Start, das vor allem Seed Investments tätigt und Unternehmen in den Bereichen eCommerce Strategie, Software Development unterstützt. 2012 brachte sie refund.me, ein weltweit tätiges Serviceunternehmen, online.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.